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Eine »agile Entwicklung« nennen Marc und Jan den Weg zu ihrem Cafe Racer. Ein Jahr Bauzeit haben sie in die Yamaha XS 650 investiert – ein Jahr brutto besser gesagt.

Qualität geht bei uns vor Quantität«, sagt Marc. »Ähm, ja, aber  Quantität können wir ja auch gar nicht«, stellt Jan fest. Gekicher folgt, die Jungs sind sich einig. Der Weg zu ihrem ersten gemeinsamen, größeren Projekt dauerte etwas länger als geplant, ein Jahr verging vom ersten Schraubendrehen bis zur Premierenausfahrt. »Wir schrauben nur, wenn wir da wirklich Lust drauf haben. Und manchmal müssen wir uns auch gegenseitig ein bisschen mitziehen und motivieren, das gehört dazu.«

Yamaha XS 650 als günstiges Basisbike

Die Yamaha XS 650 hatten Marc und Jan günstig gekauft, ein Cafe Racer sollte draus werden. »Ganz klassisch schon, aber eben nicht mit Alu-Tank und -Höcker, sondern, tja, mit einfachen Mitteln eben, bäääm.« Trotzdem investieren die Jungs deutlich mehr als nur ein bisschen Arbeit in die Yamaha, jede Schraube, jedes Lager des Bikes haben sie mindestens einmal in der Hand, da wird aufgearbeitet oder neu gemacht, dass es eine Freude ist.

Armaturen aus dem Zubehör, die LED-Rücklichter schön ins Heck kombiniert, das Rahmendreieck bleibt frei

Und wenn die beiden nicht weiterwissen, helfen Freunde wie Walla, der den Kicker baut, ein Kollege, der für einen schmalen Taler die Lackierung übernimmt oder Dirk, der Kumpel in der Hinterhand. »Dirk ist so ein Typ, der kommt bei uns vorbei, nimmt sich sein Bier, hat immer ’nen lockeren Spruch für uns in der Tasche … aber eben auch ein großes Wissen. Und wenn wir ihn brauchen, dann hilft der richtig mit. Das ist wirklich viel wert«, erzählen Marc und Jan.

Das typische Höckerheck entsteht aus einem Sportster-Tank

Um die Kosten des Umbaus gering zu halten, greifen sie auf den Tank einer Güllepumpe zurück, der modifiziert und angepasst wird. Das typische Höckerheck entsteht aus einem Sportster-Tank, durch die neuen Dämpfer wird es höher gelegt. Statt 16 Zoll wie beim Original dreht hinten nun eine 18-Zoll-Speichenfelge. Die Sitzplatte bauen Marc und Jan selbst, lassen aber final einen Polsterer seine Arbeit machen. Da gibt es keine Kompromisse, auch wenn sonst innerhalb eines kleinen Budgets geschraubt wird.

Mit privaten Mitteln und überschaubarem Budget entstand der Racer, bei dem keine Schraube und kein Lager original blieb. Und weil Marc und Jan das Bike mit gutem Gewissen wieder verkaufen wollen, ist natürlich alles sauber eingetragen

Und tatsächlich, irgendwann ist auch dieses Bike fertig und bereit für die Straße. Aber wer darf fahren? »Ich pass schon da drauf«, grinst Jan, »aber es sieht halt bescheuert aus« – zu groß ist er für den schmalen Racer. So wird wohl Marc damit fahren …

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.