BMW will schon lange weg vom Hosenträger-Image. Dass es dafür nicht immer neue Studien-und Konzeptbikes braucht, belegt ein rostiger Schlegel namens R 75/5.
Altgediente BMW-Eigentümer empfinden einen Boxer-Umbau zuweilen als Sakrileg. Nicht so der Amerikaner Eric Allard, sehr wohl aber sein Schwiegervater. In dessen Scheune setzte die Strich-Fünfer nämlich seit einigen Jahren böse Staub an, trotzdem rückte er den 73er Boxer einfach nicht raus.
Das Sakrileg des BMW-Umbauens
Vor allem weil er weiß, dass Eric was Größeres mit der Karre vor hatte. Immer wieder hörte der sich die Litanei vom Klassiker an, der niemals nicht angetastet werden darf. Eric suchte sich Hilfe und versprach seiner Frau Wendy, ihr die heißersehnte Triumph zu bauen, wenn sie es schafft, ihren Vater zum Verkauf der BMW zu überreden.

Nach einem Monat hatte sie es gepackt, der störrische Alte lenkte ein. Eric zahlte und verscherbelte sofort alles, was er für den Umbau nicht brauchte. Sitzbank, Tank, Frontend, Schwinge, alles musste raus.
Bunter Stilmix
»Mit 130 Dollar plus bin ich in die Umbauphase gestartet.«, schmunzelt er. Grundlegende Ideen für das neue Gesicht des Boxers hatte der hauptberufliche IT-Fachmann Eric beim Kauf schon im Kopf. Er wollte in seinem Motorrad altbekannte, klassische Umbaustile mischen.

Doch bevor es ins Detail ging, gab er dem Rahmen rundere Formen. Dabei setzte er den Motor zunächst in den Rahmen und bog anschließend die Rohre um das Aggregat neu. Der Oberzug wurde mit der starren Schwinge verschraubt.
BMW mit kultigem 23-Zöller
Der kleine Fahrradsattel liegt nun deutlich tiefer als die ausladende Sitzbank des Ur-Modells. Ein satter 23-Zöller vorn punktet bei Bobber-Freunden. Der Lenker dagegen ist kultiger Boardtrack-Style.

Um ihm seine Form zu geben, wendete Eric einen alten Trick an. Er befüllte ein Rohr mit Sand und erhitzte es. Nun konnte er das heiße Geflecht in die gewünschte Form biegen, ohne dass es seinen Querschnitt verliert.
Die Gabel eine Eigenkonstruktion
Die Blattfedergabel ist genauso ein komplettes Eigenkonstrukt von Erics Nebenbei-Custom-Bude FNA und erinnert an alte Indians. Und obwohl die Parts des Frontends aussehen, wie aus der Mottenkiste gezogen, so stammen sie doch aus modernsten Maschinen. Erics Kumpel Scott fertigte sie nach den Vorgaben des Meisters per CAD-Programm am Computer.

Anschließend wurden sie aus altem, rostigen Stahl per Laser ausgeschnitten. Die Geometrie der Gabel wurde übrigens im Vorfeld exakt berechnet, um das Bike so gut wie möglich auf Fahrbarkeit auszurichten. Ähnlichen Hirnschmalz verwendete Erbauer Eric auf den Tank.
Sonderbehandlung für den Harley-Tank
Die Behälter der BMWs zeichnen sich vor allem durch die markanten Knieeinlässe an den Seiten aus. Diese Bauart sollte beibehalten werden. So bekam der verwendete Harley Wide Glide-Tank eine nette Sonderbehandlung.

Freund John teilte das Gefäß in zwei Hälften und schweißte es Stück für Stück zur gewünschten Form zusammen. Nach reichhaltigen Blech-, Rohr- und Stahlarbeiten machte sich Eric schließlich an den Clou seines Boxers. „Ich wollte weg vom Kardan, hin zur Kette.“, erklärt der Schrauber.
Kette statt Kardan
Er entscheidet sich für den Bau einer Umlenkung und verwendet dafür das umgefrickelte Differential eines Quads. Dort, wo eigentlich die Kardanwelle sitzen sollte, verbaut er auf der linken Seite, unterhalb der Sitzbank, die Bremsscheibe. Auf der rechten Seite der Achse liegt das Antriebsritzel einer Harley-Sportster, das die Kraft auf die Kette überträgt.

Ein einzigartiger, technischer Hingucker, der nicht nur einwandfrei verzögert, sondern auch das Hinterrad wunderbar clean lässt. Lediglich die filigrane Strebe des Schutzblechs sticht hier noch ins Auge. Sie ist fest mit dem Starrrahmen verbunden und hält den Fender so an seinem Platz.
Purer Rost an der BMW
Der ist übrigens das letzte Teil, das Eric fertig stellte. Auf eine Lackierung verzichtet er bewusst. »Alles purer Rost.«, erzählt er. Und auch ein Deutscher trug noch einen Teil zum Gesamtkonzept bei. Kai, ein ausgewandeter Kumpel, erzählte Eric, dass man ’ne Touren BMW in ihrem Heimatland gerne mal als »Dicke Berta« bezeichnet. Eric verstand das wohl ein bisschenfalsch, die »Fatt Herta« ist geboren.
















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