Am Ende war es dann doch eine ganz enge Kiste. Kurz vor Eröffnung der 1. Internationalen Motorradausstellung Hessen im vergangenen Jahr, wurde der BB-Trackster fertig

Dafür mussten sich die Bike Brothers Markus und Daniel Laufka mächtig ins Zeug legen, denn durch eine Verzögerung bei der Herstellung der speziellen Auspuffanlage durch SC-Project musste mehrfach umgeplant werden. Und das kurz vor Beginn der neuen Motorradsaison.

»Durch das lang anhaltende, gute Wetter im letzten Jahr und den kurzen Winter gab es so etwas wie eine Winterpause für uns nicht.


Ein bisschen Gummi verbrennen muss sein

Wenig Zeit für den Umbau

Das Geschäft ist quasi ohne Unterbrechung durchgelaufen, denn viele wollen pünktlich wieder auf ihren Bikes sitzen«, so Markus über die Arbeit in der Werkstatt, die natürlich auch erledigt sein wollte. Einfach alles auf das Umbauprojekt konzentrieren, das geht nicht. Einzig die gute Vorplanung verhindert ein Überschreiten der Deadline.

»Uns kam auch zugute, dass einer unserer Kunden uns seine Triumph Street Scrambler für alle Anpassungsarbeiten freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, während unsere in Italien weilte. Das war enorm hilfreich.« So kann Daniel besipielsweise den Tank anpassen und mit den Arbeiten an Sitzbank und Heckteil beginnen, für die er aus Lochmetall eine Grundform baut. Anschließend entsteht daraus das laminierte GFK-Teil.


Neue Stoßdämpfer heben das Heck an

Neue Federelemente für die Street Scrambler 900

Auch alle weiteren Änderungen können vorgenommen werden, insbesondere am Fahrwerk. Durch die längeren Fox-Racing-Stoßdämpfer kommt das Heck erfreulich weit nach oben, damit die Linie nicht zu weit nach vorn abfällt und das Bike eine vorderradorientierte Optik bekommt, bauen Markus und Daniel die Upside-down-Gabel einer Street  Triple um, drehen neue Hülsen für das Innenleben und bringen sie somit auf die gewünschte Länge.

Gleichzeitig ändern sie auch den Lenkanschlag, damit die Gabel nicht in den Tank drückt. Auch die Elektrik muss leicht geändert werden, da das Zentralinstrument durch ein Panel von Motogadget ersetzt wird, ebenso die Handarmaturen. Das Zündschloss wandert auf die linke Seite unterhalb des Tanks. Der restlichen Arbeiten sind für die erfahrenen Brüder eine Kleinigkeit.


Freie Sicht aufs Hinterrad

Schlichte Lackierung in Weiß und Blau

»Nachdem wir unser Motorrad von SC-Project zurückbekommen hatten, ging eigentlich alles ziemlich schnell und reibungslos.« Die Lackierung gestaltet Künstler Lackmuss genau nach Vorlage. »Wir hatten noch überlegt, etwas mehr zu machen, da der Tank auf der Oberseite nur weiß ist. Doch letztlich passt die schlichte Lackierung sehr gut zum sportlichen Auftritt.«

Auf der IMA ist die Resonanz sehr gut. Viele interessieren sich vor allem für den Heckumbau und die Auspuffanlage sowie für den Rädersatz. Allerdings muss hier ehrlicherweise gesagt werden, dass das Bike, so wie es jetzt dasteht, nicht zulassungsfähig ist, denn für Räder und Auspuffanlage gibt es keine Gutachten. Eine Einzelabnahme wäre nur mit unverhältnismäßig hohem finanziellem Einsatz machbar – wenn überhaupt.

Die Auspuffanlage von SC-Project ist eine Einzelanfertigung

Zulassungsfähigkeit war keine Vorgabe

Eine Zulassungsfähigkeit stand aber auch nicht im Lastenheft. »Trotzdem könnten wir den Trackster mit wenig Aufwand auf die Straße bringen. Andere Räder, Auspuffanlage, Kennzeichenträger und Beleuchtung dran, dann stünde einer Zulassung nichts im Wege. Aufgrund der Nachfrage sind die Bike Brothers sogar am Überlegen, wie sie den Kundenwünschen gerecht werden könnten.

Dass es kein Bike für die Galerie werden würde, war aber auch von Anfang an klar. Deshalb wollten wir wissen, wie sich der BB-Trackster anfühlt, und vor allem, wie er fährt. Zum Fotoshooting fahren wir zu einem Kart- und Supermotokurs, auf den uns die Streckenbetreiber freundlicherweise drauflassen. Es ist die beinahe perfekte Location, um das Bike in Szene zu setzen und es mal von der Leine zu lassen.


Markus Laufka von den Bike Brothers beim ersten Ausritt mit dem BB Trackster

Gute Ergonomie, viel Fahrspaß

Die größte Überraschung erfolgt gleich zu Beginn, denn die Sitzposition ist dermaßen gut gelungen, dass das Ding schon im Stand jede Menge Spaß verspricht. Zu erwarten war das nicht, denn durch die Höherlegung hat sich auch die Fahrwerksgeometrie leicht geändert.

Markus ist sie fast schon zu hoch, wie er zugibt, doch für einen langen Kerl ideal. Angenehmer Kniewinkel, guter Abstand zum Lenker, lockere Armhaltung – warum geht so was nicht gleich ab Werk? Der Twin springt ohne zu murren an, drückt sanft durch die ersten drei Gänge, lässt aber für meinen Geschmack ein bisschen den Punch vermissen, den die 1200er Triumph-Motoren haben.

Ist aber auch letztlich egal, das Ding ist eine Spaßgranate vor dem Herrn. Superhandlich, geht flott ums Eck und gibt sich auch auf Schotter und Dreck kaum Blößen. Und wer die Traktionskontrolle abschaltet, kann gepflegte Drifts üben. Bloß wegschmeißen sollte man so einen BB-Trackster nicht. Durch viele individuelle Lösungen steckt doch etwas Kohle drin, die man nicht unbedingt im Staub sehen möchte. Aber sonst? Her mit dem Ding. Die Performance passt, die Optik sowieso – was will man mehr?

Info
bikebrothers.de
triumphmotorcycles.de