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BMW R 100 RS – Café Bianco

Von der BMW R 100 RS, blieb mehr als es scheint und weniger als man denkt – ein handwerkliches Meisterstück mit viel Liebe zum Detail

Als die BMW R 100 RS im Jahr 1976 vorgestellt wurde, stand die Motorradwelt Kopf, war sie doch das erste Großserien-Motorrads mit rahmenfest montierter Vollverkleidung. Das Design kam von Hans A. Muth und war im Windkanal für den Fahrerschutz optimiert worden. Und die fast 1000 Kubik waren seinerzeit sowieso noch eine echte Hausnummer, insbesondere für einen deutschen Boxer. Die Verkleidung sorgte wegen ihrer futuristischen Form sofort für heiße Diskussionen, doch der Wetterschutz war unbestritten. 

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Wunderlich "Beiträge"

Eine kurze RS-Historie

33648 Exemplare der RS verließen bis Ende 1984 das BMW-Werk in Berlin-Spandau, bevor man auf die K-Modelle umschwenkte. Nach Kunden- und Händlerprotesten erlebte die RS 1986 ein Comeback und es wurden nochmals über 6000 Einheiten gebaut. Bis heute wissen auch Umbaufans den einfachen und soliden Aufbau zu schätzen – so wie die Brüder Verner und Mirko Ortiz aus Italien.

SO VIEL BMW WIE MÖGLICH

So einfach eine BMW R 100 RS im Vergleich zu den heutigen Modellen auch aufgebaut ist, vom Abbau der Serienverkleidung bis zum super cleanen Erscheinungsbild des Racers war es ein weiter Weg. »Wir wollten so viel BMW-DNA wie möglich in Fahrwerk und Bauteilen erhalten, um den Charakter und die Technik des Originals zu zeigen«, so Verner, »aber auch mögliche Verbesserungen einfließen lassen, wenn es im Rahmen der Möglichkeiten ist.« 

Normal verlieren wir kein Wort über die Show-Ständer, aber dieser lupft das Bike mit einer eigenen Mechanik hoch!

Doppelschleifen-Rahmen und Telegabel stammen von der RS, wurden aber überarbeitet und von überflüssigen Halterungen und Details bereinigt. Zugunsten der Optik verzichteten die Brüder auch auf damals wie heute angebotene Rahmen-Zusatzstreben als Versteifung. Sie würden sowieso erst mit einer stabilen Gabelbrücke an den Tauchrohren Wirkung entfalten. 

BMW R 100 – Motor und Antrieb überholt

Motor, Getriebe und Kardan wurden komplett zerlegt und überholt, entsprechende Restaurationen sind eines der Betätigungsfelder von VM-Cycles, der Firma von Verner und Mirko. Sie polierten auch die Gehäuseoberflächen auf Hochglanz. Das ist bei einem reinen Showbike kein Problem, aber für einen Langstrecken fahrenden Boxermotor nicht ohne Risiko.

Die Zweiarmschwinge hat ihre zwei Arme behalten und auf der linken Seite einen dritten Arm bekommen, mit dem das nunmehr liegende Federbein wie bei einer -Softail auf Zug belastet wird

Ein relativ großer Prozentsatz der Kühloberfläche geht dabei verloren und der Motor läuft insgesamt heißer – so mancher Besitzer polierter Chopper-Boxer musste also schon feststellen, dass die rauhe Guss-Oberfläche alter BMW-Boxer durchaus einen Sinn hat. Die »kantigen« Kopfdeckel wurden mit der R 100 RS 1976 eingeführt und dann für die anderen Hubraumklassen der /7-Modelle übernommen. 

Tricky und clean

Das VM-Team schliff die Kanten rund und entfernte mit den zwar kurzen, aber dennoch vorhandenen Kühlrippen weitere Kühloberfläche. Tricky und clean ist die Führung des Zündkabels: Sie führt durch die Öffnung im Zylinderkopf nach unten in dort eigens gebohrte Führungsöffnungen, sorgfältig gegen Motorhitze abgeschirmt.

BMW R 100, aber bitte italienisch

Dann geht es im Rahmen verborgen nach oben zu den Zündspulen unterm Tank. Ein Kabelschuh ist – wie sonst nur bei antiken Bikes oder radikalen Customs noch zu sehen – mit einer Rändelschraube direkt an der Kerze verschraubt. Isolierung? Könnte man machen, muss man aber nicht. 

Einen Fußbremshebel gibt es nicht. Der rechte Handhebel aktiviert ein Integralbremssystem

Beide Auspuffrohre sind aus Inox-Stahl handgefertigt und führen schlank und schwungvoll nach hinten. Typisch italienisch – wie bei klassischen MV Agustas – sind sie lediglich an den Krümmermuttern und eigens designten Halterungen befestigt. Auch auf das BMW-obligatorische Inter­ferenzrohr wird verzichtet. 

DIE VERSCHWUNDENEN ZÜGE

Um das polierte Motorgehäuse weitgehend frei von optisch störenden Kabeln und Bowdenzügen zu halten, verschwinden die Gaszüge im Luftfiltergehäuse, vereinen sich dort zu einem und der wird – versteckt hinter dem linken Rahmenrohr – direkt in den Lenkerstummel geführt. Die Chokes müssen an beiden Vergasern einzeln gelupft werden, den Platz des BMW-üblichen Choke-Hebels mit den Bowdenzügen nimmt jetzt das Zündschloss ein. Bei genauem Hinsehen erkennt man an Starter- und Luftfilter-Gehäusen eingesetzte Edelstahlgitter, welche für zusätzliche Luftzufuhr sorgen. 

Die Zündkabel werden unter den Zylindern und durch die Rahmenrohre zu den Zündspulen unterm Tank geführt. Dieses und viele weitere Details sorgen für einen cleanen Look des Racers aus dem Hause Ortiz!

Dass die Heckpartie nur noch wenig mit der R 100 RS gemein hat, ist auf Anhieb zu erkennen: Das handgefertigte Alu-Heck schwebt scheinbar völlig frei über dem Hinterrad und die zweite Halterung des Serien-Hilfsrahmens wird von einem schwungvoll gestalteten Mini-Fender genutzt. Mit edlem Leder und RS-Logo bestickt ist die Sitzbank so hart wie sie aussieht, aber wer fragt bei einem Kunstwerk schon nach Komfort? 

BMW R 100 – tiefgehende Eingriffe

Tiefgehend ist der Eingriff in die Hinter­­radfederung: Mit einer konventionellen Zwei-Stoßdämpfer-hinten-Anordnung bot die Ur-RS 1976 ja nun keine Fahrwerks-Revolution, erst bei ihrem Revival zehn Jahre später bekam sie eine Monolever-Schwinge hinten spendiert. Das hielt die Ortis-Brüder nicht davon ab, ihre eigene Interpretation einer Monoshock-Schwinge zu konstruieren. 

Der an sich wunderschöne handgedengelte Höcker will leider irgendwie nicht recht zum übrigen Look der BMW passen 

Kardanseitig blieb fast alles beim Alten, die hintere Federbein-Aufnahme am polierten Kardan-Gehäuse wird nun für den Nummernschildhalter genutzt. Auf der linken Seite ist die Serienschwinge durch eine Zusatzstrebe mit dem Stoßdämpfer verbunden, der jetzt am Rahmenunterzug befestigt ist. Wie bei den Softail-Harleys ist diese Dämpfer-Anordnung auf Zug belastet, nicht auf Druck, und liegt leicht versteckt hinter Krümmer, Halterung und Rahmen. Überaus filigran im Design sind Fußrasten und Schalthebel weit nach hinten versetzt, die Halterungen sind in der Drehpunkt-Aufhängung der Schwinge verschraubt. 

EIN EIGENES BREMSSYSTEM

Bremshebel und Bremszylinder sucht man auf der rechten Seite vergebens: Verner und Mirko entwickelten auf Basis der traditionellen BMW-Technik eine eigenständige Lösung der Bremsanlage. Bei der Einführung der Scheibenbremsen in den 70er-Jahren verlegten die BMW-Ingenieure den vorderen Bremsflüssigkeitsbehälter samt Druckzylinder unter den Benzintank – sturzsicher, aus dem Blick und mit Bowdenzugbetätigung.

Aus dem Einheitsbrei von BMW-Cafe-Racern sticht dieses Kunstwerk allemal hervor. Die Handwerksleistung ist großartig, auch wenn für uns persönlich der Sitzhöcker noch etwas filigraner und schmaler hätte sein dürften …

Cleane Geschichte schon damals, von VM weitergesponnen zu einem eigenen Integral-Bremssystem. Das System leitet die Druckleitung der hinteren Vierkolben-Bremszange durch das Rahmen­rohr zum Bremsdruck-Verteiler und verbindet es mit der vorderen Doppelscheibe: Sowohl Doppelscheibe vorne wie auch die hintere Scheibe werden mit dem Handhebel verzögert.

BMW R 100 mit optischen Akzenten

Dass die Schwenksattel-Bremsen von ATE im Vergleich zu heutigen Anlagen wenig bissfest agieren, geschenkt. Im Modelljahr 1981 ersetzten verbesserte Brembo-Zangen die alten Dinger, die in aufpoliertem Zustand aber einen optischen Akzent an der Front setzen. 

Obwohl die ersten R 100 RS Serienbikes noch auf Speichenrädern rollten, wertete BMW das Modell schon bald mit den gerade in Mode kommenden Aluminium-Gussrädern auf. Filigran gegossen, gab es in den ersten Monaten Probleme mit Speichenbrüchen, was BMW schnell durch eine Austauschaktion bereinigte. Im Modelljahr 1980 waren die Gussfelgen solide und zuverlässig, aber auch keine Neuheit mehr. 

Speichenfelgen für den Cafe Racer

Für einen Cafe Racer sind Speichenfelgen natürlich die bessere Wahl. Mit Borani, dem Räderhersteller aus Mailand, setzt VM-Cycles dabei auf eine klassisch italienische Lösung. Zum polierten Alu-Look des Boxers passen Räder, angepasste Naben und Montagekomponenten perfekt. 

HANDWERK, MEISTERLICH!

Dezent, aber gerade deswegen spektakulär, ist die Metallarbeit. Heckteil, Minifender, Tank, am Rahmen montierte Halbschale – alles makellos handgefertigt und perfekt in Form gehämmert. Der Serientank blieb in seiner Grundform erhalten. Er wurde aber überarbeitet und – wo nötig – geglättet. Der Tankdeckel ist eben in die Oberfläche eingelassen.

Die Halbschale ist ein geschwungenes Kunstwerk aus Aluminium und Messing. Die Hingabe der Handwerker reicht von den Zierleisten über die Tacho-Integration bis hin zum liebevoll designten Mini-Spiegel. Selbst Handhebel und Griffe haben Messing-Einlagen oder Akzente, das Griffleder ist aus gleichem Material wie die Sitzbank und kunstvoll bestickt. 

Cleaner Look

Soagar der Präsentationsständer ist ein Kunstwerk für sich. Er wird mittels Rändelschraube, Zahnradübersetzung und Gewindestange an der Hinterradachse angesetzt. So hebt er das Bike sanft auf Parkposition. Cleaner Look bis ins kleinste Detail, molto bene!

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DM 1/26

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CB 6/25




Beitrag veröffentlicht

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von

Fotos: Horst Rösler
Fotos sind urheberrechtlich geschützt

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