Yamaha hat den charismatischen Blechkünstler Shinya Kimura als Designer für ein Einzelstück auf MT-07-Basis gewonnen.

»Ich baue Motorräder, an denen ich selbst Spaß habe, die ich selbst fahren möchte.« so Kimura

Yamaha hat ganz dick aufgetragen beim Wheels and Waves-Event in Biarritz. Sicher, auch andere große und kleine Hersteller lassen es sich nicht nehmen, ihre Designideen an der Atlantikküste zu präsentieren. Aber vor allem Yamaha sticht mit einem riesigen Aufgebot an Yard-Built-Umbauten ins Auge der Besucher. Da stehen sie nun einträchtig nebeneinander, die graugrüne XJR1300 von Numbnut Motorcycles, die XV-950-Kreationen von Walz, Benders und Deus Ex Machina, die SR 400 der portugiesischen Schmiede It roCkS!bikes oder die supercleane Vmax von JvBmoto.

Dieses Bike macht sprachlos

Yamaha Faster Son

Eines der ausgestellten Bikes macht geradezu sprachlos: Eine in kunstvoll behauenes Aluminium gehüllte Zweizylindermaschine, bei näherem Hinsehen eine MT-07, die eindeutig die Markenzeichen japanischer Customizer, nein, die Handschrift Shinya Kimuras trägt. Bingo! Nur wenige Minuten später taucht der Meister persönlich auf, grüßt scheu und erklärt freundlich in holprigem Englisch, was es mit diesem Projekt auf sich hat.


Faster Son

Yamaha Faster Son

Er habe das »Faster Sons«-Konzeptbike im Auftrag von Yamaha gebaut, erklärt er stolz. Die MT-07 profitiere von modernster Technik, kollidiere aber dennoch nicht mit seiner typischen Design-Philosophie. Der Chef der Custom-Schmiede Chabott Engineering hat ein einteiliges Monocoque aus Benzintank, Seitendeckeln und Höckersitzbank sorgsam aus Aluminiumblech gedengelt und dazu eine passende Halbschalenverkleidung gefertigt.

Merkmale, aber keine Retro-Zitate

Nicht nur der 75 PS leistende 700cc-Motor wurde von der serienmäßigen MT-07 übernommen, auch der Brückenrahmen, die Federelemente oder das digitale Cockpit

Die ebenfalls aus einer Aluminiumtafel getriebene Verkleidung verfügt über eine Kuppel aus Plexiglas, die den Scheinwerfer abdeckt und an klassische Kanzeln von Avon oder Rickman erinnert. Überhaupt meint der Betrachter, in der »Faster Son« irgendwie traditionelle Yamaha-Modelle wiederzuerkennen, obwohl das Design keine echten Retro-Zitate aufweist. Vielleicht liegt das an den Tankemblemen einer XS-1 oder an dem klassisch-abgesteppten Sitzbankpolster. Es sei nicht sein Ziel gewesen, das Yamaha-Design vergangener Tage zu kopieren, erklärt Shinya. Er habe jedoch mit großem Respekt einzelne Gestaltungsmerkmale in seine eigene Kreation integriert.


Die fließenden Linien der XS 650

Yamaha Faster Son

Und hin und wieder sei er natürlich von der Vergangenheit beeinflusst gewesen, er habe öfter mal die fließenden Linien der guten alten XS 650 vor Augen gehabt, verrät der Blechkünstler mit leiser Aussprache. Immer wieder ringt der in Kalifornien lebende Japaner nach den passenden Vokabeln. Schließlich hat er auch bei der Wortwahl einen hohen Perfektionsanspruch. Und immer wieder wirft ihm seine Frau, die stets in seiner Nähe steht, die passenden Halbsätze zu. Ein gutes Team, die Kimuras.

Klassisch schön, sportlich und eigenständig

»Ich habe beim Bau öfter mal die fließenden Linien der Yamaha XS 650 vor Augen gehabt, wollte aber nie das Design alter Modelle kopieren«

Kaum zu glauben, dass nicht nur der 75 PS leistende 700cc-Motor von der serienmäßigen MT-07 übernommen wurde, sondern auch der Brückenrahmen, die Federelemente oder das digitale Cockpit. Shinya hat im Wesentlichen die Bodyparts, den 2-in-1-Auspuff, die Beleuchtungseinrichtungen und die Sitzbank verändert und damit ein völlig neues Motorrad geschaffen. Klassisch schön, sportlich und eigenständig.


Hohe Funktionalität und Fahrspaß

Yamaha Faster Son

Wichtig war ihm, so erklärt der Japaner, die hohe Funktionalität der Basis durch seinen Umbau nicht zu verschlechtern. Fahrverhalten, Motorperformance und Alltagsnutzen seien bei der MT-07 so außerordentlich gut gelungen, dass dieser Fahrspaß nicht unter den Umbauten leiden sollte. Shinya drückt das mit seinen eigenen, umsichtig gewählten Worten aus: Mit diesem Projekt hat pure Funktion Gestalt angenommen.

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