Artikel speichern

3

Beruflich hat Jürg zwar mit Zweirädern zu tun, allerdings nicht mit solchen, die mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet sind. Um die kümmert er sich in seiner Freizeit – so, wie um diese Triumph 5T Speed Twin, die er nach seinen Vorstellungen zu einem Bobber umgebaut hat.

»Motorräder sind mein Hobby«, sagt Jürg, der im schweizerischen Olten sein eigenes Fahrradgeschäft betreibt. »Schon von Kindesbeinen an habe ich alles repariert, was ich in die Finger bekam.« Jürg zählt sich zur Schraubergeneration, jener, die sich selbst um ihre Motorräder kümmert und die die Technik genauso liebt, wie das Fahren. Zusammen mit einem Freund hat er sich eine kleine Werkstatt gemietet, einen Ort, wo er abseits vom Alltag die Ruhe zum Schrauben findet.

Jürg mit seiner Triumph 5T Speed Twin, die, wie er sagt, zwar das kleinste Bike in seiner Sammlung ist, dafür aber das lauteste

Und wie das bei Schraubern so ist, befindet sich nicht nur ein Motorrad in seiner Sammlung, sondern gleich mehrere. In Jürgs Garage stehen unter anderem eine Triumph Bonneville von 2005, eine originale aus den 1970ern, eine umgebaute Yamaha XS 650 und eine KTM 1290 Super Duke R, wenn er es mal dynamischer angehen lassen will. Dann wird das Biest aus Österreich entfesselt. Die Triumph 5T sieht er auf einem kleinen Treffen erstmals in natura. »Natürlich habe ich mich sofort in sie verguckt. Der Wunsch nach einem Bobber war schon immer da, vor allem sollte es ein Starrrahmen sein.«

»Meiner Ansicht nach muss ein Motorrad auf die Straße«

Doch die Suche nach einer Triumph, die er nach seinen Vorstellungen umbauen könnte, nimmt rund ein halbes Jahr in Anspruch. Schließlich wird er fündig. Bei einem Tätowierer steht ein entsprechendes Modell. »Sogar in der Schweiz und nicht irgendwo im Ausland. Der Zustand war gut, sie war bereits umgebaut und hatte sogar noch TÜV. Allerdings war der Motor nichts mehr und wirklich gefahren wurde sie anscheinend auch nicht«, blickt Jürg zurück. Dennoch kein Grund, die kleine Britin nicht unter die Fittiche zu nehmen. »Meiner Ansicht nach muss ein Motorrad auf die Straße und mit ein wenig Aufwand sollte das bei der Triumph machbar sein.«

Ein Motor aus der 6T dient nun als Antrieb, nachdem der Originalmotor ausgemustert wurde

Es ist Winter, als sich Jürg an sein neues Projekt macht. Geschraubt wird abends und an den Wochenenden. »Beim Schrauben bekomme ich den Kopf frei und finde Ruhe.« Er besorgt sich den Motor aus einer Triumph 6T, einen passenden Tank aus dem Zubehör sowie Schutzbleche, Lenker, Armaturen und Instrumente. Die Gabelbrücken sind extra angefertigte Einzelteile, die Gabelholme » … wohl italienisch und irgendwann aus den 70er oder 80er Jahren.« Den Auspuff belässt Jürg im originalen Zustand, da er aufgrund des Baujahres sowieso gut klingt und auch optisch bestens zum Bike passt.

Triumph Speed Twin – Klein, aber laut!

»Tatsächlich ist der Bobber jetzt mein kleinstes, aber dafür das lauteste Motorrad«, erzählt Jürg. Die 6-Volt-Elektrik reduziert er auf ein Minimum, lediglich das LED-Rücklicht arbeitet mit einer Spannung von 12 Volt, die er über einen Wandler generiert. Besonderes Augenmerk legt Jürg auf die Lackierung, die zwar zurückhaltend, aber dennoch elegant wirken soll. »Es ist tatsächlich keine klassische Lackierung, wie das auf den ersten Blick scheint, sondern eine Pulverbeschichtung. »Ich habe dafür einen super Partner gefunden, der nicht nur eine perfekte Arbeit abgeliefert, sondern sich auch noch um alles gekümmert hat.«

Minimalistisch soll es sein. Das betrifft Lenker und Armaturen ebenso wie das Instrument

In zwei Arbeitsgängen wird die Beschichtung aufgebracht, für den Effekt sorgt Glimmer. »Wenn die Sonne scheint, schimmert der Lack, je nach Betrachtungswinkel, dann gelb-orange.« Netter Nebeneffekt: Das Farbkleid kostet nur den Bruchteil einer konventionellen Lackierung, bei der wesentlich mehr Arbeitsschritte notwendig gewesen wären.

Triumph Speed Twin – Einfaches Motorrad mit simpler Technik

Große Probleme tauchen während des Umbaus nicht auf: »Eine riesige Herausforderung war es jetzt nicht gerade. Die Triumph ist ein einfaches Motorrad mit simpler Technik. Vielleicht einer der Gründe, warum ich eine Triumph-Liebe entwickelt habe. Zwischen uns passt es einfach.« Und auch der TÜV sieht keine Probleme, gibt dem Speed-Twin-Bobber die Freigabe, damit er dort hinkommt, wo er hingehört: auf die Straße. 

Info |  velowerkolten.ch

 

Christian Heim