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Ihr wollt richtig krassen Scheiß sehen? Dann herzlich willkommen in der Welt des Carlos Rodrigues und seiner Extrem-Fighter. Mortagua 8 wird vom Four einer Suzuki GSX-R 1100 angefeuert.

Seit einer Stunde klicke ich mich jetzt durch die Homepage von »Mortagua Fighters«, dabei will ich doch eigentlich nur einen Text zu dieser Suzuki, Nummer acht in der Reihe der Mortagua-Bikes, schreiben. Das Problem, Erbauer Carlos Rodrigues spricht kein Englisch, geschweige denn Deutsch. Ein paar Details zu seiner Karre hat er mir auf unserer Show in Bad Salzuflen mit Händen und Füßen erklärt, einiges sehe ich selbst.

Hier ist einer am Werk, der total bekloppt sein muss …

Aber um ein Gefühl für den Mann aus Portugal und seine Bikes zu bekommen, kann ein Blick auf vorherige Werke nicht schaden … tja, und da häng ich nun vor dem Bildschirm fest, mit großen Augen bei den Mortagua-Bikes eins bis sieben. Mir dämmert es schnell: Hier ist einer am Werk, der total bekloppt sein muss, der komplett einen eigenen Film fährt, einen Scheiß drauf gibt, was andere über ihn denken – und dabei ein unglaublicher Ingenieur und Handwerker ist.

Der »Tank« ist nur eine Attrappe und dient eher als Verkleidung für den Suzuki-Vierzylinder. Das eigentliche Spritgefäß sitzt dagegen unterhalb von Sitzbank und Vergasern

Ich staune, als ich die Bilder von Carlos’ Werkstatt sehe, weniger als hierzulande manch ein Privatschrauber zur Verfügung hat. Und auch wenn Carlos Rodrigues’ Style nicht meiner ist, wächst mein Respekt für den Mann von Bild zu Bild. Eine Suzuki RF 600, nach einem Unfall weitestgehend zerstört, markiert den Anfang von Carlos’ Firma. Die Schäden am Bike veranlassen Carlos, ein eigenes Design für den Neuaufbau zu entwickeln, aus der Unfallmaschine wird Mortagua 1, angelehnt an klassischen Fightern – Einarmschwinge, hohes Heck, aggressive Front.

Als Antrieb dient der Four einer Suzuki GSX-R 1100

Carlos hat Blut geleckt, baut weiter und wird mutiger. Nicht nur, dass sich seine Designs verändern, er entwickelt außerdem technische Lösungen was Radaufhängungen, Federungen, Gabelverläufe und mehr angeht, die massives Hirnschmalz erfordern, um funktionabel umgesetzt werden zu können. Beim Blick auf sein achtes Bike wird das deutlich.

Und habt ihr schon einmal solch eine Auspuffanlage gesehen? Die bläst einem im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf frei

Beide Räder, jeweils 17 Zoll, werden einseitig geführt. Die massive Vorderradaufhängung funktioniert als Achsschenkellenkung und ist ein detailliertes Stück Handwerk. Das steile Federbein sitzt hinter der Verkleidung, die Achse wird über ein ausgeklügeltes System angelenkt. Im Heck sieht es nicht weniger brachial aus, eine fette Parallelogramm-Schwinge dominiert hier das Bild. Fahrbar ist Carlos’ Suzuki übrigens voll, allerdings, so gesteht er, »nicht sonderlich bequem und aufgrund des minalen Benzinreservoirs auch nur achtzig Kilometer weit.«

Die Mortagua 8 wird »Best Fighter«

Es hätte auf der CUSTOMBIKE-Show in Bad Salzuflen viele mögliche Pokale für Mortagua Nummer acht gegeben. Seine Kiste ist sowohl ein potenzielles Best Engineering als auch ein Best Sportsbike, ein Craziest Bike sowieso, einer der Lieblinge unserer Redakteure, die eigene Pokale vergeben und möglicherweise sogar ein Best of Show. Doch nach langen Jurydiskussionen belohnen wir den Portugiesen schließlich mit »Best Fighter«. Carlos dankt es mit einem krachlauten Burnout auf unserer Bühne, getreu seinem Motto: »Fighter forever, Custom forever!«

Info |  instagram.com/mortagua.fighter

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.