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2017 baut Swen Weber auf Basis einer Simson Spatz sein erstes Custombike. Mit durchschlagendem Erfolg und dem Hunger nach mehr, den er an einer Simson Schwalbe stillt. 

Ein Garagenfund ist es, der für den gebürtigen Vogtländer Swen Weber zum Traumerfüller wird. In seiner Bochumer Hinterhofgarage veredelt der angestellte Installateur alle Teile für seine Simson Spatz, fährt nach Fertigstellung seines ersten Umbaus voller Elan auf die Simson-Treffen in Suhl und Zwickau. Es regnet Pokale und der Virus »Customshow« ist entfacht. Zeit, dass sich das kleine, edle Fahrzeug mit den Großen misst.

Das nächste Bike muss noch spektakulärer werden

Auf der Choppertown Sideshow räumt die Simson ebenso ab, wie auf der CUSTOMBIKE-SHOW, wo wir Swen mit dem »Editors Choice«-Pokal unserer Redaktion zu unserem persönlichen Lieblingsbike der Show küren. Swen Weber ist in der Customszene angekommen, aufgetaucht wie ein Phantom, bis dato gänzlich unbekannt. Ausruhen ist sein Ding aber nicht, das nächste Bike muss noch spektakulärer werden, denn Applaus ist nicht nur das Brot des Künstlers, sondern auch der Antrieb weiterzumachen.

Die Motorhaube öffnet sich fernbedient und legt den Blick auf die aufwendig mit LEDs beleuchtete Technik und den gravierten Deckel sowie den 20er-Mikuni-Vergaser frei

Zu recherchieren, entwerfen, planen und schließlich zu schrauben ist Swens Ventil für eine angestaute, schöpferische Kraft. Die Erfahrung mit dem 50-Kubik-Motörchen ist so gut, dass die Wahl für sein nächstes Projekt wieder auf einen kleinen Vogel fällt, diesmal eine Simson Schwalbe. Aber was genau soll man mit einem so häufig umgebauten und bekannten Kleinkraftrad noch Ungewöhnliches machen? Ohne um die Herkunft zu wissen, kommt dem Schrauber ein Trick der Chopperszene aus den 40er Jahren in den Sinn. Da wurde bei den Bobbern das Schutzblech verdreht und an anderer Position neu angebracht.

Aus dem femininen Roller wird so etwas wie die verkapselte Rennmaschine

Per Computer und Photoshop schneidet Swen der Schwalbe die hintere Karosse ab und gestaltet daraus virtuell Tank und Korpus, ja, das könnte gehen. Und so wird aus dem femininen Roller so etwas wie die verkapselte Rennmaschine vom seligen Ernst Jakob Henne. Die am verdrehten Rahmen angesetzte Schwinge soll einarmig geführt und verlängert werden, was den Eindruck eines Wettbewerbsfahrzeugs zusätzlich verstärkt. Das Phantom ist gefunden.

Die Eigenbau-LED-Beleuchtung wurde perfekt in die Karosse integriert, daneben gibt es zahllose weitere Details zu entdecken und zu bestaunen

Der Perfektionist geht in der Folge akribisch vor, installiert Teil um Teil, nur edle Komponenten kommen zum Einsatz. So wird die Liste an Benötigtem lang, die der beteiligten Handwerker auch. Daniel Hofer perfektioniert und tunt den Motor, der Motordeckel wird bei Stahlgut graviert. In zwei Takten arbeiten nun 85 Kubik daran, ganze sechzehn PS zu erzeugen. Der extrovertierte Sitz wird von Lederkünstlerin Katharina von der Eiche veredelt. Bei Alfons Czech von »Planet 10« in Bochum entsteht die notwendige Rahmenbank, dort wird auch lackiert. Und sowieso immer an Swens Seite ist Freund Florian als Unterstützer seiner Projekte.

Simson Schwalbe – Das Fahrzeug soll für sich sprechen

Elektrische Gimmicks für die Präsentation sind neben der Optik Swens Passion. Einmal auf einem Treffen oder einer Show angekommen, wird nicht viel geredet. Das Fahrzeug soll für sich sprechen, das Publikum durch Technik und Design beeindrucken. Die Motorhaube öffnet sich fernbedient und legt den Blick auf die aufwendig mit LEDs beleuchtete Technik und den gravierten Deckel sowie den 20er-Mikuni-Vergaser frei. In der Deckelinnenseite warten Zündkerze, Schraubendreher und Zweitaktöl im Flachmann auf ihren Einsatz.

Es mag für manchen befremdlich sein, soviel Zeit und Geld in ein Mofa zu stecken. Aber Ergebnis und Anerkennung beweisen: Es lohnt sich, entgegen aller Norm und Gewohnheit zu schrauben

Über dem Messing-Pop-up-Tankdeckel verraten neben dem Motogadget-Tacho weitere LEDs den Benzinstand. Die Technik wird von Bruder Mike Weber angefertigt. Versenkte Taster ermöglichen die Motorraumöffnung oder den Start des Motors. Das eingebaute Airride-System wird ebenfalls hier gesteuert, das Heck hebt sich auf Wunsch an. Der kleine Ostvogel plustert sich stolz auf wie ein gestandener Raubvogel aus dem Wilden Westen. Da passen die vielen zur Zierde verwendeten Patronenhülsen, die Freund Christian besorgt hat, an Sattel, Naben und den Trittbrettern aus Palisanderholz gut ins Bild.

Best of Show auf dem Harley-Event – das sagt alles

Etwa 8.000 investierte Euro und 650 Arbeitsstunden später geht sie also weiter, die Jagd nach Pokalen. In Suhl hat es bereits geklappt. Beim Jokerfest von Harleyhändler Thunderbike gab es gar den »Best of Show«, danach folgten Preise bei unseren CUSTOMBIKE Summer Days, dem Harley Meeting Ruhrpott und der Choppertown Sideshow Kaldenkirchen. Die Schwalbe fliegt hoch!