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Die Motorräder der MZ-ETZ-Baureihe gehörten zu den am meisten verbreiteten Modellen des sächsischen Herstellers. Martin Tzscheuschner hat sich einer ETZ 250 angenommen und wollte herausfinden, was man mit den heutigen Möglichkeiten aus dem Kult-Moped zaubern kann.

Was nach einem Wunschprojekt klingt, begann, vorsichtig gesagt, wohl eher etwas holprig, wenn man Martins Worten lauscht: »Angefangen hat es wirklich mit einer im Keller gefundenen ETZ 250, die ich gar nicht haben wollte.« Doch wer Motorräder liebt, und das auch noch mit Leidenschaft, kann nicht immer Nein sagen. Und so wechselt die MZ nach zähen Verhandlungen und auf Drängen des Verkäufers den Besitzer. Martin nimmt sie mit, doch das Bike fristet weiterhin ein unbeachtetes Dasein. Aber irgendwann kommt Bewegung in die Sache.

Ein holpriger Anfang

»Nachdem das Ding zwei Jahre in der Ecke stand, wollte ich mal gucken, was man mit West-Möglichkeiten aus einem Ostmoped machen kann«, blickt Martin auf den Beginn einer langen Reise zurück. Als Erstes tauscht er die Räder, lässt sie auf eine Radgröße von siebzehn Zoll umspeichen. »Das sah natürlich unmöglich aus. Die MZ ist vorn viel zu hoch und hat einen viel zu kurzen Radstand.«

»Für mich war es wirklich mal eine Herausforderung, eine MZ mit heutigen Mitteln und Möglichkeiten aufzubauen und zu schauen, ob dabei etwas Cooles herauskommt. Das war seit 1986 übrigens meine fünfte umgebaute MZ«, so Martin

Also muss das Moped tiefergelegt und der Radstand verlängert werden. Das Problem ist dabei die obere Gabelbrücke, denn die Gabel lässt sich nicht so einfach durchstecken. »Die obere Brücke hat keine Klemmung, also haben wir eine untere besorgt und diese umgearbeitet. Jetzt konnte man vorn schon mal in der Höhe variieren«, erklärt Martin den Umbau am Frontend. Auch an der Schwinge wird Hand angelegt.

Mit Hilfe von Verstärkungshülsen wird sie verlängert und neu verschweißt. Allerdings taugten nun die Serienstoßdämpfer nicht mehr. »Die waren jetzt viel zu kurz und man findet im Netz einfach nichts Entsprechendes. Also haben wir welche von YSS besorgt und von einem Kumpel die unteren Aufnahmen neu fräsen lassen.«

Eine endlose Kette mit Änderungen am Moped

Damit steht aber gleich das nächste Problem vor der Tür, denn jede Änderung zieht schnell weitere Änderungen nach sich. »Nachdem das Fahrwerk einigermaßen stand, passte natürlich die Kette nicht mehr. Die war jetzt ebenfalls zu kurz.« Schnell wird eine neue, längere besorgt, die allerdings nun überall schleift. Es sind die typischen kleinen, zeitfressenden Probleme, die ein Umbau so mit sich bringt. Es wird überlegt, erneut getüftelt, ein Halter für eine Umlenkrolle gefräst – bis sich nach mehreren Versuchen alles fügte.

Auch der Auspuff für den Zweitaktmotor verlangt nach Kreativität

»Das Teil ist jetzt der inzwischen dritte Versuch. Nach einem gekauften Sportauspuff und einem selbstgebauten, der mir nicht gefallen hat, haben wir schließlich doch noch eine Lösung gefunden. Aus Fragmenten einer Krümmerbirne, einem Schalldämpfer einer 300er KTM, einigen von einem Kumpel gelaserten Edelstahlblechen sowie selbstgerollten und geschweißten Konen haben wir den jetzigen Auspuff gebaut.«

Sportlich und optisch passend zu diesem Cafe Racer verläuft die Abgasanlage nun unter der Sitzbank entlang zum Heck, das analog zum Tank aus Blech entstand und in das auch noch gleich das Rücklicht eingelassen wird.

Der Yamaha-Tank stammt aus dem hauseigenen Fundus. »Er ist von einer XS 500 und harmoniert mit seinen Ecken und Kanten super mit dem Design der ETZ.« Aber auch hier sind Änderungen notwendig. Wieder kommt das Schweißgerät zum Einsatz, werden Tankdeckel und Benzinhahn auf DDR-Standard geändert.

Auf den Scheinwerfer von Shin Yo setzte Martin einen kleinen Windschild Marke Eigenbau. Natürlich wurde auch dieser aus Blech gearbeitet

Auch das Chassis erfordert noch Arbeitseinsatz. »Um das Rahmendreieck freizubekommen, haben wir einen K&N-Luftfilter verbaut und die Elektrik samt Batterie in einem Kasten unter der Sitzbank verschwinden lassen. Diese ist übrigens eine Gemeinschaftsproduktion bei der Spezialist Polster-Ben Aufpolsterung und Bezug übernimmt – kostenlos, denn unter Freunden hilft man sich. Frontfender und Windschild entstehen in Handarbeit, natürlich aus Blech, denn Plastik wird man vergeblich an der MZ suchen.

Der Motor wird komplett überholt und auf 300 Kubikzentimeter aufgebohrt

Dann endlich geht es an das Herzstück. Der Motor wird komplett revidiert und auf 300 Kubikzentimeter aufgebohrt. Laut Martin sind zwar noch etwas Abstimmungsarbeiten erforderlich, doch im Großen und Ganzen scheint er wohl gut zu laufen. Auf alle Fälle hat er jetzt mehr Leistung und somit leichtes Spiel bei einem Motorrad, das fahrfertig weniger als 130 Kilogramm wiegt. Die Lackierung ist eine Hommage an Martins frühere MZ TS 250. »Sie soll ein bisschen alte Erinnerungen wecken, deshalb auch der Shabby-Style, der das Moped ein wenig gebraucht wirken lässt.«

So kann auch eine MZ einem erfahrenen Customizer durchaus alles abverlangen

Was sich nun wie ein geschmeidig und problemlos abgelaufener Umbau liest, ist in Wirklichkeit ein Projekt, das sich über mehr als vier Jahre zog. Martin schätzt, dass effektiv vierhundert Arbeitsstunden drinstecken. Gerade Umbauabschnitte wie die zurückverlegte Fußrastenanlage mit den Umlenkungen und dem Gestänge samt diverser Kleinteile sind gewaltige Zeitfresser. Martin gibt ehrlich zu: »Zwischendurch hatte ich des Öfteren keinen Bock mehr auf die ETZE. Zu viele Probleme, unvorhersehbare Kleinigkeiten, dazu noch genug andere Projekte.« Und die MZ ist noch nicht fertig.

Für Martin ist es der fünfte MZ-Umbau

»Ob sie eine Straßenzulassung bekommt, weiß ich noch nicht, wäre aber durchaus möglich, da alle Änderungen in Abstimmung mit der DEKRA durchgeführt worden sind. In den nächsten Jahren wird sie noch ein Versuchsträger bleiben. Momentan ist noch eine Duplexbremse fürs Vorderrad in Arbeit und der Motor soll leistungstechnisch noch weiter ausgereizt werden.«

Für Martin ist es die inzwischen fünfte MZ, die er seit 1986 umgebaut hat. »Zusammen mit den 300 Kubik deshalb auch die Zahl 305 im Logo«, so Martin zum Abschluss. Forciert hat er den Umbau und die Fertigstellung tatsächlich erst im letzten halben Jahr, da der Barkas-Zweiradtransporter, der auf den Fotos zu sehen ist, vor der Vollendung stand. »Ja, ich brauche die MZ als Dekoration für dessen Ladefläche. Und in dieses Projekt haben wir auch einiges an Zeit und Kosten versenkt, wenn ich da nur an den Audi-Motor, die Scheibenbremse und, und, und … denke. Doch das ist eine andere Geschichte.«

Info | kraftradnoeda.com