Seine Liebe zu Motorrädern war schon immer da, die zum Umbauen traf Didi erst spät, aber dafür umso gewaltiger.

Motorräder sind meine Freizeitwelt, seit ich vierzehn bin, da kommt nichts dazwischen«, erzählt uns Didi, gestandener Typ aus der Schweiz und mit einigen Bikes in seiner Garage ausgestattet. Nur das Umbauen stand lange nicht in seinem Fokus, wenn es auch ein tiefer Wunsch in seinem Herzen war. Den Traum erfüllt er sich schließlich zu seinem 50. Geburtstag, aus einer Zweiventil-BMW baut er sich sein erstes Custombike, einen Bobber. Und noch während das Projekt läuft, schmiedet er schon neue Pläne. Das zweite Bike soll eine komplett andere Basis und einen komplett anderen Stil bekommen. Angefixt nennen wir das nicht nur in unserer Szene, wenn der Virus dich gepackt hat.

Die klaren Linien des Tonti-Rahmens wollte Didi nicht antasten – warum sollte man auch?

Ein wuchtiger Guzzi-Zweizylinder

Die BMW ist kaum fertig, da gehen die Überlegungen schon los. Eine Harley Night Rod besitzt Didi ebenso wie eine Triumph Scrambler, »und tatsächlich war mein erster Gedanke, dass mir bei den V2s eigentlich nur noch ein quer gebauter fehlt«, erklärt Didi eine Wahl, die unter diesem Aspekt eine logische ist. »Ein wuchtiger Guzzi-Zweizylinder umgebaut zu einem cleanen Cafe Racer. Aber ohne Stummel und mit Bodenfreiheit, eine Fahrmaschine eben.«


Der quer eingebaute V2 der Guzzi beeindruckt immer wieder. Da kann die Kuh nur neidisch blicken, wegen der herrlich stehenden … Zylinder

Schnörkelloser Racer

Tatsächlich findet Didi sein Basismotorrad schnell und nur ein paar Dörfer weiter. Eine Guzzi 1000 Le Mans wird es, mit ihrem Drehmoment locker auch für die Schweizer Alpen tauglich. Die klare Linie des Tonti-Rahmens ist ein weiterer Pluspunkt … clean, schnörkellos, eine prima Basis für den Racer. Das weiß auch Didi, der die Linie des Rahmens nicht verändern will, lediglich ein bisschen Ballast muss runter, um das Fahrwerk standesgemäß freizulegen. Das Heck wird sanft gekürzt. Und weil Didi nicht alles allein machen kann und will, holt er sich Hilfe. Seine Freunde Martin Burri, Pascal Gander und Isabel Urbancek von »Country Road«, eigentlich spezialisiert auf amerikanische und britische Bikes, stehen während des gesamten Italo-Projektes zur Seite. Kann also losgehen.

Eine elegante Fahrmaschine mit Stil und Klasse

Mini-Elektronikboxen für die cleane Linie

Um die oben angesprochene Rahmenlinie beizubehalten, spielt die Suche nach Tank und Sitzbank eine entscheidende Rolle. Das Spritgefäß ist letztlich mit dem Benelli Mojave ein klassisches Teil, die Sitzbank einer SR 500 ein altbekanntes, beides passt fast perfekt. Am Tank müssen lediglich die Haltepunkte und der Benzinhahn umgeschweißt werden. Dass das Rahmendreieck frei bleiben musste, ist ebenfalls von vornherein beschlossene Sache. Während die Zündspulen unter den Tank wandern, geht es für die Batterie ab unters Getriebe. In die Karten von Sauberbauern spielen außerdem Mini-Elektronikboxen wie die hier genutzte von Motogadget. Sie kommt unter die Sitzbank, geschützt durch ein Alublech.


Winzige Blinker und eine Elektronikbox, die unter dem Sitz verschwindet

Nur der Kupplungshebel bleibt original

Weil Didi gern viele Stunden auf dem Bike verbringt, sorgt ein flacher Superbike-Lenker statt gern genommener Stummel für Entlastung in den Gelenken und reines Fahrvergnügen. Die Armaturen ersetzt er durch Teile von Tomaselli (Gasgriff), Motofreakz (Taster) und den Brembo-Handbremszylinder. Nur der Kupplungshebel bleibt original.

Der flache Superbiklenker verspricht entspanntes Fahrvergnügen

Fahrmaschine im Original-Rot

Zum letzten entscheidenden Punkt wird die Lackierung. »Als Hommage an das originale Rot der Le Mans habe ich die Felgen und den Rahmenunterzug original rot belassen, der Rest sollte außerdem sehr schlicht werden«, erklärt uns Didi seine Farbüberlegungen. Am Ende gewinnt ein Metall-Look mit einigen wenigen roten Farbtupfern. Der Tank behält seine Vintage-Optik samt Schweißnähten und wird nur überlackiert, die Fender bleiben dem Alu-Look treu, der Rahmen wird schwarz. Passt alles ziemlich gut und vor allem zu Didi, der seit Fertigstellung die Zweiradausflüge in die Berge genießt – mit einer herrlichen Fahrmaschine, wie er selbst sagt.