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Es ist die schier ungebrochene Vielfalt, mit der sich die XS 650 in die Gefühlswelt von Custom-Enthusiasten bohrt. Chopper, Bobber, Racer, Scrambler, Tracker – egal, was, aus einer Yamaha XS 650 lässt sich fast jeder Stil bauen. Mit Abstrichen natürlich, denn nicht alles, was uns gefällt, gefällt auch dem TÜV. Trotzdem, Vorhang auf für satte Twin-Vielfalt.

Yamaha XS 650 – Crossbobber

Mit seiner flachen Linie, tief am Boden und dem sportlichen Lenker ist dieser Stollentraum kein ganz reinrassiger Bobber, sondern vielmehr eine moderne Interpretation des klassischen Stils. Weil ein Tauschrahmen zu teuer gewesen wäre, setzt Marco, der junge Schrauber hinter der XS, auf einen Eigenbau-Rahmen, den er mit Hilfe einer selbst gebauten Rahmenlehre entwirft. Zulassungstechnisch ist das in seiner Heimat Belgien, anders als bei uns, erlaubt. Glück gehabt.

Crossbobber

Yamaha XS 650 – Nelly

Aus der fixen Idee, mal eben ein Sprintrennen zu fahren, wurde vor drei Jahren ein tolles Customprojekt. Bei  »Twins-Inn« entstand der feine Bobber mit dem 710 Kubik großen Rennmotor. Starrrahmen und Gabel kommen aus dem Zubehör, der Tank gehört ursprünglich auf eine Triumph BDG. Um wenigstens einen Minimalkomfort zu haben, sitzt der Sattel auf zwei Dämpfern – wobei, das ist auf der Achtelmeile dann auch egal.

Nelly

Yamaha XS 650 – Rohe Gewalt

Abgenutzt, rotzig, aber – und das ist entscheidend – verdammt authentisch. Den Rahmen der XS hat ihr Besitzer von Hand mit Hammerit lackiert, fast ein Frevel, wenn man weiß, woher die starren Rohre stammen. In den 70er und 80er Jahren wurden die Rahmen von »Uncle Bunt«, ähnlich wie die von »Jammer« oder »Amen«, vor allem in den USA und in England sehr gerne und völlig legal verbaut.

Rohe Gewalt

Yamaha XS 650 – Kali Cruiser

Der Niederländer Roel Peijs ist großer Fan der Bikes des mittlerweile verstorbenen Jesse Rookes. Anders als der Amerikaner setzte er den Beachcruiser-Stil mit einer Yamaha um. Den Rahmen plant der CAD-Zeichner am Rechner und druckt ihn in Originalgröße aus, alle Halterungen und Anpassungen werden digital vorgenommen, bevor das eigentliche Chassis aus Rohren gebogen und vom Profi verschweißt wird. Auch die auffällige Blattfedergabel ist ein Eigenbau.

Kali Cruiser

Yamaha XS 650 – Saltflat

Viele, die einen XS-Chopper bauen, nehmen den Originalrahmen und verbauen ein starres Heckteil, den ursprünglichen Radstand verändern sie nicht, um die Kettenlänge beizubehalten. Das wirkt in der Summe oft recht kurz. Wer es eher lang und flach mag, wird mit einem kompletten Rahmentausch glücklicher. Dazu ist in diesem Fall die StandardGabel um gute sieben Zentimeter gekürzt. Die Elektrik beschränkt sich auf ein Minimum, das Rahmendreieck bleibt dadurch herrlich frei.

XS Saltflat

Der japanische Style

Es ist zehn Jahre her, da rollte uns dieser gebobbte Traum samt Verkleidung in Tokio vor die Füße. Die XS 650, Baujahr 1978, hat eine verlängerte Schwinge und den Rahmen gestreckt. Darin drehen sich kantige, auf Aluhochschulterfelgen montierte 400-18- Zoll-Avon-SM-Reifen. Die 33-mm-Keihin-CR- Rundschieber Vergaser sorgen für gutes Drehmoment und Ansprechverhalten. Der passende Tank stammt von einer Honda CB 50, das Heck von Animal Boat aus Japan.

Der japanische Style

Make race not war

In den letzten Jahren hat sich Designer und Fahrzeugtüftler Rolf Reick vor allem einen Namen mit BMW-Umbauten gemacht, dabei hat der Heidelberger ein vielfältiges Motorradvorleben. So ist zum Beispiel die starre Fiedler-XS mit der frechen Verkleidung und in Himmelblau getaucht ein echter Friedenskämpfer. Und ein rotziges Sportgerät der Extraklasse obendrauf.

Make race not war

Yamaha XS 650 – Burning Rubber

Orientiert an amerikanischen Nascars entstand die XS von Martijn. Das starre, angeschweißte Rahmenheck ist um vier Grad gereckt. Um dem tiefen Heck gerecht zu werden, muss auch die Front näher an den Asphalt. Für das Kürzen der Gabel bedient sich unser Schrauber eines Tricks: Ein Satz Buchsen wird in die Gabel eingesetzt, dann sind die Federn auch vorgespannt und die Gabel direkt ein paar Zentimeter kürzer.

Burning Rubber

Yamaha XS 650 – Ardcore

Ein Zentralrohrrahmen ohne Unterzug samt Schwinggabel und Rohrschwinge und PM-Rädern – so wurde vor zehn Jahren ein Rolling Chassis von Ardcore Choppers aus Indianapolis angeboten. Der belgische Automechaniker Luc kaufte es. nahm massive Änderungen am Rahmen vor und verbaute darin den auf 880 Kubik aufgebohrten XS-Typ-447-Motor. Damit nicht genug, im Heck dreht ein 300er-Reifen, die Gabelfedern sind eigentlich für ein Mountainbike vorgesehen.

Ardcore

Den Koperen Ploert –  Der glänzende Schuft 

Mario van Kruysbergens »Den Koperen Ploert« war einst eines der herausragendsten Bikes und gewann zahlreiche Shows. Angelehnt an die reduzierte Formensprache der Boardtrack-Bikes der Zwanzigerjahre entstand aus dem selbstgeschweißten Starrrahmen, einer Springergabel, 21-Zoll-Rädern, Trommelbremsen von Harley und Honda und vielem mehr ein Augenschmaus. Die pulverbeschichteten Oberflächen sind in Kupfer, Bronze, Stahl und Nickel überzogen.

Den Koperen Ploert – Der glänzende Schuft

Dirt Devil

Ein Tuning-Master in Sachen Yamaha XS 650 kommt aus Holland und heißt Jerry van der Heiden. Ab und zu baut er ein komplettes Projekt auf, um zu zeigen, was er kann. So entstand bei »Heiden Tuning«dieser Dirt Tracker in der legendären Kenny-Roberts-Lackierung. Einarmschwinge und die eng angestellte Gabel geben optische Schärfe, der Motor samt Turboaufladung wuchtet mit 800 Kubik und satten 100 Pferdestärken.

Dirt Devil

Yamaha XS 650 – No Tricks

Für Fabio Studer, seinerzeit schwer erfolgreicher, österreichischer Trick-Ski-Profi, entstand dieser Alltagschopper. Weil die Typisierung eines Starrrahmens bei unseren Nachbarn schwer möglich ist, wurde ein neues, schlankes Rahmenheck gebaut. Die Federbeine flogen raus, ein zentrales sitzt nun unter der Sitzbank. Der Motor wurde komplett überholt und höher verdichtet, dazu gab’s eine scharfe Nockenwelle, offene Filter und kurze Trumpets.

No Tricks

Yamaha XS 650 – Die rote Rutz

Ein legaler Chopper auf XS-Basis? Ja, der hier verwendete Fiedler-Rahmen macht’s möglich. Für Fiedler-Chopperrahmen liegt nämlich ein TÜV-Gutachten vor, das komplette Motorrad muss allerdings bei Fiedler in Bremerhaven dem TÜV vorgeführt werden. Neben dem Rahmen setzte Erbauer Martin Becker auf eine Acht-inch-over-Gabel, King-and-Queen-Sitzbank, Fishtail-Auspuff, Sissybar und viele Chopper-Attribute mehr.

Die rote Rutz

Yamaha XS 650 – Alles ganz anders

Als Antrieb für diesen exzentrischen Umbau diente der eher ungewöhnliche Dreizylinder aus Yamahas XS 750. Wir nehmen das Ding trotzdem in diese Galerie auf, weil es so herrlich bekloppt ist. Der Originalrahmen wurde per Hand auf Starrrahmen umgezimmert, einige Extrarohre waren dafür nötig. Die Girdergabel ist ein CNC-Laserschnitt-Teil, der eckige Tank dagegen per Hand gebaut. Die lila Lackierung von Gabel und Rahmen setzen dem kruden Werk die Krone auf.

Alles ganz anders

Yamaha XS 650 – Simply Running

In sechs Schichten schimmert grüner Candylack in der Sonne, das Baujahr der Basis schimmert in Blattgold auf den Flanken des lupenreinen Cafe Racers. Die Optik des Bikes wird vom gekürzten Heck samt Sitzhöcker sowie dem Stummellenker auf ebenfalls gekürzter Gabel bestimmt. Die Avon-Reifen beweisen außerdem einmal mehr, dass sie nicht nur auf Bobberumbauten funktionieren.

Simply Running

Scrambled XS

Auch zum spaßbringenden Scrambler taugt so eine Yamaha. Der Heckrahmen war bei Kauf bereits umgebaut, musste allerdings nachgearbeitet werden. Die Sitzbank bekam außerdem ein neues Polster. Der Rahmen wird gecleant und rot pulverbeschichtet. Der Motor wird überholt und mit Übermaßkolben getunt, eine halbhoch gezogene Eigenbau-Auspuffanlage samt Kawa-Z-Töpfen gibt ein Finish. Doch Vorsicht, Wade und Knöchel können hier schon mal heiß werden.

Scrambled XS

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.