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Die Motor Company aus Milwaukee feiert in diesem Jahr ihr 120-jähriges Jubiläum und präsentiert neue Harleys für 2023. Da hätten wir eigentlich ein paar Sensationen erwartet. Aber die Sensation ist das Beharren in der Tradition, denn bis auf ein paar Jubiläumsmodelle, die Nightster Special und die 117er Breakout liefert Harley-Davidson keine echten Neuigkeiten.

Diese Strategie mag legitim erscheinen in einer Company, deren Image wesentlich auf dem Mythos des luftgekühlten Big Twins beruht. Die Baureihe „Milwaukee-Eight“ ist seit dem Jahr 2017 deren würdiger Vertreter, charakteristisch polternd, mit ordentlich Druck von unten und noch immer ein Langhuber, dessen Hubraum mit jeder Generation durch noch mehr Hubraum ersetzt wird. Welche Baureihe darf da das Prädikat „Anniversary“ tragen, wenn nicht diese?

Die Anniversary-Modelle mit mehr Lack

Es sind gleich sieben Modelle, die der Anniversary-Titel schmückt: „Fat Boy“, „Heritage Classic“, „Street Glide Special“, „Ultra Limited“, „Road Glide Special“, alle mit der Zusatzbezeichnung „Anniversary 114“, was für den Hubraum von 114 Kubikinch steht, also umgerechnet 1868 Kubikzentimeter. Dazu kommen noch das Trike „Tri Glide Ultra Classic“ ebenfalls mit 114 Kubikinch und „Road Glide Limited“ aus der priviligierten CVO-Serie, und deshalb sogar mit 117 Kubikinch, also 1923 Kubikzentimetern Hubraum.

59.995 Euro zuzüglich Nebenkosten ruft die Company für die CVO Road Glide Limited Anniversary auf. Dafür könnte man seiner Lady auch 11999 Döner spendieren

Alle diese Modell sind limitiert und mit einer am Fahrzeug angebrachten Plakette durchnummeriert. Das Spektakulärste an ihnen ist aber gerademal der Lack, für den Harley dann so blumige Namen wie „Heirloom Red“ erfindet. Die Lackierung ist sicher sehr aufwendig, aber Farbe allein bringt uns nicht auf den Highway. Und der von den hauseigenen Designern gerühmte Art Deco-Stil des Logos auf dem Tank ist auch nicht gerade neu.

Neue Harleys 2023 – Die Breakout mit mehr Hubraum

Hatten wir es nicht gerade vom Hubraum? Die „Breakout“ ist das einzige Modell, das ein paar der Rede werte Neuerungen für sich verbucht. Ihr Tankvolumen wurde von 13,2 auf 19 Liter erhöht. Das sei ein dringender Wunsch der Kunden gewesen, erklärten uns die Chefs der Company exklusiv. Sexy auch ihre Felgen, die an die stilprägenden Turbine-Wheels erinnern. „Tubine Wheel – the wheel that everybody loves“, schwärmte Harley-Designer Brad Richards uns gegenüber ganz ohne Bescheidenheit.

Neu ist die Breakout 117: Harleys Muscle-Bike bekam einen größeren Motor, einen größeren Tank, eine neue Sitzbank und schicke neue Räder. Bei 103 PS und 168 Newtonmeter Drehmoment dürfte kein Auge trocken bleiben!

Das wichtigste an der neuen Breakout aber ist ihr neuer Hubraum von 117 Kubikinches. So heißt sie jetzt auch: „Breakout 117“. Dieser Motor hat mächtig Tinte auf dem Füller und harmoniert mit einem Motorrad, das lang, am besten schwarz, und dann auch noch böse ist. Hier werden die Träume aller Spätpubertierenden wahr. Auf den Boden der Realität fallen alle Pubertierenden dann zurück, wenn sie den Preis der neuen Breakout vernehmen. Er ist von 24.875 Euro auf 28.195 Euro gestiegen. Knapp 4.000 Euro mehr also für ein Schnapsglas heißer Luft.

Die Nightster mit weniger Preissteigerung

Die gewaltige Preissteigerung betrifft fast alle neuen Harley Modelle. Nur die „Nightster 975“ mit einer kleinvolumigeren Variante des wassergekühlten Revolution-Max-Motors ist nicht so schwer betroffen. Dort bescheidet man sich mit einer Preissteigerung von 14.995 auf 16.065 Euro. Das sind also gute 1.000 Euro mehr für die Nightster, die als „Einsteiger-Modell“ gehandelt wird.

Auch die Nightster Special ist neu. Die technischen Grundlagen sind zwar identisch mit denen der normalen Nightster, allerdings bietet die Nightster Special schon ein paar Leckerlis mehr. So trägt sie zum Beispiel jene Lampenmaske, die im Vorjahr noch die ­normale Nightster zierte. Außerdem kommt sie mit
Soziusplatz, TFT-Display und schicken Gussrädern

Wer noch mehr Asche rausblasen will, der nimmt die „Nightster Special 975“, neben der Breakout die einzige Neuigkeit in der Harley-Palette. Die Nightster Special hat eine neue Lampenmaske, einen zurückverlegten Lenker, ein TFT-Display, und vor allem hat sie ein serienmäßiges Sozius-Brötchen. Das ist wichtig für die immer etwas jüngeren Einsteiger. Dort sind die Pärchen noch verliebt, und die Lady will auch mal mitfahren. Ein paar Jahre später hat die Lady mehrere Marken-Sneaker auf dem dicht unter den Fußrasten liegenden Auspuffkrümmer verschmort, und der weise gewordene Fahrer ist wieder mit einem Solo-Sattel zufrieden.

Alle Infos zu Harleys neuem Modelljahrgang gibt’s in der neuen DREAM-MACHINES 02-23. Und nachfolgend die komplette Modellpalette inklusive Preisen, zu denen noch Transport- und Aufbaupauschale sowie ein Sonderzuschlag für gestiegene Rohstoff- und Logistikkosten addiert werden müssen

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Michael Ahlsdorf