Wenn man einer Yamaha SR 500 alles Überflüssige nimmt, dann bleibt ein kleiner Rest Motorrad. Aber der hat es in sich.

Beim Customizing können viele Wege zum Ziel führen. Wer will, schraubt sich Chromblenden und Packtaschen an sein Bike, andere setzen auf den Anbau von Zusatzscheinwerfern oder einer Sissybar. Weitaus Erfolg versprechender ist in den meisten Fällen jedoch das konsequente Abspecken des Basismotorrads, das Choppen in seiner Urform.

Tjeerd hat sich den XS- und SR-Modellen von Yamaha verschrieben. Aber auch Bikes von Triumph und Harley-Davidson landen auf seiner Werkbank

 

Kürzen, kappen, verkleinern, verstecken oder gar ganz abbauen sämtlicher Bauteile betont den Motor im Zentrum des Bikes und schärft den Blick für das Wesentliche. Ein Problem beim Abbauen ist jedoch die deutsche Zulassungsordnung. Spiegel, Tacho, Schutzbleche, Lampen und erst recht eine Vorderradbremse gehören nun einmal an straßentaugliches Motorrad. Und bitte schön Mindestgrößen und Anbauwinkel einhalten sowie schön brav auf die DIN-Schlange achten.


»Eine Bremse am Vorderrad wird aber schon gerne gesehen«

In den Niederlanden steht man rigiden Eigenbauten weitaus gelassener gegenüber. Da erhält ein Fahrzeug auch schon mal eine Zulassung, wenn es weder Blinker noch Instrumente hat. Statt knallharter Vorschriften reicht den Holländischen Behörden ein genauer Blick samt Testfahrt bei der technischen Abnahme. »Eine Bremse am Vorderrad wird aber schon gerne gesehen«, grinst Tjeerd, Besitzer von »Short Cut Choppers« im holländischen Ede und Erbauer einer extrem minimierten Yamaha SR 500 ohne besagte vordere Bremse.

Short Cut aus den Niederlanden holt sich seine Ideen aus Japan, der Hochburg klassischer Bobber

Tjeerd hat sich neben dem Bau von traditionellen Choppern auf Reparatur, Handel und Customizing von Citroen 2CV-Autos spezialisiert: »Ich liebe die Ente. Da ist schließlich auch nicht viel Überflüssiges dran. Genau wie an meinen Bikes«. Bei seinen Motorrädern greift er mit Vorliebe auf die Yamaha-Modelle XS 400, XS 650 und SR 500 zurück. »Die sind preiswert erhältlich und dankbar umzubauen«, zeigt Tjeerd auf seine neueste Schöpfung, eine flache und dabei ausdrucksstarke SR 500.


Alles Erdenkliche wurde abgebaut

Er begann mit dem Umbau, indem er alles nur Erdenkliche an dem ohnehin schlanken 500er-Single abbaute. Er kürzte das Rahmenheck, warf Cockpit, Fender, Doppelsitzbank und Beleuchtung in die Tonne. Bis auf einen kleinen Einzelsitz, eine Dragbar, kleinere Lampen an Front und Heck, den Tank einer Gilera Strada und eine um sechs Zentimeter verlängerte Schwinge blieb die SR erstaunlicherweise weitgehend original. Ach so, okay, und die Springergabel natürlich …

Ein bisschen Rahmen, zwei Räder, ein klassischer Einzylinder-Motor, den Rest getaucht in Glimmerlack

Sogar die einst unbeliebten Alugussfelgen konnte der Holländer beibehalten, nachdem er drilled Speedholes – Zierlöcher – in die Speichen eingearbeitet hatte. Er zog 4.00 Zoll schmale Oldtimer-Reifen vom Typ Firestone Champion Deluxe auf und entfernte die vordere Bremse (»… musste einfach sein!«).


Die Vorbilder kommen aus Japan: Einfache, reduzierte Fahrmaschinen

Der Subwoofer für den 500 ccm-Single ist nun ein soundgewaltiger Megafon-Schalldämpfer, den der Chopper-Builder selbst angefertigt hat. Lackierer Kustombart aus Arnheim, der sich auf Seventies-Motive und Glimmerlack spezialisiert hat, übernahm die szenige Farbgebung der Blechteile. Dazu Tjeerd: »Als Vorbild für den Umbau der Einzylinder-500er dienten mir ohne Zweifel japanische Custombikes. Diese einfachen, reduzierten Fahrmaschinen.« Und so erklärt sich auch das Logo auf dem schlanken Gilera-Tank: Die japanischen Schriftzeichen bedeuten schlicht »Short Cut«.