Nach über zwanzig Jahren bearbeitet ein grandioser Customizer seine eigenen Wurzeln und baut eine einzigartige BMW R 90 S.
Hans Joachim Maiers Lowrider auf Basis der BMW R 90 S ist in unseren Augen nach wie vor einer der besten Boxer-Umbauten, die je in Deutschland entstanden sind. Wir erinnern uns an die erste Begegnung mit dem Ausnahme-Bike, damals auf dem Custom & Classic Fest in Huttenheim.

Das heisere Auspuffröhren hatte uns herausgelockt, noch bevor … da kommt es! Ein tiefliegendes Ding tastet sich vorsichtig um die enge Kurve, sein Fahrer sitzt geduckt auf dem jetzt donnernden Teil, das er nun über die Asphaltgerade in unsere Richtung jagt: »Es ist Hans, er hat es wahrgemacht!«
Akkurat gebaut
Hans Joachim Maier ist Garant für ausgefallene Umbauten. Fast regelmäßig hatten wir seine Kreationen in der CUSTOMBIKE. Ob Panhead-Harley, Yamaha SR oder seine Stealth FJ – allesamt sehenswert. Und immer wurden seine Fahrzeuge viel bewegt. Auch wenn sie nicht immer so erschienen. »Gibt es dafür TÜV?«, war immer die erste Frage, die er sich anhören musste.

Bei Polizeikontrollen konnte Hans jedes Mal beweisen, dass er legal auf der Straße war. Gleiches Szenario nur ohne Polizei am Vatertag in Huttenheim: »Gibt es eine Möglichkeit so ein Ding rechtmäßig mit ordentlichem TÜV-Stempel und allem pi-pa-po zu fahren?« Hans ist hier entspannt, er weiß, dass trotz radikalem Grundkonzept sowohl Statik als auch Fahrdynamik stimmen und alles akkurat gebaut ist.
Auf Anhieb ein Publikumsmagnet
Der Rest wird sich ergeben. Ein paar schicke kleine Schalldämpfer sind bereits in Planung. Mittlerweile ist klar: Auch wenn seine Kreation auf Basis einer BMW R 90 S mit roter Nummerntafel gefahren kam: Hansis Lowrider ist der Publikumsliebling!

Was seinerzeit direkt mit dem »Best of Custom«-Preis der Custom Cycle Crew belohnt wurde und später auch im Sieg des traditionellen Custombike-Weetbebwerbs mündete.
Proportionen auf die EIns
Befragt man Hans über das »Wie und Warum« bei Planung und Bau seiner BMW, dann kommen Antworten, wie sie ein Kataloganschraubteilecustomizer niemals geben kann. Für uns ein Grund, da tiefer nachzugraben. »Prio Eins waren die Proportionen und die Linienführung: Die 900er musste maximal flach runter und mehr Radstand bekommen, also ein Mix aus Dragster und Racer werden.«

So eröffnet der Designer seine Gedanken. »Die Volumen müssen optisch aufs Wesentliche reduziert werden, der Motor soll maximal fett rüberkommen. Wenn man den Motor aus seiner original groben Gussoberfläche befreit, kommt eine schöne, kraftvoll-technische Skulptur zutage, die das zeitaufwendige, schweißtreibende Schleifen und Polieren allemal lohnt.
Formensprache im Blut
Der Motor darf nicht, wie beim Original, optisch bergauf fahren: Das bremst!« Formensprache liegt ihm im Blut. »Der Brocken muss nach vorne leicht abtauchen, das gibt Schub.

Das Ganze wird durch die Linie der Auspuffanlage unterstützt. Die Krümmerkreuzung ist nur auf den ersten Blick ein Gimmick, sie vermeidet einen zu engen Biegeradius, sie gibt Länge und eine gewisse Spoiler-Optik.«
Weglassen statt anschrauben
Maier ließ das im Original angeschraubte Rahmenheck völlig entfallen. »Das freiliegende Ende des Hauptrahmenrohres bietet sich als Aufnahme für einen frei schwebenden Sitz an. Die verlängerte Schwinge ermöglicht eine maximal tiefe Sitzposition«. Bei Kayser entstand dafür extra eine sechs Zentimeter längere Kardanwelle. Aber ansonsten schaut der Schrauber schon, dass er nach dem Low-Budget-Reinheitsgesetz handelt.

»Ganz wichtig: Keine noblen Luxusteile dran schrauben, sondern alle Details in Ruhe austüfteln. Die einfachste ist meistens auch die schönste Lösung. Manche simpel wirkende Lösung erfordert natürlich auch einen höheren Arbeitsaufwand.
Lieber weglassen als Dranschrauben
Da kann man schon mal diverse Stunden an einem kleinen Schutzblechhalter rumfeilen«. Generell gilt für ihn: Lieber was weglassen, freie Sicht aufs Wesentliche! Hans folgt damit der ursprünglichen Bedeutung des Choppens.

Wenn man weiß, dass Hans dieses Fahrzeug im zarten Alter von 20 Lenzen schon mal als Chopper umgebaut hatte und damit kilometerfressend auf der Straße unterwegs war, wird seine Vorliebe zu 80er-Jahre-Styling bei diesem Projekt verständlich. Das war die Zeit, als reine Technik und einfache Lackierungen die überzogenen Kasperle-Kreationen ablösten. Er liebt die pure Fahrmaschine, mit ordentlich Chrom drauf, Reifen mit zeitgenössischem Profil und bloß nicht zu dick aufgetragen.
Farbe bewusst gewählt
Hans meint: »Es wurde bewusst nur eine Farbe eingesetzt; no overstyle durch Lackfirlefanz. Blau passt zu BMW – siehe am BMW-Logo – und gibt einen perfekten Kontrast in Farbwert und Helligkeit zu Chrom und Schwarz.«

















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