Bevor sich das Münchner Diamond Atelier dauerhaft am BMW-Boxer festgebissen hat, zeigten Tom und Pablo anhand von Suzukis DR 650, wie ein endgeiler Eintopf auszusehen hat.

Ich hasse Veränderungen und lehne Fortschritt ab; ich meine den Fortschritt in der besonderen Lesart eines Schrittes fort von etwas Gutem oder Gutgewordenem. Insbesondere wenn dieser Schritt fortführt von einer höchst willkommenen Schaffenshaltung im Customizing: Ein Moped muss nicht nur geil aussehen, sondern auch richtig geil ums Eck gehen.

Das Diamond Atelier in München steht für urbane Inspiration mit urtümlicher Handwerkskunst – eine Entwicklung in der Customszene, hier demonstriert an Suzukis DR 650

Früher hatten wir Zeiten, in den Umbauten aller Couleur sich vom schönen Schwan auf dem Seitenständer in einen Haufen Scheiße auf der Straße verwandelten, sobald auch nur der erste Zentimeter zurückgelegt worden war – von Fahren konnte da keine Rede sein. Doch Zeiten ändern sich: Heute werden wieder und mehr Custombikes für das Fahren konzipiert und der kommerzielle Erfolg in der Szene gibt den Erbauern recht. Die rollenden Bastelbuden werden zu ergreifenden Fahrmaschinen.


Gewagte Fahrwerksgeometrie

Und das? Als wir uns entscheiden, diese endgeile Suzuki DR 650 des Diamond Ateliers in CUSTOMBIKE zu zeigen, ich denke mir schon beim Betrachten der Bilder skeptisch, dass die Geometrie des Fahrwerks gewagt ist. Bei der Recherche fällt mir das Interview der Macher in einem Magazin für Motorradkultur ein und interessiert lese ich mir die Antworten der beiden Jungs aus München durch, intuitiv wissend, dass sie verstehen, was sie tun.

Leider erhöht das Federbein nicht die Fahrdynamik, sondern senkt das Fahrwerk zu deutlich in Richtung Straße. Trotz der abgelehnten Fahrbarkeit ist die Da#5 ein wegweisendes Custombike

Doch bringen mich ihre verbalen Ergüsse auf die Palme, da reden die beiden Schrauber davon, dass ihre Motorräder nicht gut fahren müssen – nur gut aussehen an der Eisdiele und der Uni. Ganz schöner Hipsterdampf ist das und dann ist die komplette Außendarstellung der Bajuwaren auch noch in bloody english gehalten. Dem nicht genug steht da außerdem noch etwas über: »Nix Lauwarmes machen – entweder ganz oder gar nicht«. Sorry, ich muss nochmal draufhauen: So was kann ein Chopperschrauber aus den 80ern von sich geben, dem schon bei drei Grad Schräglage die Unterhose braun wird und der glaubt, das Motorrad neu erfunden zu haben. Aber doch bitte niemand, der mit einer solch gewaltigen Formkraft Motorräder bauen kann. Wer was schönes Stehendes bauen will, der soll für die Schickeria Lampen aus Parkuhren schnitzen, aber keine Fahrzeuge. Bussi Bussi.


Der wahre Sinn von Eintöpfen

Das Problem ist einfach zu erklären: Tom und Pablo sind noch jung und wohl noch nie über den Bavariaring per Zweirad hinaus gekommen. Nach eigener Aussage tut ihnen nach 60 Kilometern auf einem ihrer Bikes schon alles weh. Trotzdem setzen sie mit ihren Umbauten starke Vorstellungen zu noch stärkeren Mopeds um, was auch den Hype um die Burschen erklärt. Zu Recht, ihre DA#5 auf Basis der beliebten Fahrschulenduro von 1992 ist ein wirkliches Schmuckstück. Sie verkörpert den wahren Sinn von Eintöpfen für die Straße. Klein, schlank, leicht und bissig. Und dann diese bestechende Form- und Farbgebung, einfach ein Hosenverenger.

Diamonds Atelier nutzt viele bekannte Stilmittel und gängige Praktiken, es ist aber die Mischung des Ganzen, die zählt: So wurde der Heckrahmen neu aufgebaut und alle notwendigen Leuchten unauffällig integriert

Da dengeln die beiden, offensichtlich vom Fahren keinen Schimmer, aus Metall solche organischen Rundungen und pinseln die Sache in einem grau-türkis Tarnlook – geiler geht’s leider nicht mehr. Auch der Rest der Anpassungen für den Heckrahmen oder der Seventies-Style-Tank sprechen dafür, dass Tom und Pablo es draufhaben, richtig feinen Stoff auf die Reifen zu stellen. Die Zeit für den Nachwuchs ist definitiv gekommen und dringend nötig. Jetzt müssen diese beiden Rohdiamanten in Sachen Fahrwerk nur noch zu dem geschliffen werden, was ihr Design schon ist: brillant.


Info | www.diamond-atelier.com