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Muss man besonders vorsichtig sein, wenn man ein Motorrad für einen Promi baut? Muss man nicht – die Yamaha XS 650 aus dem »Fahr.Werk« beweist es.

Vier Mann, alle Marken, Custombikes seit drei Jahren, Oldschool bevorzugt. Die Eckdaten zu den Jungs vom »Fahr.Werk« aus dem österreichischen Vorarlberg sind schnell abgehakt. Seit insgesamt zwölf  Jahren wird hier schon an Motorrädern geschraubt, irgendwann bauten die Jungs eine BMW K 100 zum Cafe Racer um. Die Kunden fanden’s geil, stellten immer mehr individuelle Fragen, Erweiterung des Geschäftsfeldes beschlossene Sache. 

Fahrgemeinschaft »Gents Motor Culture«

Dass die Schrauber sich auch im Privatleben in der Szene tummeln – unter anderem in der Fahrgemeinschaft »Gents Motor Culture« – macht die Sache rund. Und wenn es dann noch passiert, dass ein weltbekannter Trickskifahrer am Shop in Feldkirch vorbeiläuft und sich für das Bike, das davor steht, begeistert, dann ist das ein echter Jackpot. 

Ein BMW-Umbau war der Anstoß: Seit 2014 wird bei den Fahr.Werk-Jungs in Feldkirch nicht mehr nur gewartet und getunt, sondern auch umgebaut. Der Erfolg bleibt nicht aus: Auf der Swiss Custom gabs jüngst den Siegerpokal in der Kategorie »Classic Einzylinder«

Fabio Studer, schwer erfolgreicher Trickskiprofi, möchte ein Bike aus der Umbauschmiede haben, seine bevorzugte Basis schmeckt Fahr.Werk-Chef Dominic allerdings nicht so recht. Er fährt eine Yamaha Virago und Dominic rät ihm: »Entweder einen echten V2, also Harley, oder was ohne V-Motor.« Für die Virago sieht er dagegen keine Chance. Fabio zweifelt, lässt sich aber durch Zeichnungen und die Möglichkeiten, die ihm eröffnet werden, überzeugen. Als Basis für seine Entwürfe nutzt Dominic eine Yamaha XS 650 – und die landet schließlich auch auf der Hebebühne.

Die Yamaha XS 650 bekommt mehr Leistung

Erster Punkt auf der Liste der Arbeiten wird der Motor. Der Zweizylinder wird höher verdichtet und die Kanäle poliert. Durch den Einbau einer vollelektronischen Zündung erreicht das Motorrad nun eine höhere Drehzahl, was sich in einem Plus an Leistung niederschlägt. Scharfe Nockenwelle, offener Filter und die kurze Trumpet-Auspuffanlage aus eigener Fertigung setzen weitere Duftmarken. Sehr viel schwieriger gestaltet sich da die optische Seite des Umbaus. 

Eine Springergabel ist die einzig logische Wahl für den Oldschool-Aufbau. Der Lenker ist ein Eigenbau, sein Halter wurde mit der Gabelbrücke verbunden

Fabio würde allzu gern Starrrahmen fahren, aber die Typisierung bei unseren Nachbarn lässt das schlicht nicht zu. Doch er hat Glück, denn schließlich kommt der Name seiner Customizer nicht von ungefähr. Auf Fahrwerke hat man sich in Feldkirch ja spezialisiert und ein Ass für die Yamaha steckt noch im Ärmel. Das Rahmenheck bauen die Spezialisten nämlich komplett neu, schlank und rund wird es designt. Um die starre Optik zu gewähren, fliegen die zwei hinteren Federbeine raus und werden durch ein selbst gebautes ersetzt, das nun zentral unterm Sitz platziert ist.

»Vorn vollenden, was hinten schon geil aussieht«

Schöner Nebeneffekt: Der Fahrkomfort ist durch die Federung deutlich besser als bei einer starren Kiste. Um vorn zu vollenden, was hinten schon geil aussieht, entscheidet sich Dominics Team für den Einbau einer Springergabel. Der Lenkerhalter des Eigenbau-Lenkers wird mit der Gabelbrücke verbunden. KTM-Naben mit 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten geben der XS den entscheidenden Alte-Schule-Kick und ein Sportster-Tank passt zu sowas eh immer. 

Tank und Fender sind grau lackiert. In den Lack wird graviert, um anschließend mit Schwarz aufzufüllen

Kontraste am Bike werden mit Messingelementen wie den Fußrasten oder dem Kickerpedal gesetzt. Tank und Fender werden für den gewünschten Vintage-Look grau lackiert, danach von einem Freund graviert und anschließend mittels schwarzem Acryllack ausgefüllt. Die coole Karre begeistert auch den coolen Skifahrer, weitere gemeinsame Projekte sind angedacht. Bis es so weit ist, haben die Fahrwerker noch einige Umbauten abzuarbeiten, unter anderem eine weitere XS, dann mit Big-Bore-Kit und 1000 Kubik – »ein Dampfhammer, selbst getunt«, grinst Dominic.

Info | www.fahr-werk.at