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Wir hören sie schon schreien, die »streetlegal«-Verfechter. Bei Bassi stoßen sie auf taube Ohren, er baut zum Vergnügen, nicht für den TÜV. Zum Beispiel diese Triumph T140 Bonneville.

Hand aufs Herz, es gehört schon eine ordentliche Portion Verrücktheit dazu, ein Motorrad einfach so zu bauen, wie es einem gerade gefällt. Nur, um es anzuschauen oder vielleicht mal für Racingzwecke einzusetzen. Sebastian »Bassi« Heinz aus Traunstein hat schon viele Projekte »einfach so« gebaut. Gerade mal 34 Jahre alt ist der Bayer, seine Motorradsammlung beachtlich. Nahezu die gesamte Harleypalette der letzten 50 Jahre hat er schon umgebaut, da stehen Ironhead, Pan, Shovel ,Buell und Twin Cam auf dem Zettel. Eine Straßenzulassung stellt er bei jedem Projekt erstmal hinten an, im Vordergrund stehen Optik und Funktion, »ich will ohne Kompromisse bauen, wie es mir gefällt.«

Starrrahmen, NSU-Tank, knapper Sitz, polierter Motor – im Zusammenspiel der Komponenten ist die Triumph einfach ein stimmiges Motorrad. Der rote Lack tut sein Übriges zu einem richtig guten Umbau aus einer Privatgarage

Die Basis des aktuellen Aufbaus bildet eine Triumph T 140 von 1974. Diese Bonnies liefen in Meriden von 1973 bis 1980 vom Band, die Motoren hatten 750 ccm, der Öltank befand sich im Rahmen (oil in frame), die späteren Modelle verfügten über eine elektronische Zündung und eine stärkere Lichtmaschine im Vergleich zu den 650ern, die bis dato gebaut wurden. Die originale Zündung ersetzt Bassi trotzdem schnell, eine klassische Joe-Hunt-Magneto soll es sein.

Triumph Bonneville im starren Thunderbird-Fahrwerk

Um ein bisschen Leistung dazu zu gewinnen, werden die Zylinder aufgebohrt, ein Mikuni-Vergaser angebaut und Kopfmodifikationen durchgeführt. Der Optik wegen poliert Bassi den gesamten Motorblock auf Hochglanz, ebenso die Motorseitendeckel. Zeit für die Hochzeit, in der Motor und Rahmen erstmals zu einem Motorrad zusammengeführt werden. Der Rahmen stammt in diesem Fall ebenfalls von Triumph, von einer älteren Thunderbird mit starrem Heck.

Die meisten Teile wurden aus VA-Stahl gefertigt, wie zum Beispiel die kurzen Pipes …

Für den richtigen alten Look sorgt außerdem die Springergabel einer 750er Harley WLA-Flathead. Verzögert wird per Trommelbremsen, vorn von Harley, hinten von Triumph, »ich muss vorausschauend fahren«, schmunzelt Bassi. Den Benzintank mopst Bassi von einer NSU, muss das Gefäß aber noch umarbeiten, damit es ordentlich zum Rahmen passt. Den Racelenker fertigt er selbst, ebenso den Öltank, der aus VA-Stahl entsteht, abschließend aber lackiert wird.

Kompromisslos und wirklich nur auf das Nötigste beschränkt

Überhaupt VA, ein großes Thema des Traunsteiners. Sämtliche Bügel und Halter sowie der Auspuff mit den offensichtlichen Schweißnähten sind aus dem nichtrostenden Material. Kein Wunder, dass Bassi den Werkstoff liebt, hat er doch im normalen Job täglich damit zu tun. Der elterliche Betrieb, in dem er arbeitet, stattet Großküchen und Gastronomie aus. Beim Rest des Bikes zeigt sich Bassis Kompromisslosigkeit nochmal deutlich, er beschränkt sich wirklich nur auf das Nötigste.

… oder der Öltank

Auf Fender wird verzichtet, ebenso auf Beleuchtung, Hupe und dergleichen. Die Schutzblechfunktion muss jetzt vom Biltwell-Solositz übernommen werden, Fahrten bei Starkregen würde der nicht unbedingt verzeihen. Die zurückverlegte Fußrastenanlage mit Reduktionsbohrungen ist ebenfalls ein komplettes Eigengewächs, maßgeschneidert auf Bassis Körpergröße. Bei den Felgen, vorn 21, hinten 16 Zoll, setzt Bassi ausnahmsweise auf Chrom, »weil das in Verbindung mit dem Lack einfach richtig knallt.«

Triumph Bonneville mit knallroter »Ochsenblut«-Lackierung

Recht hat er, die rote »Ochsenblut«-Lackierung sticht sofort ins Auge. Man denkt dabei unweigerlich an alte Indians, die vor Motodromen und in den Steilwänden auf den Jahrmärkten dieser Welt bewegt werden und dessen verwegene Reiter das Publikum mit ihren Kunststücken auf den Rollenständen anlocken. Bassi und ein paar Jungs aus dem Süden unserer Republik gehören übrigens ebenfalls zu den verwegenen Typen.

»Optik und Funktion stehen im Vordergrund. Ich will ohne Kompromisse bauen, wie es mir gefällt«

Die »Lords of Mayhem« sind eine lockere Schraubergemeinschaft, die ihre Wurzeln in den USA hat. Ihr Ziel ist es einzig und allein, coole Motorräder zu bauen. Man trifft sich einmal im Jahr auf der Daytona Bike Week zum Feiern und zum Erfahrungsaustausch, ansonsten macht jeder sein Ding. Dabei können die Lords aus der neuen Welt noch ganz schön viel von Bassi lernen.

 

 

 

 

Customizerkurt
Kustomizerkurt bei

Kurt Goller, Jahrgang 1965, schreibt als »Kustomizerkurt« für die CUSTOMBIKE. Der Zweiradmechanikermeister arbeitet im Hauptberuf bei SSCycle und steht auf alte Motorräder mit Charakter. So befindet sich eine 1977er Harley-Davidson Shovelhead FXE ebenso in seinem Besitz, wie eine 1991er EVO-Softail und eine 1994er Kawasaki ZR 550.