Hollywood-Star Ryan Reynolds besitzt eine umfangreiche Motorradsammlung, stark geprägt von seiner Liebe zu Triumph. Seiner 2014er Thruxton hat sich der kalifornische Customizer Dustin Kott angenommen.

Ryan Reynolds ist Schauspieler und ein Motorradverrückter, der nichts lieber tut, als in seiner Freizeit, oder wann immer es ihm möglich ist, mit einer seiner Triumphs durch die Gegend zu ballern und den Kopf freizufahren. Individualität spielt für ihn dabei genauso eine Rolle wie für die meisten von uns. Deshalb steht er auch auf umgebaute Kisten, frei nach seinem Geschmack. Selber schrauben, ja das wär’s. Aber da Zeit gerade für einen Hollywood-Star ein begrenztes Gut ist, hat er für den Umbau seiner 2014er Triumph Thruxton 900 den kalifornischen Customizer Dustin Kott beauftragt.

Klassische Cafe-Racer-Linie, durchgehend vom Lenkkopf bis zum Heck. veschwunden ist die Mulde am Übergang vom Tank zur Sitzbank, die Dustin Kott von Anfang an als störend empfand

Dustin ist schon lange im Geschäft und seine Cafe Racer mit den außergewöhnlichen Proportionen sind inzwischen auch außerhalb der Szene bekannt und respektiert. Nun sind Triumph-Umbauten nicht gerade das Tagesgeschäft von Kott Motorcycles, was Dustin aber nicht davon abgehalten hat, den Auftrag anzunehmen. »Am Ende ging es doch nur darum, die klaren Linien und ästhetischen Proportionen der Maschine an Ryans Anforderungen und Vorstellungen anzupassen«, meint Dustin, »aber auch darum, das ungenutzte Potenzial, das in der Thruxton schlummert, freizusetzen.«


Gute Sache: Den Fahrer mehr fordern

Am Anfang jedes neuen Projektes steht für Dustin die persönliche Probefahrt mit der Maschine, um ein Gefühl zu bekommen, mit was er es da genau zu tun hat. »Danach war mir klar, in welche Richtung ich gehen musste. Die Maschine ist technisch in Ordnung, da muss nichts groß geändert werden. Aber ich wollte das Fahrverhalten in den Vordergrund rücken, den Fahrer mehr einbinden, ihn mehr fordern und zum Teil des Ganzen machen.«

Passt: Der Tank stammt ursprünglich von einer Yamaha XS 1100

Für Dustins Empfinden mangelt es der alten Thruxton an einer durchgehenden Linie vom Lenkkopf bis zum Heck – das ist beim neuen Modell viel stimmiger. Der Übergang zwischen Tank und Heck wirkt wie eine Mulde und stört den Kalifornier mit seiner eigenwilligen Vorstellung eines klassischen Cafe Racers. Der Entschluss, das Heck zu modifizieren, ist schnell gefasst, die Optik mit einfachen Mitteln zu korrigieren. Durch die Neukonstruktion mit Sitzbank und Höcker schafft Kott zusätzlich Platz, um Kabelbaum, Steuergerät, Sicherungskasten, Einspritzanlage und die kleine Lithium-Batterie aus dem Sichtfeld verschwinden zu lassen. Für ein passendes LED-Rücklicht findet er auch noch ein Plätzchen.


Ein Japsen-Tank auf einem britischen Motorrad?

Bleibt nur noch die serienmäßige, im Tank integrierte Benzinpumpe, für die eine Lösung her muss. Gedanklich hatte sich Dustin schon längst auf einen alten Japaner-Tank festgelegt, und da muss die Spritpumpe wieder rein. Als Spender soll eine Yamaha XS1100 herhalten. »Mir war schon klar, dass eingefleischte Brit-Bike-Fans das als Beleidigung ansehen würden. Ein Japsen-Tank auf einem britischen Motorrad? Doch mein Handeln ist nun mal von einer gewissen ästhetischen Freiheit geprägt, die ich mir auch einfach nehme«, räumt Kott ein. »Letztlich hat es aber auch ein besseres Verhältnis zwischen Tankhöhe und oberer Gabelbrücke erlaubt und zu einem fülligeren Eindruck am Frontend geführt.« Und der XS-Tank hat tatsächlich genügend Platz, um die ungeliebte Benzinpumpe darin unterzubringen. Selbst das Zündschloss kann im frei gewordenen Raum zwischen Rahmenoberzug und Tank verbaut werden. Somit wirkt das Bike sehr clean und aufgeräumt.

»Am Ende ging es auch darum, das ungenutzte potenzial der Thruxton freizusetzen« sagt Dustin Kott

Neben all der Optik lässt Dustin nie das Handling des Bikes außer Acht, schließlich soll der britische Cafe-Racer-Spirit erhalten bleiben. Ein Paar High-Performance-Stoßdämpfer von Hagon und gut grippende Avon-Reifen sorgen für optimalen Fahrbahnkontakt. Für die sportliche Sitzposition entwirft er eine neue Fußrastenanlage, die er an den hinteren Rahmenzügen montiert. Die Stummellenker, die zusammen mit den Originalarmaturen direkt an den Gabelholmen fixiert werden, sind natürlich obligatorisch. Da geht kein Weg dran vorbei. Um dem Motor mehr Performance und Leistung abzuringen, wird das Steuergerät neu gemapped, die Serienauspuffanlage gegen eine 2-in-1 von Arrow mit Eigenbaukrümmern getauscht. »Das Teil klingt echt brutal im oberen Drehzahlbereich«, gibt Dustin grinsend zu. Zudem fliegt die Airbox raus und macht Platz für zwei polierte Ansaugtrichter.


Es soll alles wie aus einem Guss wirken

Dustins handwerkliche Kunst durchdringt am Ende das ganze Bike. Offensichtliche Details wechseln sich mit unscheinbaren ab, wie neue Motorhalterungen oder das innere Schutzblech, das die Elektrik unter der Sitzbank vor aufwirbelnder Nässe und Schmutz schützt. Um die neuen Parts dem Look der gebürsteten Originalgehäuse anzupassen, verpasst Dustin ihnen ebenfalls gebürstete Oberflächen aus Nickel oder Aluminium. Schließlich soll alles wie aus einem Guss wirken. Bei der Lackierung setzt er auf einen dezenten Farbton namens »Brandy Wine«, feine Pinstripes sorgen für entsprechende Kontraste. Nur eine Kleinigkeit sucht man an Ryans neuem Bike vergeblich: einen Tacho. Stattdessen prangt der Unsterblichkeitsspruch »Live fast« auf dem Scheinwerfergehäuse. Ein typisches und sympathisches Kott-Detail, das Dustin gerne bei seinen Umbauten irgendwo unterbringt, und das das Lebensmotto sowie die Einstellung der Cafe Racer kurz und knackig zusammenfasst.

Anderer Tank, andere Sitzbank, anderes Heck, und schon wirkt die Thruxton wie ein komplett neues Bike

Unterm Strich scheint Ryan Reynolds bei der Wahl seiner Drehbücher und Bikebuilder das gleiche talentierte Händchen zu haben. Jedenfalls dürfte die Kott-Thruxton dem Motorradfreak beim Ausritt ganz schnell einen klaren, frei gefahrenen Kopf bescheren. Und den brauchen ja nicht nur Hollywood-Stars …

Info | kottmotorcycles.com

 

Interview mit Ryan Reynolds

Ryan Reynolds scheint glücklich mit Dustin Kotts Arbeit zu sein

CB: Wie sieht deine Motorradgeschichte aus?
Ryan Reynolds: Ein Freund hat mir das Motorradfahren beigebracht, als ich noch ein Kind war, seitdem lässt es mich nicht mehr los. In der Zeit hatte ich zwei Maschinen von Triumph – eine alte Tiger und eine Langzeitbeziehung mit einer Bonneville, die ich vor zehn Jahren neu gekauft hatte. Über die Jahre habe ich sie umfangreich umgebaut, den Motor aufgebohrt und sie mehrmals mit verschiedenen Lackierungen, Lenkern und unterschiedlichem Zubehör neu gestaltet, sodass die Leute inzwischen glauben, ich würde ständig eine neue kaufen. Tatsächlich ist es dieselbe Maschine, die ich schon immer hatte, und ich kann sagen, dass sie mittlerweile beinahe zu einem Teil von mir geworden ist.


Was macht sie so wichtig?
Es gibt im Leben nicht viele materielle Dinge, in die es zu investieren wirklich lohnt, aber mit einem Motorrad ist das anders, da geht es um Emotionen und eine langfristige Beziehung. Ich habe zum Beispiel in meine Bonneville viel Zeit und Energie gesteckt und mir eine Menge Gedanken gemacht. Ich glaube fest an den Grundsatz, dass man zurückerhält, was man einsetzt. Meine Bonneville ist ein Motorrad, das mich mindestens drei Mal sicher quer durchs ganze Land gebracht hat. Für das Gefühl, das einen auf einer langen Fahrt begleitet, gibt es einfach keinen Ersatz.

Kannst du das Gefühl beschreiben?
Es ist wie Meditation. Wenn ich morgens auf dem Motorrad zur Arbeit fahre, sehe ich Leute in ihren Autos, die telefonieren, sich rasieren oder sogar welche, die eine Schüssel Müsli essen. Wenn ich ein Motorrad fahre, gibt es nur drei Dinge, die ich mache: Ich atme, lausche dem Klang des Motors und wechsle die Gänge. Es gibt nur mich und mein Motorrad – kein Multitasking, kein Schreiben von Textnachrichten – und es sorgt für nichts anderes als einen klaren Kopf.

Du fährst also jeden Tag mit dem Bike?
Wenn es nicht gerade hagelt oder schneit, sitze ich im Sattel. Als ich noch in Los Angeles lebte, bin ich nur mit dem Auto gefahren, wenn es absolut sein musste. Seit ich nach New York gezogen bin, habe ich für sonnige Tage eine neue Wertschätzung entwickelt. Aber ich habe auch nichts gegen etwas Regen. Oder Frost. Ich nehme jede Gelegenheit wahr, um Motorrad zu fahren.

Fährst du gerne zusammen oder lieber alleine?
Früher bin ich oft in großen Gruppen gefahren, aber heutzutage fahre ich lieber alleine. Ich liebe meine Arbeit und sie ist ein wesentlicher Teil meines Lebens, aber sie bringt auch ein gewisses Maß an Reizüberflutung mit sich. Alleine auf dem Motorrad über eine leere Straße zu fahren, ersetzt beinahe einen kompletten Urlaub. Wenn ich nach so einer Fahrt nach Hause komme, bin ich viel erträglicher.

Hast du jemals einen kompletten Urlaub mit dem Motorrad gemacht?
Aber sicher. Meine unvergesslichste Reise endete allerdings mit einem Unfall, als ich eine geliehene Triumph Sprint in einem Monsunregen in der Nähe von Uluru zu Bruch gefahren habe. Ich versuchte damals gemeinsam mit einem Freund Australien zu durchqueren, von Sydney nach Perth. Obwohl mich der Unfall damals ordentlich durchgeschüttelt hatte, blicke ich heute mit Wehmut auf die Erfahrung zurück und kann es kaum erwarten, wieder auf einem Motorrad in die Wildnis zurückzukehren. Südamerika würde ich auch gerne durchfahren.

Welche Reaktionen erhältst du, wenn du in den Staaten mit dem Motorrad unterwegs bist?
Die Gespräche mit anderen Bikern tun gut, da ich mich ausnahmsweise mal über etwas anderes unterhalten kann als über meine Arbeit oder das Wetter. Ich finde es großartig, dass Triumph bei den Modellen Bonneville, Thruxton und Scrambler dem klassischen Styling treu geblieben ist. Zudem gefällt mir, dass die Cafe-Racer-Szene zeitlos ist und alle Altersgruppen anspricht. Ob ich vor einem Café in Manhattan oder in Birmingham, Alabama, parke, die Wahrscheinlichkeit, dass mich ein Sechzigjähriger auf meine Bonnie anspricht, ist genauso groß, wie die, dass mich ein junger Fahrer Anfang zwanzig anspricht. Die besten Orte, um in den Staaten Motorrad zu fahren, sind meiner Meinung nach der Pacific Coast Highway auf Höhe Big Sur und die Berge im Norden des Bundesstaates New York.