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5.000 Euro mögen für manchen ein großes Budget zum Bau eines Custombikes sein. Das relativiert sich allerdings schnell, wenn das Vorbild-Motorrad – ebenfalls eine Yamaha XS 650 – fast dreimal so teuer ist.

Das Thema »Budget« lässt sich aus vielen Blickwinkeln betrachten, die Yamaha von Bine ist dafür ein Paradebeispiel. Denn zum einen hatte ihr Mann Rolf nicht die Voraussetzungen, selbst zu schrauben, zum anderen hat er keine Kumpel mit großen Teilekisten im Keller.

Yamaha XS 650 – Knapp kalkuliertes Budget

Dass Rolf in Tschechien lebt, seit fünfzehn Jahren und sehr gern, hat bei der Budgetfrage zwar geholfen, genug Hirnschmalz musste trotzdem investiert werden. Für seinen Plan eines XS-650-Roadsters standen 5.000 Euro zur Verfügung, inklusive Basismotorrad.

Als Rolf die Yamaha kaufte, hatte sie ihre erste Umbaustufe mit Rahmenmodifikationen, neuer Sitzbank, Elektronik und Avons schon hinter sich. Der Zustand war trotzdem mau, der Motor musste komplett revidiert werden, dazu kamen diverse Einzelteile, die Lackierung sowie sämtlicher Zulassungs- Papierkram

Wer die Preise für den japanischen Allrounder kennt, weiß, dass das eine enge Kiste sein kann, denn immerhin steigen die Gebrauchtpreise für das Modell seit Jahren stetig. Trotzdem, seiner Frau zum fünfzigsten Geburtstag dieses Motorrad zu schenken, war die Mühe allemal wert. Doch der Reihe nach.

Nach einem schweren Mopedunfall ist erstmal Schluss

Rolf selbst hatte nach einem schweren Mopedunfall in jungen Jahren lange kein Motorrad mehr angefasst. Erst zu seinem eigenen Fünfzigsten sollte sich das ändern. Der lang gehegte Wunsch wieder zu fahren, erfüllte sich mit der Anschaffung einer stark umgebauten XVS 1100, die sich, wie Rolf zugibt »nicht wirklich schnell fahren lässt.«

Das Vorbild – Bei der Maria Riding Company in Portugal entstand 2012 »Eva« auf Basis einer XS 650. Es war der erste Umbau der Firma und markierte den Startschuss zu einer Erfolgsgeschichte aus Europas Süden. Die Anleihen, die Rolf für seinen Umbau nahm, sind deutlich. Allerdings kostete Eva mit 14.000 Euro fast das Dreifache des deutsch-tschechischen Umbaus

Der Hinterreifen ist breit, die Modifikationen lassen nicht viel zu, trotzdem, das Ding wird regelmäßig bewegt. Rolfs Frau Bine ist schnell infiziert, macht hinter dem Rücken des Ehemannes heimlich selbst den Führerschein und nörgelt beständig an Rolfs Bike herum, zu laut, zu unhandlich.

Yamaha XS 650 – Umbauvorbild aus Portugal

»Ich habe das als Briefing verstanden«, sagt der Ehemann, in dem schnell die Idee reift, seiner Liebsten zum Fünfzigsten ein eigenes Bike zu schenken. Ein Vorbild hat er im Kopf, der luftige Roadster »Eva« von Maria Riding aus Portugal hat es ihm angetan. Kaufen kann er den aber nicht, viel zu teuer, sein Budget ist begrenzt.

Rolf ließ Bine an ihrem Geburtstag etwas zappeln, zeigte ihr erst eine verranzte Virago als angebliches Geschenk, bevor er das Geheimnis um die XS lüftete. Seitdem ist sie kaum zu bremsen

Die ersten Fühler streckt Rolf auf der jährlich stattfindenden Motorradmesse in Prag aus, mit ernüchterndem Ergebnis. »Bei dem Budget kann ich dir nur eine Suzuki anbieten«, bekommt er zu hören. Doch Rolf gibt nicht auf, in Hannover findet er schließlich seine Yamaha-Basis, von Vorbesitzer Daniel schon in die Cafe-Racer-Richtung umgebaut, allerdings in einem nicht idealen Gesamtzustand, »Zylinderfuß undicht, Lackierung suboptimal«, erinnert er sich.

Yamaha XS 650 – Erstmal komplett zerlegen und Motor revidieren

Er kauft das Bike trotzdem und bringt es in seine Wahlheimat Tschechien. Der private Dragsterpilot Michal nimmt sich des Motorrades an, zerlegt es komplett, revidiert den Motor.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Gegen klassische Runduhren kommt das ganze Digitalzeugs nicht an

Parallel kümmert sich Rolf um die Neuteile, eBay leistet auch im fernen Osten gute Dienste, Scheinwerfer, Cockpit, diverse Schrauben und Dichtungen sowie der Fender werden ersteigert. Außerdem entwickelt Rolf ein Design, erdenkt sich das Bienenlogo für den Tank, legt die späteren Farben fest.

Yamaha XS 650 – Superbee-Tanklogo

»Ein Kollege hat mir dabei geholfen, gerade was Komplementärfarben angeht«, beide arbeiten bei einem großen Autohersteller in Tschechien. Die Lackierung übernimmt Petr, ein Profi in seinem Geschäft, ein zum Bike passender Helm für Bine springt dabei auch noch raus.

Das ist sie ja, die Superbee, Namensgeberin dieses XS-Umbaus

Abschließend wird alles zusammengebaut und es geht zum TÜV, für die Yamaha gibt es die tschechische H-Zulassung, Rolf ist zufrieden. Sein Budget überzieht er am Ende leicht, seine Liebste ist es ihm wert. Wie eingangs erwähnt spielen Rolf bei all diesen Auftragsarbeiten die Preise in Tschechien in die Hände.

Über ein Jahr Zeit wurden in den Umbau investiert

Aber wer glaubt, jetzt all seinen Krempel schnell und billig im Osten machen zu lassen, der irrt. Die Auftragsbücher der Jungs dort sind gut von ihren Landsleuten gefüllt, auch Rolf muss über ein Jahr Zeit in den Umbau investieren, wartet genauso wie alle anderen auf handwerkliche Leistungen oder Lackierung. 

Der seitliche Kennzeichenhalter sorgt für eine luftige Optik des Hecks

Und dann ist da noch Bines Geburtstag. »Ich hab mir vor Aufregung fast in die Hosen gemacht«, erzählt Rolf. Wäre nicht notwendig gewesen, denn Bine ist begeistert. Fortan können sie und ihr Mann die Straßen gemeinsam unter die Räder nehmen, Superbee hat gestochen.

Info | mariaridingcompany.com/eva