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Maarten Poodt ist nie etwas anderes gefahren als Motorräder aus Iwata, immer umgebaut selbstverständlich. Ein Boardtracker war bisher nicht dabei, es wurde Zeit. Als Basis diente ihm eine Yamaha XT 550.

Die Bikes, die Maarten bisher aufgebaut hat, sahen auf den ersten Blick immer ziemlich normal aus. Erst wer sich intensiver mit ihnen beschäftigt, erkennt die feinen Details und die Akribie, mit der der Niederländer seine Motorräder baut. Schnell wird klar, der Typ ist mit zwei rechten Händen gesegnet.

Ein geheimes neues Yamaha-Modell?

Er erzählt: »Einmal stand eine ganze Busladung japanischer Touristen um eines meiner Bikes und dachte, es wäre ein noch geheimes neues Yamaha-Modell. Als ich denen dann erklärt habe, dass das alles in meiner Werkstatt entstanden ist, waren sie ziemlich geschockt.« Nur eine Anekdote, die zeigt, dass der passionierte Rennfahrer eine feine Nase für Motorräder hat, die so auch direkt aus den Produktionshallen der Marke mit den Stimmgabeln im Logo rollen könnten.

Elektronische Zündung und Doppelvergaser, für sportliche Umbauten ist die XT motortechnisch durchaus brauchbar. Um den Einzylinder strickte Maarten außerdem ein komplett neues Fahrwerk …

In den vielen Jahren der Schrauberei hat sich einiges an Material angesammelt, das wiederum immer seinen Weg an neue Umbauten findet. So bemängeln Kritiker, dass Maarten seine Bikes nur aus vorhandenen Parts neu zusammenbaut. Eine Kritik, die den Schrauber hart trifft und nicht mehr loslässt. Er entschließt sich, es allen Hatern zu zeigen und ein komplettes Bike nach eigenen Wünschen zu gestalten und aufzubauen.

Yamaha hat eigentlich keinen Bezug zu klassischen Rennmaschinen

Natürlich soll es erneut ein sportliches Layout erhalten, gleichzeitig aber etwas komplett Neues darstellen. Ein Boardtracker schwebt Maarten vor. Okay, nun hat Yamaha erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts begonnen, überhaupt Motorräder zu fertigen und besitzt daher eigentlich keinen Bezug zu den klassischen Rennmaschinen der 20er und 30er Jahre – but who cares?

… inklusive scheinbar in der Luft schwebendem Minimalsitz

Eine XT550 bietet sich als Ausgangsbasis an, sie kommt mit elektronischer Zündung und Doppelvergaser. Außerdem ist dieses Modell der legendären XT-Baureihe für kleines Geld zu haben. Und auch wenn es nicht so aussieht, aber im  Endergebnis stecken noch erstaunlich viele Teile der Ursprungs-Enduro. Rund um den Einzylinder schweißt Maarten einen Gitterrohrrahmen. Passend dazu konstruiert er eine eigene Gabel, die aufgrund der verbauten, einstellbaren Federelemente aus einem Rollstuhl als Springergabel durchgeht.

Yamaha XT 550 mit Parallelogramm-Springergabel

Sie führt das 21-zöllige Vorderrad. Um die Optik der antiken Renner zu erreichen, wird hinten eine gleich große Felge mit der serienmäßigen Trommel eingespeicht. Tank, Lenker, das gefederte Heck und sogar der Sitz, unter dem die Elektrik steckt, entstammen Maartens eigenem Hirnschmalz und seinen goldenen Händen. Im Scheinwerfer einer Kreidler Florett findet ein kleiner Tacho seinen Platz, der Auspuff schlängelt sich virtuos einmal um den schlanken Motor.

Kaum zu glauben, aber es stecken noch erstaunlich viele Teile der Ursprungs-Enduro in Maartens Boardtracker

Die dort verbauten Hitzeschutzstreifen stammen übrigens aus der Sammlung an Operationsmaterial des schon oft gestürzten Rennstreckenracers. Maartens Ärzte nennen ihn inzwischen beim Vornamen, das nur am Rande. Wie auf der Strecke, tobt er sich auch an der XT komplett aus, versetzt die Fußrastenanlage nach hinten an die starr gelegte Schwinge und führt die Bowdenzüge für Kupplung und Bremse durch den winkeligen Lenker.

Yamaha XT 550 mit gut verstecktem Öltank

Nur bei Armaturen und Griffen kommt ausnahmsweise Material aus dem Zubehör zum Einsatz. Da bei der XT 550 der Ölvorrat der Trockensumpfschmierung im Rahmen gebunkert ist, was bei der Eigenkonstruktion nicht vorgesehen ist, steckt nun ein kleiner Edelstahltank im Gitter vor dem Benzintank. Das gibt dem Ensemble die Form eines Sargs. Um das allzu moderne Yamaha-Logo auf dem Motorgehäuse zu übertünchen, deckt Maarten es mit der Zahl Fünf ab.

Wie bei alten Racern üblich hält eine Parallelogramm-Gabel das schmale Vorderrad mit Trommelbremse im Griff

Die tragen alle seine umgebauten Bikes. Und dazu gehört nun auch dieses, das älter aussieht als die Tradition von Yamaha Motors reicht. Den Einwand, dass es in den Zwanzigerjahren noch keine Weißwandreifen gab, kontert der Yamaha-Fan damit, dass sie gut zu den blauen Felgen passen und das eben die klassischen Farben seiner Lieblingsmarke sind. Außerdem sieht es gut aus, das muss manchmal reichen.

Info | yellowrider.nl

Floris Velthuis