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Das erste Customprojekt von André ist ein waschechter Reihenvierer. Ganz schön sexy geworden, diese Yamaha XJ 650.

Ich hab die Jungs schon richtig gefordert«, grinst Lars in seiner Alteisenschmiede. Ahnung von der Materie hatten sie ja anfangs nicht viel, der Versicherungsmakler, der – kein Witz – Kasper von Berufswegen und der Heizungsbauer. Letzterer, sein Name ist André, kann von der Aufbauphase ein Lied singen, nicht immer in den schönsten Tonlagen.

Yamaha XJ 650 – Schleifstaub ohne Ende

Denn schließlich war die Arbeit am ersten eigenen Umbau nicht nur mit Spaß, sondern vor allem mit jeder Menge Schweiß verbunden – und mit Schleifstaub, so viel davon, dass man zeitweise in der Werkstatt nichts mehr sehen konnte. Dazu die anderen Bikes an denen dort parallel und auf minimalem Raum geschraubt wurde, oft kaum Luft zum Atmen. 

Minimal, aber alles dran: Der Reihenvierzylinder wird einmal komplett durchgeprüft und läuft sauber

André lernt in den zweieinhalb Aufbaujahren vor allem eins: Beschissene Arbeiten gehören dazu. Den Rahmen cleanen klingt zwar ganz wunderbar einfach, bedeutet allerdings nichts anderes als mühsames Entlacken, Schleifen, Saubermachen. Die Jungs kurz vor der Kotzgrenze haben keine Lust mehr. Lars motiviert immer wieder neu, sie reißen sich zusammen. Denn wer einen schlanken Cafe Racer will, der muss eben auch Opfer bringen.

Yamaha XJ 650 – Die Auspuffanlage entsteht in Eigenregie

Als Basis hatte sich André eine Yamaha XJ 650 entschieden und wie seine Freunde nicht mehr als 500 Euro in den Kauf investiert. Der Motor wird überholt, große Aktionen sind bei einem souveränen und wartungsarmen Alltagstier wie dem Kardan-Reihenvierer aber nicht nötig, die Vier-in-eins-Auspuffanlage entsteht in Eigenregie.

Der schmale Frontfender ist ein Eigenbau

Als Spritgefäß verwenden die Jungs den Tank einer anderen Yamaha, der XS 750. Der ist etwas langgestreckter und soll zusammen mit der Sitzbank und dem Heck die schlanke Linie des Bikes verstärken. Letzteres entsteht wieder in Eigenleistung. Das Originalheck wird gekürzt, die neue Sitzbankkombi mit knackigem Höcker stellt unsere Schrauber vor eine größere Aufgabe, unlösbar ist die allerdings nicht.

Erstmal basteln, bevor es an die Arbeit am Metall geht

Aus Bastelkarton wird das Heck zunächst geschnitten und angepasst, bevor es an die Arbeit am Metall geht. »Lasern lassen, durchschweißen, abkanten«, Lars erklärt in einfachen Worten, was in Detailarbeit erledigt wird. Das Ergebnis überzeugt, auch im Zusammenspiel mit den längeren YSS-Stoßdämpfern.

Die Steuereinheit samt Instrumenten kommt von motogadget und ist hilfreich für eine aufgeräumte Elektrik

In Sachen Elektrik entscheidet sich André für bewährtes Material von motogadget, deren elektronische Schalteinheit m-unit sich beim Abspecken von Kabeln und Leitungen vielfach bewährt hat. Auch bei Teilen wie Lenker, Lampe oder Rücklicht setzen die Jungs auf zuverlässige Hersteller, wogegen ein Frontfender relativ schnell in der eigenen Bude gebaut ist.

»Mir fehlt ein kleiner Eyecatcher auf dem Tank«

Die Farbe für seinen Racer ist bei André übrigens schnell gesetzt, der Audi-Fan setzt auf das Werksblau des Autoherstellers. Für Lars nicht gänzlich gelungen, »mir fehlt da so ein kleiner Eyecatcher auf dem Tank, irgendwas, dass das nicht ganz so monoton ist.« Genug Zeit um das Thema auszudiskutieren ist in Planung. In die Ukraine, nach Odessa, soll die nächste Tour die Freunde führen, 1800 Kilometer Zeit, neue Pläne fürs Alteisen zu schmieden.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.