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Die Suzuki GS 850 ist ein Dickschiff vom alten Schlag: Tief, schwer und mit Kardanantrieb ausgestattet. Eigentlich nicht die ideale Basis für einen Cafe Racer. Walter war das egal, er hat die alte Dame nach seinen Vorstellungen umgebaut und ihr neuen Glanz verliehen.

Vor über vierzig Jahren flutete Suzuki mit einer regelrechten Modelloffensive den Motorradmarkt. Schon zwei Jahre zuvor, 1976, ersetzte die GS-Reihe die großvolumigen Zweitakter. Mit der GS 850 schloss Suzuki schließlich die Lücke zwischen der 750er und der 1000er. Das unter Motorradliebhabern »Dickschiff« genannte, neue Modell verfügte außerdem über einen Kardanantrieb.

»Der Motor drehte und die Suzuki war fahrbereit«

Walter entdeckt den Youngtimer im Netz und ersteht ihn nach einer kleinen Verhandlung für 800 Euro. »Der Zustand war mäßig, aber der Motor drehte und die Suzuki war fahrbereit.« Und sie hat, entsprechend Walters Vorliebe, einen Kardanantrieb. Auf der Suche nach einer möglichen Umbaurichtung bleiben allerdings keine großen Optionen. Einen Chopper kann Walter aus der GS nicht machen, auch wenn er es gerne würde. Dafür passt die Basis nicht. Bleibt nur noch der Cafe-Racer-Style, am besten ganz klassisch. 

Eine Besonderheit ist das Heck, das passend zum Gesamtauftritt der Suzuki nicht filigran, sondern ganz klassisch gestaltet wurde. Es besteht aus Blech, ist mit dem Rahmen verschweißt und sauber verschliffen. Darunter befindet sich nichts, außer einer Abdeckung gegen aufwirbelnden Schmutz

Die Suzuki wird gestrippt und zerlegt, bis der Rahmen frei liegt. Dann widmet sich Walter dem Heckumbau. Es wird kein filigraner Cafe-Racer-Höcker, das würde nicht zum Motorrad passen. Stattdessen erwirbt er bei E-Bay eine Halbkugel aus Stahlblech, die er solange umarbeitet, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Den Rahmen-Loop lässt er sich von einem befreundeten Dreher anfertigen.

Suzuki GS 850 – Den Höcker mit dem Rahmen verschweißt

»Er hat mir doch tatsächlich aus dem Vollen gedreht«, erzählt Walter noch immer ungläubig, ob der handwerklichen Leistung. Anschließend wird der Höcker mit dem Rahmen verschweißt und verschliffen. »Darunter befindet sich nur Luft, sonst nichts, und eine Abdeckung gegen den aufwirbelnden Schmutz vom Hinterrad.« 

Viele Umbauteile hat Walter selbst hergestellt, wie den Kennzeichenträger, die Griffe oder etwa die Bremsstrebe am Hinterrad. Auch die Scheinwerferhalterung hat er selbst entworfen und nach seinen Zeichnungen anfertigen lassen

Parallel dazu finden auch andere Arbeiten am Motorrad statt. Ein großer Vorteil ist die gute Ersatzteilversorgung, wie Walter berichtet. »Das hat keine Probleme bereitet. Ich habe einige Teile für die Vergaser bekommen. Auch bei den freien Verkäufern ist fast alles erhältlich.« Nur bei der Auspuffanlage ist der Zubehörmarkt leergefegt.

Was er nicht im Internet oder bei Händlern findet, konstruiert er selbst

»Die Marving-Endtöpfe waren die einzigen, die überhaupt erhältlich waren.« Dafür passen sie aber bestens zum angestrebten Cafe-Racer-Look. Was Walter nicht im Internet oder bei anderen Händlern findet, konstruiert er selbst oder lässt es nach seinen Vorgaben anfertigen. So auch die elegante Scheinwerferhalterung, für die der Maschinenbautechniker mit Millimeterpapier eine Zeichnung anfertigt, die der befreundete Dreher umsetzt. Alte Schule eben.

Vom schweren Tourenmotorrad zum stylischen Cafe Racer. Unter Walters kundigen Händen geht die ehrwürdige Suzuki in einen neuen Lebensabschnitt. Klassisch, elegant und technisch bestens für die nächsten Jahrzehnte vorbereitet

Am Motor selbst gibt es wenig zu tun. Er wird geöffnet, Dichtungen und Kupplung kontrolliert und anschließend optisch aufgewertet. Die Polierarbeiten erledigt Walter ebenfalls selbst, verbringt unzählige Stunden am Schleifbock, bis der Glanz zurückkehrt. 

Für das Elfenbein erntet er anfangs Spott und Hohn

Bei der Farbwahl lässt er sich inspirieren. »Ich hatte bei Thunderbike Räder in einer ähnlichen Farbe gesehen.« Für das Elfenbein erntet er anfangs Spott und Hohn, erträgt es aber mit stoischer Ruhe, wohlwissend, dass das Airbrush von Gerd de Kock, dem Ganzen die Krone aufsetzen wird. »Wir kennen uns schon lange und haben einen guten Draht zueinander.

Ich habe ihm freie Hand gelassen.« Eine gute Entscheidung, denn die kupferfarbenen Applikationen setzen einen perfekten Kontrast zu der ungewöhnlichen Lackierung. Rund drei Jahre hat Walter in sein Projekt gesteckt, das er mit viel Liebe zum Detail umgesetzt hat.