Mit dieser Yamaha XS 650 zeigt der junge Belgier Marco Hermann seine Interpretation eines Bobbers. Starrrahmen, Stollenreifen und eine elegante Lackierung zeichnen den Umbau aus

Fast scheint es, als wären gerade einmal ein paar Tage rum und nicht gleich ein ganzes Jahr, doch der Kalender lügt nicht. Es ist Anfang Dezember 2018, die CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen steht kurz vor Toröffnung, als unser »Rookie of the year 2017« seine neueste Schöpfung für die Bikeshow anmeldet.

Marco Hermann mit seinem Cross Bobber

Ein Bobber mit einer flachen Linie – so war die Idee

War es 2017 eine Honda CB 550, die der Jungschrauber in einen blitzsauberen Roadster verwandelte, so ist es dieses Jahr eine eigene Version eines Bobbers, die Marco Hermann jetzt in Richtung Bikeshow-Flächen schiebt. Damit ist auch klar, dass der Titel vom Vorjahr kein Zufallstreffer war und das Erstlingswerk keine Eintagsfliege. Anstatt sich auszuruhen, hat der junge Belgier die zurückliegenden Monate genutzt, um sich zu sammeln und seiner Kreativität erneut freien Lauf zu lassen.


»Ich wollte diesmal einen Bobber bauen. Nach meinen Vorstellungen, mit flacher Linie, tief am Boden und mit einem sportlichen Lenker. Also keinen klassischen Bobber.« Im Internet googelt Marco nach entsprechenden Basismodellen, die er für sein Projekt nutzen könnte. Natürlich schielt er auch auf alte Harleys, doch die fallen aus »Budget-Gründen aus«, wie er unumwunden zugibt.

Kein Grund in Tränen auszubrechen, denn gerade unter den japanischen Herstellern gibt es ein paar bestimmte Modelle, die sich für ein solches Vorhaben geradezu anbieten. Es verwundert daher nicht wirklich, dass die Wahl letzten Endes auf eine Yamaha XS 650 fällt, Baujahr 1978 und überwiegend im Originalzustand.


Es folgt der obligatorische Strip-down inklusive Bestandsaufnahme. Der Ist-Zustand spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da Marco sowieso alles neu aufbaut.  Um die gewünschte Linie zu erreichen, sind allerdings tiefgreifende Änderungen notwendig, die mit dem Originalrahmen so nicht machbar sind.

Der Rahmen wird geändert

Da Marcos Anspruch ist, so viel wie möglich selbst zu machen, scheidet ein Tauschrahmen aus – auch aus Kostengründen. Er entschließt sich, mit Hilfe einer selbstgebauten Rahmenlehre, die Konstruktion des Chassis selbst zu übernehmen. Zulassungstechnisch ist das in Belgien, anders als in Deutschland, möglich.


Gleichzeitig gibt es Marco aber auch zusätzliche Freiheiten und Möglichkeiten: »Ich konnte individuell mit allen möglichen Winkeln spielen und ausprobieren, was ich wollte.« Für den neuen Rahmen behält er jedoch den Lenkkopf samt der Unterzüge bei, auch den Radstand lässt er unverändert. Damit erreicht er die gewünschte Linie.

Den Motor unterzieht er einer kleinen Revision. »Als ich die Yamaha bekommen habe, lief der Motor zwar, war aber an vielen Stellen undicht. Keine große Sache, da ich ihn sowieso aufmachen wollte.« Er ersetzt alle Dichtungen, die Kupplung, stellt Ventile sowie Zündung neu ein und fräst neue Gehäuse für die Luftfilter. »Das einzig Gute am Motor waren die neuen Kolben und die Zylinderdichtungen.« Der Rest ist die Aufarbeitung der Optik, um den Motor wieder strahlen zu lassen.

Der Motor war in einem bescheidenen Zustand. Zwar lief der Zweizylinder, litt aber unter einer massiven Inkontinenz und drückte das Öl aus so ziemlich jeder Dichtung

Weg mit der alten Elektrik

Dem Umbau fällt auch die Serienelektrik zum Opfer, die durch moderne Komponenten ersetzt und modifiziert wird. Durch den cleanen Look des Bikes bleibt allerdings kein Platz mehr unter dem Tank und so wandert die Elektrik in einen zylindrischen Behälter der zwischen Motor und Hinterrad platziert wird.

Die Elektrik packte Marco unauffällig in einenZylinder

Die Umbauteile findet Marco zu neunzig Prozent im Internet, wie er sagt. Der Rest stammt aus einem Motorradladen um die Ecke. Doch der Großteil bleibt nach wie vor Handarbeit, und genau deshalb wird das Projekt auch zum Zeitfresser. Rund dreizehn Monate verbringt Marco die Abende und Wochenenden in der Werkstatt und sinniert über Lösungen nach.


»Es ist wie immer bei einem Umbau. Die vielen Details halten dich auf. Es sind die Momente, wo du wochenlang überlegst, wie du das lösen kannst. So zum Beispiel der Seitenständer. Die Auspuffrohre verlaufen unterm Motor und da war einfach kein Platz mehr. Und dann kam mir die Idee, die linke Fußraste zum Seitenständer umzugestalten. Sie erfüllt jetzt also zwei Aufgaben. All das sind so Kleinigkeiten, die man später auf den ersten Blick nicht sieht, die dich aber aufhalten und unendlich Zeit kosten.«

Neuer Lack für die ehrwürdige XS 650

Auch bei der Lackierung verfolgt Marco konsequent seinen Anspruch und gibt seiner XS das perfekte Lackkleid aus Chrom-Blau mit Pearl-Silber. Der Rest sind Kleinigkeiten und die Abstimmung des Motors.

Und wie sieht es mit neuen Projekten aus? »Zurzeit restauriere ich im Auftrag eine alte belgische FN von 1921. Das wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, danach wird man sehen.«

Der Scheinwerfer verwendet moderne LED-Technik. Das Werks-Funzellicht ist Geschichte

Marcos zweiter Streich ist genauso elegant und sauber umgesetzt wie sein Rookie-Bike, mit dem er damals auf sich aufmerksam machte. Wir dürfen uns daher zeimlich sicher auf weitere Umbauten freuen.

Info | instagram: @hm_motorcycles