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Einst wurde Bears honiggelber Eigenbau von einem Norton-Motor beschleunigt, nun besorgt das der Twin aus einer Triumph T120 von 1968 – allerdings mit einem 750er Big-Bore-Kit aufgepeppt.

Seinen Lebensunterhalt in einer kleinen nordischen Gemeinde als professioneller Customizer zu verdienen, ist ziemlich schwierig, bis unmöglich. Einige wenige schaffen es trotzdem, mit einer Strategie, die auch Christer Andersson alias Bear verwendet.

Doppel-Jobber: Bear ist stinknormaler Arbeiter und Customizer

Es ist wie eine Schizophrenie. Den einen Teil des Tages arbeitet man als stinknormaler Arbeiter in einem öden Job. 20 Stunden pro Woche durch die glühende Wüste laufen, ohne Wasser, ohne Schutz vor der Sonne, bis man schließlich die rettende Oase findet. Die Motorradumbauten.

Understatement: Die gebrushte Unterseite des Solosattels entdeckt der Betrachter erst nach dem Hochklappen der Sitzschale

Mal baut man ganze Bikes von Grund auf, manchmal auch nur Teile für andere Customizer. Eine Oase der Ruhe und Besinnung. »Ich gründete meine Firma 2004. BCB steht für »Bear’s Custom Bike«, Bear zeigt auf seine gelbe Triumph.

Eigenbaurahmen mit Norton-Motor

»Das Bauen an Motorrädern gibt mir die Chance kreativ zu sein und Ideen auszuprobieren, die mir durch den Kopf schwirren. Es wäre der Hammer, wenn ich das Customizing als Fulltime-Job machen könnte, aber es gibt leider zu wenige Kunden in der Umgebung.«

Bis auf die Stocker-Bremspumpe hat Bear die Fußrastenanlage selbst gefertigt

Die erste Version der honiggelben »Xtreme« entstand 1982, hatte damals noch einen Seitenwagen, kombiniert mit Motor und Getriebe einer Norton 650 SS. »Der Rahmen entstand in Eigenarbeit bei mir daheim in meinem Wohnzimmer.«

1968er Bonneville-Motor mit einem 750er Morgo-Kit

Wie das Schicksal es aber wollte, fand Bear später einen original Norton-Federbettrahmen. Dieser, kombiniert mit den Norton-Teilen aus der gelben Maschine, würde eine ziemlich originale Norton 650 SS entstehen lassen.

»Von meinem ersten selbst gebauten Rahmen wollte ich mich nicht trennen. Also nahm ich das 30 Jahre alte Gestell und baute etwas Neues daraus«

Also entschloss sich Bear schweren Herzens zu dem Schritt und entnahm der Xtreme alle lebenswichtigen Organe. »Ich wollte mich aber nicht von meinem ersten selbst gebastelten Rahmen trennen. Wisst ihr eigentlich, wie viel Arbeit so was ist? Also entschloss ich mich, einen Triumph-Motor zu verbauen, um genau zu sein einen 1968er Bonneville-Motor mit einem 750er Morgo-Kit.«

Triumph T120 – Ungewöhnlich öldicht für einen Briten

Die Aluminium-Felgen fand Bear auf einem Motorradschrottplatz. Sie kommen von einer Suzuki. Weil Bear eine gefundene Plakette mit der Aufschrift »Extreme« auf dem Öltank anbrachte, war damit ein Name für das Bike gefunden. Die Maschine selbst ist auch extrem. Nämlich extrem ungewöhnlich öldicht für einen Briten.

Zeitzeuge: Das schwedische Custombike entstand bereits 1982. Den aufgemotzten Motor aus einer Triumph T120 erhielt es erst vor kurzem

Bear investierte eine Menge Zeit, alle Gewinde mit Helicoils zu ersetzen und alle Dichtungen zu überprüfen. So ist die Maschine heute 100% dicht. Alles hat seinen Preis – die Xtreme nicht. »Nein, die Xtreme ist sicherlich nicht zu verkaufen. Wenn sie jemand trotzdem unbedingt haben will, dann bin ich gerne bereit einen Nachbau anzufertigen.«

 

Charley Charles