Eine BMW R 100 RS belegt eindrucksvoll, dass sich auch mit kläglichem Einkommen ein markiger Umbau finanzieren lässt.
»Ich hatte richtig derbe Entzugserscheinungen, ich brauchte unbedingt ein Motorrad zum Schrauben«, erzählt Kai aus Leer.
Bereits mit 18 hatte er in seiner ostfriesischen Heimat eine Kawasaki Z 1000 ST zum Café Racer umgebastelt. Zwei Monate, nachdem er nach Hamburg umgesiedelt war, musste dringend etwas Neues zum Fahren und Umbauen her.
Cool, aber ohne Kohle
Da das zweite Projekt des Nachwuchsschraubers ein Zweizylinder werden sollte, entschied er sich für eine BMW R 100 RS von 1976. Zwar war das Boxer-Bike mit der spießigen Original-Vollverkleidung behangen, verfügte jedoch über Speichenräder und eine gesunde Mechanik. »Jetzt musste ich mit Gedanken machen, wie ich einen coolen Umbau mit dem jämmerlichen Gehalt eines Azubis finanzieren konnte«, resumiert Kai.

Einen warmen Platz zum Schrauben entdeckte der Exil-Friese durch Zufall in der Motorrad-Selbsthilfegruppe der Roten Flora, einem autonomen, besetzten Kulturzentrum im Schanzenviertel: »Ich wurde dort mit offenen Armen aufgenommen. Also begann ich mein Projekt im wohl umkämpftesten Gebäude der Hansestadt.«
Runter mit dem Hüftspeck
»Ich wollte die BMW aufs Wesentliche reduziert und frei von jedem überflüßigen Quatsch«, erzählt Kai, wie er die Verkleidung entfernte, Sitzbank, Cockpit, Gepäckträger und Schutzbleche runterriss. Beim Lenker griff er auf eine 81 cm Dragbar zurück, die er genau wie den schmalen Solosattel aus dem privaten Fundus in Leer nehmen konnte. Hinten montierte Kai das Schutzblech einer Royal Enfield Bullet 500, er baute eine Kennzeichenhalterung und versah das gute Stück mit einem modifizierten Sparto-Rücklicht.

Der originale BMW-Fender am Vorderrad erhielt seine schlanke Form mithilfe einer Stichsäge. Als Tacho kam für Kai nur ein Exemplar in analoger Optik in Frage, das er bei der Firma Koso fand. »Die Montage des Abnehmers erwies sich dann allerdings mangels Anschraubemöglichkeiten und dem langen Federweg an der Gabel als problematisch und wurde ans Hinterrad verlegt«, erklärt der Junior.
Drei Monate und ein paar hundert Euro
Die maroden Bremsleitungen tauschte er gegen zukunftsfähige Stahlflexleitungen aus, die eckigen Ventildeckel wichen runden von den /5- und /6-Vorgängermodellen. Nach drei Monaten hatte Kai das Bike so fertiggestellt, wie er es wollte.

Kaum mehr als 400 Euro hat der Selbstschrauber für den Umbau aufgewendet. »Außerdem habe ich alle Originalteile verkauft und mir damit den Umbau finanziert. Unterm Strich ist sogar noch was übrig geblieben«, freut sich der Sparfuchs.











