Der Elvis-Fetzen von 1964 symbolisiert den Weg des King genauso wie den des Choppers: vom schmutzigen Rock ’n’ Roll zum glamourösen Welterfolg. Elvis ist so tot wie Dennis Hopper, doch der Count von Las Vegas lebt und predigt von der Bühne den Weg von Schönheit und Fahrbarkeit.
Die Spielerstadt Las Vegas ist eigentlich nur nachts beeindruckend, denn bei Licht betrachtet entpuppt sich die Neonwelt als Fassade mit vielen trostlosen Winkeln.
Ein Teil der Stadt
Wer wirklich einen kurzen Moment des Glücks erleben will, steckt sein Geld vielleicht besser zwischen die Titten einer knackigen Tänzerin als in den Schlitz eines einarmigen Banditen. Das weiß der kreative Fürst der Dunkelheit, Count Kustom, und betont stolz: »Ja, unser Laden ist in diesem Teil der Stadt.«

Dort, wo die Greyhound-Busse bestimmt keine Rentner mehr ausspucken, sondern höchstens Touristen mit gesundem Blutdruck: Im Süden von Vegas liegen die Clubs wie Tabú, Cathouse oder Spearmint Rhino, in denen überwiegend männliche Gäste gerne Taschenbillard spielen. Männer, Mädchen und Motoren bilden ja seit Erfindung der Verbrennungsmaschine eine eilige Dreifaltigkeit, und so war in den Suburbs die Errichtung einer Kathedrale zu Ehren von dreckigen Hot Rods und scharfen Custombikes eine aufrechte Mission.
Öl, Schweiß und Pläne
Der Count versteht sich auf diesen würzigen Aperitif aus Testosteron, Adrenalin und Benzin, bevor die Jäger ihre Schätze verlieren und zum Abendmahl nacktes Fleisch genießen. Gemeinsam mit seinem Chefmechaniker Shannon und zehn weiteren Mitarbeitern pilgert er täglich den bekannten Weg voll Öl, Schweißen und Plänen, bis die erste vage Idee des Kunden zum fahrfertigen Gerät herangewachsen ist.

Wenn’s sein muss, kann jede einzelne Schraube in den eigenen Hallen gefertigt werden, der Entwurf und Bau eigener Fahrwerke sowie Lackiererei und Polsterei sind selbstverständlich. Schauen wir uns nur diese geradlinige Gazelle an, erkennen wir auf den ersten Blick, was der Count meint, wenn er von rasiermesserscharfer Linie bis ins Detail spricht.
Eine Größe in Las Vegas
Das Fahrgestell mit festem Hintern und schlankem Hals versetzt nicht nur Gerüstbauer in Verzückung, und die nahtlos aus der langen Gabel wachsende Lenkstange erlaubt Tänzerinnen elegant laszives Gleiten. Über dem V-Ausschnitt zwischen den mächtigen Zylindern lenkt Glitzer und Glamour die Aufmerksamkeit des Voyeurs auf den rund gelutschten Tank, bis ihm der Schweiß tropft.

Sodann schlüpft er als Fahrer mit dem Hintern in den ledernen Lendenschurz vor dem geschwollenen Hinterreifen und streckt die Beine lässig nach vorn wie Al Bundy auf der Fernsehcouch. »Unsere Bikes kannst du mit der Hand in der Hosentasche fahren«, sagt denn auch der Count und meint damit eher das überraschend gute Handling.
Coole Optik, trotzdem Handlich
»Trotz langer Radstände und Gabeln verzichten wir auf extreme Lenkkopfwinkel und legen bei der Wahl der Rahmengeometrie vor allem Wert auf ausreichende Handlichkeit. Denn unsere Maschinen sollen im Stand und beim Fahren Freude machen.« Bei der Optik bevorzugt Count’s Kustom einen aufs Wesentliche reduzierten Stil mit einer leichten Verneigung vor der Vergangenheit.

Bei diesem Gooseneck kommt zu der Reminiszenz an die frühen 1970er noch etwas internationales Flair, wie es zu Las Vegas passt: ein bisschen abgefahren wie bei den Japanern, ein Touch Schweden-Chopper. Lockere Lebensfreude ist eben unabhängig von Ort und Zeit. Schließlich nahmen ZZ-Top den ollen Elvis-Hit dreißig Jahre später auch noch mal auf.
Was Besonderes
Viva Las Vegas! Der Count sagt: »Es gibt viele großartige Customizer auf der ganzen Welt. Doch ich denke, wir sind etwas Besonderes.«
Info | Count’s Kustoms















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