Wer einen Cafe Racer mit zwei Takten kombinieren will, der kommt an der Yamaha RD 350 nicht vorbei.

Heiners Arbeitsplatz befindet sich in luftigen Höhen. Kein auch noch so hoher Baum ist vor ihm und seiner Motorsäge sicher, denn er ist selbständiger Baumpfleger. Er selbst behauptet ja, dass es die Höhenluft ist, die ihn immer wieder dazu bringt, komplett ausgefallene Bikes zu bauen. Wenn er da ganz allein im Seil auf 30, 40 Metern mitten in einer Baumkrone hängt, dann ist genügend Zeit zum Nachdenken. Spaßeshalber nennt Heiner sich auch »Treework Custom«. Und der Begriff trifft den Nagel auf den Kopf, wie eines seiner Bikes, die von ihm gebaute Yamaha RD 350, zeigt.

70 PS sägen an dem Bike

Vom Scheunenfund zum vollwertigen Racer

Bei einem seiner Jobs auf einem Bauernhof fand er dieses Motorrad. Es stand in der hintersten Ecke eines Stalles und war in einem gar fürchterlichen Zustand. Da war es gar nicht verwunderlich, dass sie noch dazu kotzgrün lackiert war. Heiner kam es vor, als hätte ihn die ehemalige Zweitaktrakete angefleht, sie zu befreien. Mit dem Besitzer war er sich rasch einig und so stand einer Herausforderung, ganz nach seinem Stil, nichts mehr entgegen. Ziel war es, neben einer komplett Revitalisierung des Bikes, ein superleichtes, alltagstaugliches  Zweitakt-Custombike auf die Beine zu stellen.


Die Yamaha stand in der hintersten Ecke eines Stalles und war in einem fürchterlichen Zustand

Was dann folgte kann man nur Tabula Rasa nennen

Als Erstes befasste sich der »zugereiste« Österreicher mit dem Antrieb, den er bis zur letzten Schraube zerlegte. Glasperlgestrahlt und poliert gings an die Innereien. Mit bearbeiteten Kanälen, Renn-Kurbelwelle samt Wössner-Kolben und Emil-Schwarz-Lagern sollte der ausreichenden Kraftentfaltung nichts im Wege stehen. Für den guten Ton sorgt eine Rennauspuffanlage von Jim Lomas. Boysen-Einlassmembranen optimieren bei der RD die Füllung der Zylinder.
Nachdem der Rahmen gecleant, gekürzt, modifiziert und gestrahlt war, erfolgte das Finish in Form von Weißaluminium-Pulverbeschichtung. Die Gabel wurde poliert und mit neuen progressiven Innereien von Wilbers bestückt.

Was ein Cockpit – ab 6000 Umdrehungen werden die Arme länger und länger

Aussergewöhnliche Aluarbeiten vom »Blechmann«

»Der Blechmann« Berny sorgte schlussendlich für die außergewöhnliche Optik. Aus rohen, zwei Millimeter dünnen Aluminiumplatten fertigte der Burgenländer alle Anbauteile mit der Hand an. Ins Heck integrierte Berny neben der Elektrik auch das Ölfass, externe Ölstandsanzeige inklusive. Hochglanzpoliert erscheint die alte Lady so in völlig neuem Glanz. Mit feinstem Leder wurde der Sitzbezug umhüllt, die Bank selbst ist natürlich ebenfalls handgemacht.


RD Racer

Die 70 Pferdchen wollen bewegt werden

Am Prüfstand gemessene 70 Pferdchen wiehern heute in der nur 148 kg schweren Yamaha RD/RZ 350 YPVS – vollgetankt versteht sich. Ach ja, komplett typisiert, getüvt und angemeldet ist das Bike auch, denn schließlich soll es auch bewegt werden und nicht in irgendeinem finsteren Eck auf eine erneute Befreiung warten.

Info |  www.blechmann.at