Stell dir vor, du bist auf der Suche nach einer Motorradhose, und am Ende stehst du mit deinem Traumbike da. Gibt’s nicht? Doch, wie im Fall dieses 650er-Yamaha-Twins, der jetzt in einem Triumph-Starrrahmen werkelt

Holger war nur auf der Suche nach einer Motorradhose, als er bei Hagen Jödeckes inzwischen geschlossener Firma »Madeira Drive« in Düsseldorf auf eine alte Yamaha XS650 Heritage Special stößt. In Teile zerlegt und in der Werkstatt eingelagert wartet sie auf eine Art Erweckung oder besser gesagt Wiederbelebung. Schicksal, Zufall oder was auch immer, bei Holger springt der Funke über, die Motorradhose ist schnell vergessen.

Zwei Seelen, die bestens zusammen funktionieren. Die Symbiose England-Japan zeigt, dass echte Chopper nicht unbedingt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten kommen müssen

Der Racer, der sonst nur schnelle Motorräder wie Kawas kultige Z900 oder die modernere 1100er Zephyr fährt, zögert keinen Moment, da er »schon immer mal einen Oldschool-Chopper« bauen wollte, wie er freimütig zugibt. Mainstream à la Harley-Davidson kommt ihm dabei nicht in den Sinn, der kleine japanische Paralleltwin dafür umso mehr. Auch beim Rahmen ist amerikanische Rohrbiegekunst außen vor. Holger setzt auf britisches Eisen und besorgt sich einen Starrrahmen von Triumph.


Vier Jahre bis zum Roll-out

Den Aufbau zieht Holger zusammen mit Hagen in dessen Werkstatt durch, der ihm dort ein Plätzchen freiräumt. Wann immer es das Tagesgeschäft zulässt, kann Holger auch eine Hebebühne benutzen … ansonsten sitzt er auch mal am Boden und schraubt dort weiter. Es ist die Leidenschaft, die ihn vorantreibt, der Wille, das Bike so auf die Räder zu stellen, wie er es sich vorstellt. Das alles nur in seiner Freizeit. Selbst die Urlaubstage gehen dafür drauf. Trotzdem wird es gute vier Jahre dauern, bis die Triumph-Yamaha ihren Roll-out hat. Das liegt vor allem an der Detailversessenheit der beiden Männer.

Das Frontend ist ziemlich amerikanisch: DNA-Springergabel und Scheibenbremse von Harley-Davidson

So lässt Holger viele Teile aus Messing herstellen, fertigt Zeichnungen an, misst penibel bis alles passt und lässt die Parts von seinen Kollegen Nils und Volker drehen und fräsen. Der Motor wird komplett überholt und in den Rahmen eingepasst. Ärger bereiten jedoch die Mikuni-Vergaser vom Typ BS34. Sie waren ursprünglich für den nordamerikanischen Markt vorgesehen. Aufgrund der dortigen Abgasnormen sind die Gemischregulierungsschrauben verplombt.


Die Springergabel war ein absolutes Muss

Holger muss sie herausbohren und das Innenleben der Mikunis mit Bauteilen für den europäischen Markt ausstatten. Auch das gelingt. Ebenso wie der Einbau der Springergabel, die ein absolutes Muss war. Für etwas Komfort sorgt der gefederte Ledersattel, den Michael Hamburg anfertigt. Auf eine Lackierung wird gleich ganz verzichtet. Holger pflegt das rohe Metall einmal in der Woche mit einem Lappen und WD-40. Minimalistisch eben. Wie das ganze Bike.