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Wenn bei alten Mopeds die Elektrik abfackelt, dienen sie meistens nur noch als Ersatzteilspender. Diese Suzuki LS 650 Savage dagegen bekam eine zweite Chance im absoluten Lowbudget-Segment.

Über ebay-Kleinanzeigen stieß David auf eine Savage in der Nachbarstadt, lässige 800 Euro sollte der Japancruiser kosten. Das passte super in sein Budget und er meldete sich sofort auf diese Anzeige. Es war aber schon zu spät, ein anderer Käufer war ihm zuvor gekommen. Egal, am Abend wurde trotzdem mit Freunden abgefeiert. Am nächsten Morgen beendete das Telefon dann frühzeitig die Nacht, denn der Verkäufer der Savage rief an: »Haben Sie noch Interesse? Der andere hat abgesagt.« Na klar hatte David noch Bock auf die Karre. Also den Anhänger ans Auto und nichts wie hin.

Suzuki LS 650 Savage für schlanke 500 Euro

Vor Ort sah es dann übel aus, das Bike war teilweise auseinandergebaut und von der Elektrik her strahlte ihn ein tennisballgroßer verschmorter Klumpen über dem Motor an. Somit war keinerlei Funktionsprüfung der Maschine möglich. David vertraute der Aussage des alten Besitzers, dass der Motor trotz allem einwandfrei laufen würde und nutzte die Situation, um den Preis auf 500 Euro zu drücken.

So klappt’s mit einem knackigen, cleanen Heck: David montierte den Schwingsattel starr, die Mufu-Blinker machen sich ganz klein, der Fender liegt eng an und zu guter Letzt versteckte er das Katzenauge. Der Bomber-Look auf dem Tank unterbricht das überwiegende Mattschwarz

Wieder zu Hause wurde der verkohlte Elektroschrott sofort mit dem Seitenschneider entfernt und die Leitungen notdürftig überbrückt. Jetzt konnte endlich eine Funktionsprüfung stattfinden und … der Motor lief wirklich super, auch die Elektrik funktionierte merkwürdigerweise. Die 500 Euro erwiesen sich also direkt als Schnäppchen. Zum anständigen Löten der Leitungen gab es aber ein Problem, Davids Garage verfügte über keinen Stromanschluss.

Suzuki LS 650 Savage – Oh Kabelbaum

Und wieder hatte er Glück, ein Kollege kaufte in der Nähe ein Haus mit einem Garagenpark. Fünf davon waren noch frei und David bekam eine – inklusive Anbindung an das örtliche Versorgungsunternehmen. Somit konnte er auch bis in die Abendstunden bequem am Moped schrauben. Neben der fachgerechten Wiederherstellung des Kabelbaumes kamen auch neue Blinker in Form von LEDs an die Gabel. Im gleichen Stil bilden hinten Multifunktionselemente den leuchtenden Abschluss, da der Fender frei allen Schnickschnacks bleiben sollte.

Mit einer Savage macht man nichts verkehrt. Der Einzylinder stapft forsch aus dem Drehzahlkeller voran, durchaus souverän für ein Bike mit relativ geringen 170 Kilo Leergewicht

Der Rohling hierfür ist ein genau an das Hinterrad passendes Stahlteil. Ganz TÜV-gerecht wurde die Radabdeckung an der Schwinge nur angeschraubt. Als Haltepunkte bediente sich David den ehemaligen Fußrastenaufnahmen und der rechten Stoßdämpferhalterung. Die Halter selbst bekamen durch Nieten ihre dauerhafte Verbindung aufgedrückt. Sogar einen Reflektor findet man nach längerem Hinsehen. Der befindet sich hinten unterm Sitz. Eigentlich ein Schwingsattel, aber hier mal fest montiert, um die Position möglichst tief zu bekommen. Rot und Schwarz sind auch genau die Farben, die sich im ganzen Moped wiederfinden.

Gut und günstig: Sprühdosenlackierung mit Bomber-Sticker

Lackiert wurde alles in Eigenleistung mit Sprühdosen unter Mithilfe eines bekannten Autoschraubers – der Dank sei Marcin gewiss. So weit wie möglicht bauten sie dazu natürlich alles ab. Dabei bot es sich an, im Motor auch direkt die Steuerkettenmimik zu überarbeiten und teilweise zu erneuern. Die Räder dagegen wurden im Ganzen gerötet. Die Tankaufkleber hatte er mal bei einer Sportster gesehen und sofort gewusst, dass die auch auf die Savage müssen. Einmal im Klebewahn erhielt auch die obere Gabelbrücke mittels Dekofolie ihren ganz eigenen Style.

Neuer Look für null Euro: die obere Gabelbrücke beklebte David mit Folie

Aber Moment mal, was soll denn der Aufkleber »Alles unter zwei Zylindern ist asozial« auf einem Eintopf? »Das ist absolut ironisch gemeint und soll die Jungs mit den dicken Kisten ein bisschen zum Nachdenken anregen.« Da er selbst nicht der Größte ist, passt die Savage außerdem perfekt zu ihrem Besitzer, schließlich sollten Fahrer und Bike auch größenmäßig harmonieren.  Ein schönes Sahnehäubchen für ein günstiges und legales Bike.

 

Lothar Steinmetz
Freier Mitarbeiter bei

Lothar Steinmetz ist bereits seit dem Jahr 2000 als freier Mitarbeiter für die CUSTOMBIKE tätig und kümmert sich vorrangig um Lowbudget-Umbauten. Darüber hinaus analysiert er Gesetzestexte und macht Technik für den Leser verständlich. Seit 1993 besitzt er eine gelbe Trude, die neben den anderen Mopeds der Familie immer wieder für Detailaufnahmen oder Reparaturanleitungen herhalten muss.