Am 30. November wurden die Gewinner der European Custombike Championship 2025 gewählt, geehrt und mit insgesamt 12.000 Euro Preisgeld bedacht.
Knapp 250 Maschinen waren Ende November im Rahmen der European Custombike Championship 2025 in den Messehallen Bad Salzuflens angetreten, um die neuen Champions in den 15 ausgeschriebenen Kategorien zu küren. Egal ob Chopper, Bobber, Racer oder Scrambler – in jedem Segment traten wahre Kunstwerke auf zwei, manchmal auch drei Rädern an.

Für die Jury – bestehend aus den Redaktionen der Magazine CUSTOMBIKE und DREAM-MACHINES sowie Szene-Urgestein Horst Rösler – keine leichte Aufgabe. Wieder und wieder wurden die einzelnen Bewertungen geprüft, gecheckt und anschließend heiß diskutiert. Knifflig auch deshalb, weil die umgebauten Bikes oftmals für verschiedene Kategorien in Frage kommen. Der Gewinner der Kategorie „Best Metric“ hätte beispielsweise auch „Best Oldschool“, „Best Roadster“ und sogar „Best of Show“ werden können.
Was soll das sein, „Best Big Twin Performance“?
Schwierig auch die Entscheidung in der in diesem Jahr erstmals ausgerufenen Kategorie „Best Big Twin Performance“. Was bitte soll man darunter verstehen – Clubstyler? Powercruiser? Performance- oder sogar Race-Bagger? Die Grenzen sind fließend und deshalb haben wir uns auch diesen leicht „schwammigen“ Kategorietitel ausgedacht. Klar ist, dass es hier nicht nur um Performance im Sinne von vielen Pferdestärken oder Drehmoment geht. Und auch nicht nur darum, wer das beste Fahrwerk für den Einsatz auf der Rennstrecke verbaut hat.

Nun ist es ja so, dass gerade bei Performance-Baggern und Clubstylern wenig wirklich Selbstgebautes zum Einsatz kommt. Die Parts für Motortuning, Fahrwerksoptimierung und all die An- und Umbauteile stammen in den meisten Fällen vom Aftermarket und werden „nur“ drangeschraubt. Das gab für uns letztlich den Ausschlag, diesen Pokal einer Road Glide zuzusprechen, die weder den stärksten Motor noch das beste Fahrwerk hat und mit einem 30-Zoll-Vorderrad auch nicht einmal im Traum daran denkt, über eine Rennstrecke zu ballern.
15 Kategorien bei der European Custombike Championship 2025
Dafür ist ihre Optik höchst beeindruckend und der Besitzer hat tatsächlich Sturzbügel, Auspuff, Lenker, Spoiler und etliches mehr aus Titan gefertigt – wie auch viele weitere Teile des Bikes bis hin zum Tank Eigenbau des Besitzers ist. Titan ist ein extrem hartes Metall und braucht spezielle Werkzeuge und Bearbeitungsmethoden, um es in Form zu bringen. Allein der von Hitze in bunten regenbogenfarben gefärbte Auspuff ist aus unzähligen Minisegmenten vom Besitzer Geert van Hoof zusammengeschweisst worden und ein maximaler Hingucker. Und weil wir diese Eigenleistung würdigen wollten, gab es den Pokal eben für die „Titan“ und nicht für den Bagger mit der größten Motorleistung oder den Clubstyler mit dem besten Fahrwerk. Mal schauen, ob wir die Kategorie im nächsten Jahr splitten oder anders benennen, damit es zu keinen Missverständnissen kommt, was hier ausgezeichnet werden soll.

Erklärungsbedürftig ist womöglich auch unsere Wahl in der Kategorie „Best Engineering“ – ein ultracleaner Evolution-Bobber mit Details zum Niederknien: Tank Eigenbau, Öltank Eigenbau, Hinterradschutzblech Eigenbau, Lenker Eigenbau, Elektrik Eigenbau, Sitz Eigenbau, Auspuff Eigenbau, Luftfilter Eigenbau, Fußrastenanlage Eigenbau, Kennzeichenhalter Eigenbau, Bremssattelaufnahmen Eigenbau, Rahmenmodifikation Eigenbau, Tachoaufnahme Eigenbau, Seitenständer Eigenbau. Erbauer Thomy Bader hat die Schwinge im aus fünf Millimeter dicken Stahlblech selbstgebauten Batteriekasten gelagert, um den Schwerpunkt möglichst tief zu halten und so das Fahrverhalten zu optimieren. Alle Infos dazu demnächst in einem ausführlichen Bericht in DREAM-MACHINES.
Eine moderne Hommage an die frühen Board-Track-Racer
In den weiteren Kategorien herrschte weitgehend Einigkeit, insbesondere beim „Best of Show“ und damit neuem Europameister führte kein Weg am Indian Scout Board Track Racer von Peter Herbert vorbei. Zweieinhalb Jahre werkelte Herby an seiner Hommage an die frühen Boad-Track-Helden, die vor 100 Jahren zu den Pionieren des Racings gehörten – und dies nicht selten mit ihrem Leben bezahlten. Außer dem wassergekühlten Indian-Motor ist praktisch alles an diesem Motorrad selbstgebaut. Und zwar ohne großen Maschinenpark, sondern mit ganz normalem Werkzeug. Selbst Rahmen und Gabel fertigte Herby an diesem Motorrad, das ganz bewusst kein Oldschool-Bike werden sollte, von Hand. Ein großes Portrait der Maschine gibt’s in der neuen CUSTOMBIKE, die ab 18. Dezember im Handel steht.



















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