Zwei neue Fender genügen, um einen Cruiser in einen Bobber zu verwandeln. Eine Werkstatt-Geschichte
Es hat ihn hin geledert. Aprilwetter war für Andreas Drogis Fahrdrang bisher kein Hindernis. Bis … na ja, glitschiges Laub und die nasse Straße können einem doch brutal den Spaß verderben. Sich wieder aufrappelnd und den Schaden am Moped begutachtend, kommt schadensbegrenzend der Gedanke: »Das wird ein Bobber! Wozu hat man Freunde, die sich mit der Materie auskennen? Bekannte, die in der Metallbranche arbeiten und selbst schon Motorräder umgebaut haben?«
Kaputtes kann weg
Bald steht Andys geschrottete 800er Suzuki Volusia in Gerhards Tiefgarage. Die nähere Inspektion zeigt: Lenker, Fußrasten und Auspuff verbogen. Und beide Kotflügel samt Halter sind massiv in Mitleidenschaft gezogen. Sie müssen weichen.

Ein breiteres Hinterrad steht nicht zur Debatte, davon ist Andy schnell überzeugt. Das verteuert den Umbau nur. Allerdings zeigt sich schnell: Der Zubehörmarkt bietet kaum Anbauteile für dieses Modell. Inzwischen werden die Standrohre im Fachbetrieb gerichtet. Und eine neue Vorderachse bringt das Teil wieder ins Lot.
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Okay, an vorderster Custom Front wird Andys Umbau sicherlich nicht stehen. Aber er wird immerhin den Regeln der Old School Umbauten folgen: Reduzieren aufs Wesentliche. Gemeinsam durchkämmen sie das Internet. Ein Lenker ist schnell gefunden. Aber Bleche … es ist verflixt: Viele Anbieter wollen fette Reifen und Kotflügel verkaufen.

Andys Kumpels allerdings, möchten durch relativ schmal gehaltene Fender offenbaren, welche Walzen die Suzuki schon serienmäßig hat. Eine Werkstatt in der Nähe springt in die Bresche. Dort gibt’s Schutzblech-Rohlinge in diversen Breiten und Radien.
Was passendes finden
Die Kollegen bringen das Bike im Transporter dort hin und suchen etwas Passendes zu den gegebenen Raddurchmessern und -breiten aus. Als vordere Halter werden anschweißbare Haltebleche aus dem Firmenfundus vorgeschlagen.

Und wieder passt nichts Vorrätiges für die Volusia. Doch ähnliche, angepasste Halterungen sind von Andys Metallfacharbeiter-Kollegen schnell aus Blech gesägt. Der Werkstattchef schweißt sie persönlich an und verschleift die Schweißnähte anschließend.
Mitschwingender Fender
Hinten soll der Starrahmen Look besser zur Geltung gebracht werden. Ein mitschwingendes Schutzblech soll die Suzi optisch niedriger machen. Tatsächlich wird, nachdem der beschädigte Bezug entfernt ist, nur wenig von der originalen Sitzhöhe genommen. Hauptsächlich wird seitlich verschmälert und ein neuer Sattelbezug, vom Cover Service Williams in Hoffenheim maßgeschneidert, tailliert das Kissen an der nun kleiner gestalteten, abgesteppten Oberfläche.

Für unser hinteres Schutzblech wird gerade mal ein halbierter Rohling benötigt. Der Blechrohling wird vorne mit einem speziell angefertigten Halteblech verschweißt, das sich mittels zweier M 8 Schrauben mit der Schwinge verbinden lässt. Muss ich erwähnen, dass dazu zwei Gewindebohrungen in die Schwinge gebohrt sein wollen?
Versuche und Können
Hinten versucht Kumpel Olly direkt an der Schwinge, nahe der Achsaufnahme, Haltelaschen anzuschweißen. Er fängt an der Kardanseite an … und nichts geht! Was da wie ein Starrrahmenende aussieht und am Kardan anliegt, ist auf dieser Seite nur eine Blende.

Diese ist zwar aus Metall, aber an den Befestigungsstellen in Gummi gelagert, also nicht massiv verschraubt. So gibt’s hier keine Masseverbindung und ergo auch keine angeschweißten Laschen. Eine durch die Blende gefädelte M 16×1,5 Schraube wird dermaßen umkonstruiert (siehe Skizze), dass sie als Haltebolzen für die hintere Strebe taugt und trotzdem auch noch ihren Sitz in der Gummiaufnahme der Blende garantiert.
Fertig ist der Fender
Auf der rechten Seite wird eine neue, zweigeteilte Distanzhülse (das Teil zwischen Bremstrommel und Schwingenende an der Achsdurchführung) so gestaltet, dass sie mit einer Zubehör Lenkerklemme kombiniert werden kann, die sich im Regal des Händlers findet. Daran lässt sich die linke Schutzblechhalterung befestigen.

Oben am Fender selbst, so entscheiden die Kollegen, wird die mittlerweile aus optischen Gründen etwas gebogene Haltestrebe direkt verschweißt und verputzt. Andy darf dann die Teile zu seinem Cousin bringen, der ihm als Lackierer ein mattes Silber aufträgt. Längst ist Andys Suzi wieder On the Road und bellt ihr unverkennbares »V-Bob-Volusia-a-loop-bam-boom« aus den wieder geradegebogenen Slash Cut Rohren.
Info | Sattlerei & Polsterei Williams












