Einer der schönsten Cafe Racer, die wir in den vergangenen Jahren in unserem CUSTOMBIKE-Wettbewerb hatten, ist nur durch ein Versehen in die Abstimmung geraten und direkt auf dem ersten Platz gelandet. Denn eigentlich wollte Mellow Motorcycles die Suzuki nur für die Bikeshow in Bad Salzuflen anmelden

Das Vorderrad hat stolze 19 Zoll, das Hinterrad 18 Zoll. Die Batterie sitzt gut versteckt unterhalb der Schwingenaufnahme

Am Anfang steht nur die Idee

»Tatsächlich sind wir mehr oder weniger nur durch Zufall in den Leserwettbewerb geraten«, blickt Florian Hubert zurück. Er ist einer der Köpfe hinter Mellow Motorcycles. Zusammen mit Amir Brajan, einem gestandenen Kfz-Meister, hat er die Marke mit dem geschmeidigen Namen erst Anfang 2016 aus der Taufe gehoben, um endlich die Motorräder zu bauen, die ihnen Spaß machen.


Vor allem aber auch, um auf nichts und niemanden Rücksicht zu nehmen oder faule Kompromisse einzugehen. Neulinge in dem Geschäft sind die beiden nicht. Seit gut zwanzig Jahren sind Motorräder die Grundlage für den Lebensunterhalt, nur eben nicht als eigene Marke. Verstärkt wird das Team durch Micha, einen geprüften Schweißer, der sich aber auch um alle anderen technischen Belange kümmert.

Mellow Motorcycles Suzuki GS 550 Cafe Racer

Vier unterschiedliche Motorräder wollten sie 2016 fertigstellen, die Suzuki GS 550 ist eine davon. Gekauft hat sie Florian schon vor über zwei Jahren, zu einer Zeit, als die Preise für gebrauchte Japan-Reihenvierer noch in den untersten vierstelligen Regionen angesiedelt waren. Knapp 1.500 Euro blättert er für die 79er Suzi hin. Ein angemessener Preis für einen durchaus akzeptablen Zustand.


Obwohl man sich gleich über die Japanerin hermacht, sie strippt und von allem unnützen Zeugs befreit, steht sie erst mal unbeachtet und bedeutungslos in irgendeiner Ecke – bis eben Anfang des Jahres  mit Mellow Motorcycles ein neues Kapitel aufgeschlagen wird.

Dass es ein klassischer Cafe Racer werden soll, steht ziemlich schnell fest, denn die Suzuki bietet dafür eine hervorragende Basis. Auf dem »Fly Low«-Event in Belgien holt sich Florian Ideen und Inspirationen für die Bikes. »Das ist so mein Part. Ich mache die Entwürfe und das Design, zeige es dann Amir, und wenn er zufrieden ist, setzen wir es um. Das geht bei uns Hand in Hand.«


Ein Cafe Racer mit gestreckter Silhouette soll es werden

Für die Höckersitzbank braucht Flo, wie er gerufen wird, mehrere Anläufe, bis er mit Form und Größe zufrieden ist, anschließend wird sie mit feinem Leder von einem Sattlermeister bezogen. Das Rahmenheck muss für den kurzen Höcker abgeändert werden, gleichzeitig entscheiden sie sich für eine längere Schwinge aus einer Suzuki GS 1000.

»Wir wollten diese gestreckte Silhouette, aber es hat auch einen ganz pragmatischen Nutzen: Zusammen mit der von uns konstruierten Fußrastenaufnahme können jetzt auch großgewachsene Jungs richtig gut auf diesem sonst eher kleinen Motorrad sitzen«, betont Flo. Dafür sorgen auch die obligatorischen Lenkerstummel von Tarozzi, die an der originalen Gabel klemmen. Ein Motogadget-Instrument übernimmt die Bereitstellung aller wichtigen Fahrerinformationen.

Das schafft Platz auf der Gabelbrücke, die in Handarbeit mit der Feile gecleant wird. Auch der Tank wird umfangreich modifiziert. Das klappbare Panel, das den Tankverschluss versteckt, wird entfernt, ein neuer Tankstutzen eingeschweißt, anschließend alle Nähte und Unebenheiten nach alter Väter Sitte verzinnt und verschliffen. Erst dann darf der Lacker für ein neues Outfit sorgen.

Den Motor belassen sie im Originalzustand, er wird lediglich überholt, neu abgedichtet und optisch auf Vordermann gebracht. Viel Aufwand waren aber die Schrauben. »Wir haben die verzinkten Originalschrauben allesamt durch Edelstahl oder Titan ersetzt. Das war zwar eine teure Angelegenheit, weil wir viele Schrauben ändern mussten und uns dabei so einiges an Werkzeug ruiniert haben, aber das war‘s uns Wert.« Die Vergaserbatterie wird zerlegt, gereinigt und vor allem neu bedüst.


Florian Huber und Amir Brajan mit ihrer Suzuki – damals im Herbst 2016

»Amir kann tatsächlich noch Vergaser nach Gehör abstimmen. Erst dann folgen Messuhren und Prüfstand.« Auch die Elektrik wird erneuert, die alten Kabel fliegen raus. Ein modernes Steuergerät übernimmt die Verteilung der Ströme, unsichtbar unterm Tank platziert. Der Aufwand lohnt sich, denn nach Abschluss aller Arbeiten präsentiert sich die kleine Suzi frisch und strahlend, bereit ihr Biedermann-Dasein hinter sich zu lassen. Es ist die Liebe zum Detail, die den Ausschlag gibt und die Aufmerksamkeit aufs Bike lenkt. Egal wohin man blickt, nichts stört die Linien, alles wirkt wie aus einem Guss. Fast so, als hätten die japanischen Designer vor  gut vierzig Jahren alles richtig gemacht.

Info | www.mellowmotorcycles.com