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Marts Geschichte beginnt vor rund zwanzig Jahren mit einem Plakat hinter der Club-Bar. Fasziniert von den Rennmaschinen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts beschließt er, irgendwann selbst einen Boardtracker zu besitzen. Doch erst als ihm ein guter Freund eine 1956er Matchless in Teilen anbietet, wird aus dem Traum langsam Wirklichkeit.

Mart fährt seit fast vierzig Jahren Motorrad, war aber in der Anfangszeit noch kein Mitglied des Spiders MC. Trotzdem kam er öfter ins Clubhaus und sah immer das Plakat eines Boardtrack-Racers, das hinter der Bar hing. »Jedes Mal, wenn ich dort ankam, konnte ich stundenlang auf dieses Plakat mit dem Boardtracker starren, und jetzt, nach all den Jahren, besitze ich es selbst, denn als unser Clubhaus umgezogen ist, habe ich es einfach mit nach Hause genommen.«

Matchless – Boardtracker für Rennstrecke und Straße

Motorrad fährt er so oft und so viel wie möglich, liebt es aber auch, an seinen Bikes zu arbeiten. In seinem Besitz befinden sich unter anderem eine Harley-Davidson FXR im Clubstyle, ein ziemlich gut aussehender Beiwagen und eben jene Matchless, die er vor rund sieben Jahren erstand. »Es war an der Zeit, das Teil wieder zum Leben zu erwecken«, so Mart. Allerdings sollte es nicht nur für die Rennstrecke taugen, sondern auch auf der Straße nutzbar sein – eine Maßgabe, die er bei seinem Umbau stets im Hinterkopf behalten sollte. 

Mart auf seiner Matchless, die er stilecht zum Board-Tracker umgebaut hat

Nachdem der Stapel mit Kisten und Teilen aussortiert ist, bekommen Rahmen und Motor die meiste Aufmerksamkeit, denn schließlich bilden sie die Grundlage für den Boardtracker. Inspiration holt er sich bei den vielen Boardtrack-Rennen in den USA, die er immer wieder besucht und die dort überaus populär sind. Das bekannteste Gesicht im Boardtrack-Racing dürfte wohl Billy Lane sein, der mit seinen »Sons of Speed«-Rennen eine eigene Serie etabliert hat.

Matchlessmit vollwertigem Rennmotor

»Wir haben uns dort umgesehen und uns mit Organisatoren und Rennfahren nicht nur unterhalten, sondern auch angefreundet.« Und so nimmt Marts Plan, einen Boardtracker auf die Räder zu stellen, der auf einem alten Motor basiert, mehr und mehr Gestalt an. „Heutzutage bauen viele Leute eine alte oder neue Kopie für die Straße. Mir war aber klar, dass ich beides wollte. Vor allem aber einen vollwertigen Rennmotor.« 

Die Terrot-Gabel wurde an den Lenkkopf der Matchless angepasst. Der Lenker stammt von einer 1932er BSA

Dafür muss die alte Matchless einige Änderungen über sich ergehen lassen. Der Heckrahmen wird auf Hardtail umgestellt, um den entsprechenden Look und die Linie der alten Rennmaschinen zu erhalten. Obwohl Mart fast alles selbst macht, greift er dennoch auf die kundigen Hände von Aad Heemskerk zurück, der den anschraubbaren Heckrahmen konstruiert. Aber auch der Rahmen selbst wird modifiziert. Fürs Frontend greift er auf eine Terrot-Girdergabel von 1927 zurück, die nach einer Lenkkopfänderung hervorragend ins Konzept und ans Bike passt.

Als Heckfender verwendet Mart ein altes Motobecane-Schutzblech

Zusätzlich installiert er eine längere Feder und tauscht Lager und Buchsen aus. »Den BSA-Lenker zu cleanen war zwar viel Arbeit, aber dafür sieht er in Verbindung mit der Gabel nun so aus, als wäre alles werksseitig montiert. Als Heckfender verwendet Mart ein altes Motobecane-Schutzblech, das er anpasst und mit BSA-Schutzblechstreben aus den 1930er Jahren montiert. Darauf findet sich ein Mesinger-Sattel wieder, der dank zweier Federn so etwas wie Komfort simuliert. 

Viele der Messingteile hat Mart selbst hergestellt

Der Matchless-Motor wird einer gründlichen Überprüfung unterzogen und, ebenso wie das Burman-Getriebe, überholt. Besondere Fürsorge erhält der Amal-Vergaser, der mit Messing- und Kupferschalen versehen wird. Auch der Auspuffkrümmer ist Marke Eigenbau, an den ein Schalldämpfer im Brooklands-Stil montiert wird. Die Primärabdeckung erhält ein paar »rennmäßige« Löcher und ein selbst gefertigtes Matchless-Logo. Nachdem Motor und Getriebe endlich an ihrem Platz sind, macht sich Mart an den Tank, der der Matchless das für Boardtracker typische Aussehen geben soll. Er zeichnet und schneidet Formen und fertigt Teile aus dünnem Stahlblech: »Das Dünnblechschweißen ist so eine Sache für sich. Da sollte man nicht nur wissen, was man tut, sondern auch die richtige Ausrüstung dafür haben«, berichtet Mart von der Herstellung des Tanks.

Der Tank dient gleichzeitig als Sprit- und Öllbehältnis

Er baut Spundwände ein, lötet Benzin- und Ölleitungen und integriert die Aussparungen für den Zylinderkopf. Doch der Tank, der gleichzeitig als Sprit- und Öllbehältnis dient, stellt sich als eine besondere Herausforderung heraus. »Nachdem ich zweimal mit einem deformierten Tank in den Händen dastand und auch noch die Anschlüsse durcheinandergebracht hatte, musste alles überarbeitet werden. Zum Glück hat mir Aad erneut helfen können.« Die Modifikationen für die Straße betreffen hauptsächlich die Beleuchtung und den seitlichen Kennzeichenträger – vor allem aber die Räder.

Typisch Englisch: Gebremst wird links, geschaltet rechts. Die Fußrasten sind unschwer als Fahrradpedale zu erkennen

Die dünnen 28-Zoll-Rennreifen verlangen selbst versierten Fahrern einiges ab, noch dazu hat das Bike im Renntrimm keine Vorderradbremse. So bleibt Mart nichts anderes übrig, als für den Straßeneinsatz 21-Zoll-Räder mit Avon-Bereifung einzubauen, samt vorderer Trommelbremse. Der Goldschmied, der seinen Lebensunterhalt mit schönem Einzelschmuck verdient, fertigt selbstredend alle speziellen Teile aus Messing, Kupfer und Rotkupfer, die sich am Bike wiederfinden, selbst an. »Sie geben der Matchless ein besonderes, persönliches Aussehen, auch wenn sie nicht immer sichtbar sind.« Obwohl Mart so viel wie möglich alleine macht, bei Bedarf helfen die Clubmitglieder, wo und wann immer es nötig ist. So sorgt Clubkollege Ton für die Lackierung in Elfenbeinweiß, während Sven »El Cheapo« das Motorrad mit feinen Pinstripes akzentuiert. 

Matchless – Fette, hämmernde Einzylinder-Schläge

Die Matchless ist nun bereit für die ersten Rennen und sobald Mart teilnehmen kann, wird er den Gasgriff so weit öffnen, wie es nur geht. »Ich wurde schon gefragt, ob ich mit dem Bike in den USA fahren möchte, doch leider sind die Transportkosten für eine Rennteilnahme viel zu hoch«, seufzt Mart mit verträumtem Blick. Doch wer weiß, was eines Tages passieren wird. Bis dahin wird er die fetten, hämmernden Schläge des Einzylinders genießen und sich daran erfreuen, dass seine Matchless nicht nur super aussieht, sondern vor allem auch super läuft. 

 

 

Onno Wieringa