Artikel speichern

1

Bevor sich das Münchner Diamond Atelier dauerhaft am BMW-Boxer festgebissen hat, zeigten Tom und Pablo anhand einer Suzuki DR 650, wie ein endgeiler Eintopf auszusehen hat.

Ich hasse Veränderungen und lehne Fortschritt ab; ich meine den Fortschritt in der besonderen Lesart eines Schrittes fort von etwas Gutem oder Gutgewordenem. Insbesondere wenn dieser Schritt fortführt von einer höchst willkommenen Schaffenshaltung im Customizing: Ein Moped muss nicht nur geil aussehen, sondern auch richtig geil ums Eck gehen.

Knapp 50 Pferdchen bringt der Suzuki-Eintopf. Das ist nicht viel, angesichts des leichtgewichtigen Gesamtkunstwerks von geschätzten 160, 170 Kilo sollte es aber für fluffig Vorankommen reichen

Früher hatten wir Zeiten, in den Umbauten aller Couleur sich vom schönen Schwan auf dem Seitenständer in einen Haufen Scheiße auf der Straße verwandelten, sobald auch nur der erste Zentimeter zurückgelegt worden war – von Fahren konnte da keine Rede sein. Doch Zeiten ändern sich: Heute werden wieder und mehr Custombikes für das Fahren konzipiert und der kommerzielle Erfolg in der Szene gibt den Erbauern recht. Die rollenden Bastelbuden werden zu ergreifenden Fahrmaschinen.

Gewagte Fahrwerksgeometrie an der Suzuki DR 650

Und das? Als wir uns entscheiden, diese endgeile Suzuki DR 650 des Diamond Ateliers in CUSTOMBIKE zu zeigen, ich denke mir schon beim Betrachten der Bilder skeptisch, dass die Geometrie des Fahrwerks gewagt ist. Bei der Recherche fällt mir das Interview der Macher in einem Magazin für Motorradkultur ein und interessiert lese ich mir die Antworten der beiden Jungs aus München durch, intuitiv wissend, dass sie verstehen, was sie tun.

Um einer zusätzlichen Eintragung zu entgehen, wird statt der Gabelbrücke ein zusätzliches Alucover gefräst und zwischen den Gabelholmen geparkt

Das Problem ist einfach zu erklären: Tom und Pablo sind noch jung und wohl noch nie über den Bavariaring per Zweirad hinaus gekommen. Nach eigener Aussage tut ihnen nach 60 Kilometern auf einem ihrer Bikes schon alles weh. Trotzdem setzen sie mit ihren Umbauten starke Vorstellungen zu noch stärkeren Mopeds um, was auch den Hype um die Burschen erklärt.

Der wahre Sinn von Eintöpfen

Zu Recht, ihre DA#5 auf Basis der beliebten Fahrschulenduro von 1992 ist ein wirkliches Schmuckstück. Sie verkörpert den wahren Sinn von Eintöpfen für die Straße. Klein, schlank, leicht und bissig. Und dann diese bestechende Form- und Farbgebung, einfach ein Hosenverenger.

So muss ein Einzylinder für die Straße aussehen: Radikal, schlank, kompromisslos. Mit Schmiss und Verve. Das haben die Diamonds voi guad g‘macht

Da dengeln die beiden, offensichtlich vom Fahren keinen Schimmer, aus Metall solche organischen Rundungen und pinseln die Sache in einem grau-türkis Tarnlook – geiler geht’s leider nicht mehr. Auch der Rest der Anpassungen für den Heckrahmen oder der Seventies-Style-Tank sprechen dafür, dass Tom und Pablo es draufhaben, richtig feinen Stoff auf die Reifen zu stellen. Die Zeit für den Nachwuchs ist definitiv gekommen und dringend nötig. Jetzt müssen diese beiden Rohdiamanten in Sachen Fahrwerk nur noch zu dem geschliffen werden, was ihr Design schon ist: brillant.

Info | www.diamond-atelier.com