Er ist Kunstschmied – eigentlich. So ganz nebenbei ist Ton »Beer« Beerepoot aber auch Autor, und einer der Chopper baut, Chopper fährt und Chopper lebt. Wir besuchen seine Garage im niederländischen Spanbroek

Wenn wir Beer als eine der Triebfedern der europäischen Chopperszene bezeichnen, dann ist das ein Fakt, der mit allem Möglichen zu bestätigen ist. Der Choppermann verbreitet den Spirit mit seinen »Chop, Ride & Party«-Jahrbüchern, ist Mitorganisator der besten holländischen Chopper-Bikeshow und er motiviert auf Facebook Chopperfans weltweit. Oder schlicht gesagt, er lebt diesen Lifestyle – mit seiner Familie und auch mit seinem Club.

Beers Chopperschmiede ist kein Showroom. Wer Chopper baut, macht zunächst mal Dreck. Im Schmutzraum flext, sägt, schweißt, biegt, glättet und poliert der 2%er!

Beer und seine Frau Els empfangen uns mit einem herzlichen Willkommen in ihrem Zuhause und führen uns auf einen Kaffee in einen Raum, der Wohnzimmer, Chopperandenkenmuseum, Chopperbücherei und Garageneingang gleichermaßen ist. Beer holt aus und erklärt uns seinen Werdegang. In einer Szene, in der er schon 1979 den Rogues MC mitgegründet hatte, ein Club bei dem alle Mitglieder Chopper fahren sollten.


Über japanische Maschinen hin zu den Bikes aus Milwaukee

Dem europäischen Zeitgeist entsprechend choppten die Rogues japanische Maschinen, doch Beer selbst fand schnell zu den V-2-Bikes aus Milwaukee. Er arbeitete eine Zeitlang in einem Choppershop mit und er schrieb irgendwann auch für das holländische Magazin »Big Twin«, was ihm seinen zweiten Spitznamen einbrachte, weil er seine Storys im Heft mit »Grizzly« unterzeichnete. Seine massive Braunbär-Statur hat da wohl auch mitgespielt.

In ein von ihm abgeändertes Fahrwerk soll eine Harman-Gabel eingebaut werden, die im Flow den Lenker integrieren wird und mit versteckter Federung arbeitet

Und auch »Beer« hat nichts mit dem englischen Wort für Bier zu tun (es kommt vielmehr von seinem Nachnamen Beerepoot, im deutschen Bärenpfote) und wird wie das deutsche Bär ausgesprochen.


Beers Umbauten folgten zunächst amerikanischen Vorbildern, bis die Schweden für ihn neue Maßstäbe setzten. Bei den Bikes sowieso, aber bald auch in Hinsicht der Gastfreundschaft. Drei bis vier Wochen machten sie jedes Jahr in Schweden Urlaub. »Schwedische Biker waren so freundlich und sogar interessiert an uns Holländern auf unseren grobschlächtigen Choppern«, weiß Beer zu berichten.

»Dein Chopper war damals der Türöffner«

»Du brauchtest damals nur einen Chopper zu fahren und die Clubhaustüren standen dir offen!« Doch das änderte sich. Während sein Club am alten Lifestyle festhielt, lebten andere MCs neue Werte. Er trauert der alten Zeit nach, hat jetzt aber auch Konzepte parat, die eine annähernd gleiche Szene wieder möglich machen. Als Hauptrezept sieht er das Fahren von Choppern an. Er hat das in den USA erlebt.


Beers Frau Els empfängt uns mit einem herzlichen Willkommen

Irgendwo kennt immer einer einen, der wiederum jemanden kennt … ein Platz zum Schlafen im Nebenzimmer, in einer großen Garage oder ein Plätzchen fürs Zelt – mehr braucht es ja nicht. Heute kann Beer auf ein Netzwerk von Freunden zugreifen, das er sich selbst »erfahren« hat.

Herberge, Stellplatz und Werkstatt unter einem Dach

Beer zeigt uns den Platz, wo er durchreisende Gäste schlafen lässt. Auch das Clubhaus seines Rogues MC wurde in dieser Hinsicht geplant und gebaut, erzählt er uns. Während wir den Zugang in die Werkstatt nehmen, passieren wir den Stellplatz für die Familienchopper. Auch für Els hatte er vor Jahren ein Starrrahmen-Bike aufgebaut, das erst auf den dritten Blick zeigt, dass der Motor einer Sportster eingebaut ist.

»Männerspielzeug«

Beer erzählt von seinen Erlebnissen auf amerikanischen und europäischen Straßen und den Kontakten, die sich unterwegs ergaben. »Chopperliebhaber sollten von Zeit zu Zeit einfach ihre Bündel packen und die verdammten Chopper fahren: Besucht die wenigen Clubs, die sich immer noch mit Choppern abgeben, trefft euch mit Leuten, die wissen, worüber ihr redet.

»Die Welt kann dir gehören – mach es einfach.«

Er zeigt auf einen Stapel des mittlerweile dritten Bands seines Jahrbuches »Chop, ride and party!« So verarbeitet er jeweils seine Straßenerlebnisse. Die vierte Ausgabe erscheint Ostersonntag, dann, wenn sein Club die 29. jährliche Choppershow im Sportzentrum »De Weyver« in Hoogwoud bei Opmeer abhält.


Auf Messen und Choppershows bietet Beer die Kunstschmiedeerzeugnisse und seine »Chop, ride and party!«-Jahrbücher an

»Ja, das ist eine Clubsache«, wirft Beer erklärend ein, »aber wir sind halt etwas älter und sehr nahe an dem dran, wie es damals anfing.« Beer nennt es Oldschool, was sie da machen.

Ihr Kennzeichen wurde das 2%er-Symbol als Patch oder Sticker, es wurde quasi zur Türöffner-Parole bei Gleichdenkenden, die das 2%er-Patch heute ebenso sehen und nutzen. Den Gedanken hinterm Logo erklärt Beer gern, »es sind nur zwei Prozent aller Biker, die Chopper fahren und sie auch bauen!«

Jetzt erst öffnet Beer die Tür zu seiner eigentlichen Garage. Hm … Garage? Chopperschmiede ist sicher passender. Hier baut er für sich und enge Kumpel Chopper, hier wird geflext, gesägt, geschweißt, gebogen, geglättet und poliert. Er zeigt uns einen abgeänderten Tank, der einen Chopper im Sixties-Style verschönern soll.

Hier warten diverse Teile auf ihre Verwendung

Hier im »Schmutzraum« stehen angefangene Projekte, auch schon leicht angestaubte. Auf Regalen warten Teile auf Verwendung. Die Wand ist mit Stickern gepflastert, mit Plakaten beklebt. Und Skizzen, mit Details und näheren Erläuterungen, wie sie Beer für jedes seiner Projekte erstellt, geben ihm Gedächtnisstützen.

Dieser Bereich ist vom Rest der Garage gut isoliert – die Bikes stehen vor einer Zwischenwand und somit geschützt von Funkenflug und Schleifstaub. Und sie stehen oft schon beladen da, fahrfertig für den nächsten Roadtrip.

Info | www.choprideandparty.com