Artikel speichern

1

Der Tuning-Master in Sachen Yamaha XS 650 kommt aus Holland und heißt Jerry van der Heiden. Und ab und zu baut er ein komplettes Projekt auf, um zu zeigen, was er kann. So entstand bei »Heiden Tuning« dieser Cafe Tracker.

1969 feierte die Yamaha XS 1 mit 650 Kubik Premiere, ein bisschen erinnerte sie an Triumphs Bonneville. Doch während die immer mehr in Museen als Ausstellungsstück fungiert, ist der Status der XS 650 als beliebte Umbaubasis stetig gestiegen und heute fast ungebrochen. Egal ob als Chopper, Bobber, als Scrambler oder Cafe Racer, eine willigere Basis als den japanischen Zweizylinder gibt es kaum. Vielleicht auch, weil gerade die japanischen Customizer den Markt gehörig mit ihren grandiosen XS-Umbauten aufgewühlt haben.

Yamaha XS 650 – Projektbike von Heiden Tuning

Dabei kommt ein absoluter Spezialist für die XS-Motoren ausgerechnet aus den Niederlanden. Jerry van der Heiden ist mit seiner Firma Heiden Tuning seit mehr als 35 Jahren darum bemüht, den Twins zu mehr Leistung zu verhelfen und neue Teile zu entwickeln. Ein Guru der XS-Szene quasi, weltweit anerkannt – und so zählen letztlich sogar Japaner zu seinen Kunden. Ab und an baut Jerry ein Projektbike auf, um sein Portfolio zu zeigen. Vielleicht auf den ersten Blick nicht die typischsten Custombikes, aber im Detail perfekte Aufbauten.

Tarnfach: Batterie und Ölkühler kauern unter der Sitzbank

Für den aktuellen Umbau entschied er sich, ein kompressorgeladenes XS-Aggregat mit dem Frontend sowie dem Heck einer MV Agusta zu kombinieren, eine ziemlich adrenalingeschwängerte Mischung. Die Idee zu seinem Cafe Tracker brütete Jerry in seinem Urlaub aus, »da habe ich die Zeit dazu, ansonsten bin ich zu beschäftigt mit dem Motorenbau«, erzählt er. Das, was ihm vorschwebte, war gewagt: Klassischer Dirttrack-Look ja bitteschön, aber Cafe-Racer-Style, Kompressor, Einarmschwinge und eine extrem steil angestellte Gabel waren ebenso gesetzt.

Der Twin bringt es mit 800 Kubik und Kompressor auf sagenhafte 100 PS

Das zentrale Element des Umbaus ist – ganz klar – der Motor. Vollgepackt mit Teilen aus der eigenen Manufaktur. Nicht nur, dass der Twin exzellent aussieht, er geht auch richtig gut. Die selbst entwickelten Zylinder mit extra großen Kühlrippen pumpen die Yamaha auf 800 Kubik auf, der Kompressor bringt den ursprünglich 50 PS starken Motor auf sagenhafte 100 Pferdestärken. »Im Grunde habe ich einen mechanisch angetriebenen Blower verbaut«, erklärt Jerry das Innenleben des Trackers.

Frech lugen die beiden Auspuffrohre hinter der Fußraste hervor

Er baute einen Antrieb, um den Basismotor mit dem Laderriementrieb zu vereinen. Dazu modifizierte er den Gehäusedeckel einer XS 400 mitsamt einer Antriebswelle, die perfekt mit dem 650er-Motor korrespondiert. Aus dem Zubehör wählte er den schön-klassischen 36er Dell’Orto und verbaute ihn mitsamt kurzen Ansaugstutzen. Klar, dass ein solch besonderer Motor ein besonderes Fahrwerk verdient. Jerry musste den Yamaha-Rahmen anpassen, hatte aber schon früh die Entscheidung zur Einarmschwinge aus der MV Agusta gefällt.

Yamaha XS 650 mit MV-Agusta-Monoshock

Auch die Monofederung stammt von der rassigen Italienerin. Die voll einstellbare Marzocchi-Gabel vervollständigt das Frontend. Die geschmiedeten Marchesini-Räder passen perfekt ins Bild, dass Jerry im Kopf hatte. Der Tank ist eines der wenigen Originalteile, die der Yamaha bleiben, nur aufgewertet durch einen neuen Tankdeckel. Das schmale eigens gebaute Heckteil befestigt Jerry mittels eines Hilfsrahmens, unterm Heck sitzen Batterie und Ölkühler nahezu unsichtbar.

Jerry van der Heiden kümmert sich in seiner Firma Heiden Tuning seit mehr als 35 Jahren unter vollem Einsatz um die XS-650-Modelle. Mit der Kompressor-800er im MV-Fahrwerk zeigt der Niederländer sein Können. Spezialität des Hauses sind XS-Tuning-Motoren mit 653 bis 880 ccm und Preisen zwischen 1.500 und 3.500 Euro.

Blieb noch die Wahl der richtigen Lackierung. »Nicht schwer«, schmunzelt Jerry und lässt im Gelb-Schwarz des berühmten Kenny-Roberts-Trackers pinseln. Mit dem Ergebnis ist er in jeder Hinsicht zufrieden. »Man erkennt in dem Motorrad mich und meine Leidenschaft wieder. Ich konnte mich voll austoben, was ja bei einem Kundenmotorrad eben oft nicht so möglich ist.«

Info |  heidentuning.com

 

Floris Velthuis