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Seit 1977 befindet sich diese Kawasaki Z900 im Besitz von Jeroen und musste seitdem zahlreiche, zum Teil extreme Modifikationen über sich ergehen lassen. Sogar zum langen, radikalen Chopper wurde sie schon umgebaut. Doch seit ihrer Wiedergeburt strahlt sie als Cafe Fighter in neuem Glanz.

Fünfziger, Sechziger, Siebziger – die Customszene holt sich nach wie vor viel Inspiration aus dieser sogenannten »Goldenen Zeit«. Die Achtziger und Neunziger dagegen werden galant übersprungen, obwohl viele sie miterlebt und nach wie vor eine emotionale Bindung zu ihnen haben.

Jeroen ist einer von ihnen, einer, der noch etwas mit gefrästen Aluminiumteilen, knalligen Lackierungen und Performance-Parts anfangen kann. Seine wiederaufgebaute Z900 erinnert auf ihre ganz eigene Weise an diese Ära. Sie ist eine Mischung aus Cafe Racer und Streetfighter. Letztere freuten sich inbesondere in England großer Beliebtheit.

»Alles in allem war es tatsächlich ein extremer Umbau, wenn man bedenkt, in welchen Zustand das Motorrad vorher war. Doch es hat sich gelohnt« so ein stolzer Jeroen

Aktuell hat seine Kawasaki nun den vierten Umbau hinter sich, seit Jeroen sie gekauft hat – das ist inzwischen mehr als vier Jahrzehnte her. »Die Z900 habe ich 1977 für 4.000 Gulden erstanden. Ich war gerade mal neunzehn Jahre alt und die Kawa war das schnellste Bike, das man für sein Geld bekommen konnte. Aber verdammt noch mal, die Z900-Modelle hatten richtig schlechte Bremsen«, blickt Jeroen grinsend zurück und erzählt von den Anfängen und was das Motorrad alles über sich ergehen lassen musste.

»Eigentlich wollte ich immer Chopper fahren«

»Ehrlich gesagt wollte ich immer einen Chopper im Easy-Rider-Stil fahren, doch es gab Ende der siebziger Jahre in den Niederlanden einfach keine Shops, die solche Customparts verkauften. In einem der wenigen Läden erstand ich eine King-and-Queen-Sitzbank, eine Sissybar und Hülsen, um die Gabel zu verlängern.

Frans de Weerdt, ein bekannter Lackierer, hat mir den Chopper, den ich aus der Kawasaki gemacht hatte, lackiert. Es war halt das, was man aus einem Japan-Bike machen konnte. Für uns war es eine großartige Zeit und ich fühlte mich wie der König der Straße.«

Jeroens Kawasaki Z900 im Wandel der Zeit

Rund zwanzig Jahre später unterzieht er seine »Zett« einem ersten radikalen Umbau und verpflanzt den Motor in einen Geradeweg-Federung-Rahmen von Zodiac. »Die Jungs dort haben dir die Rahmen nach deinen Wünschen hergestellt, sodass Motor und Räder quasi wie Plug-and-Play verwendet werden konnten. Aber das funktionierte in Wirklichkeit nicht annähernd so.«

Der TÜV schickte mich erstmal wieder heim

In der schnell wachsenden Szene kommt er in Kontakt mit Aluminium-Spezialist Sjouke Jorna, der mit seiner gerade erst gegründeten Firma Teile für Custombikes herstellt. »Vor allem seine Gabeln und Bremszangen haben mich schwer beeindruckt. Also habe ich verbaut, was ich bekommen konnte. Doch der TÜV hatte Einwände und schickte mich erst mal wieder weg. Das Problem war die Airbox und natürlich der Auspuff. Nachdem das geändert war, konnte ich das Bike zulassen.«

Der in die Jahre gekommmene Reihenvierzylinder drückt nach den Abstimmungsarbeiten ordentliche 112 PS auf dem Leistungsprüfstand

2005 beginnt es Jeroen wieder in den Fingern zu jucken. Er ist unzufrieden mit dem Rahmen und hat das Gefühl, dass sich das Teil bei den unzähligen Touren durch England und Schottland verzogen hat – das Hinterrad steht schief. »Heute ist es undenkbar, dass man dir so einen Rahmen andreht wie mir damals«, lacht Jeroen.

Der neue Aufbau bekommt eine lange, gereckte SJP-Gabel, Supertrapp-Schalldämpfer und etliche Aluminiumteile, die so typisch und stilbildend für die 2000er Jahre waren. Den Zodiac-Rahmen überarbeitet Spezialist Nico Bakker, der auch eine seiner Rennschwingen verbaut. Zudem bekommt Jeroens Chopper eine neue Lackierung in Lila. »Das Bike sah toll aus, doch letztlich wanderte es als Ausstellungsstück in mein Fitness-Studio, wo es etliche Jahre herumstand. Irgendwann sagte mir jemand, dass das eine Schande für dieses schöne Motorrad sei, und er hatte recht.«

Das Bike sollte wieder umbebaut werden – handlicher werden!

Da Jeroen in unregelmäßigen Abständen sein Motorrad umbaut, ist es genau der richtige Zeitpunkt, um mal wieder Hand anzulegen. »Allerdings wollte ich diesmal etwas anderes wagen. Das Bike sollte handlich sein und über eine gute Lenkgeometrie verfügen. Angesichts dieser Vorgaben musste ich die Z900 weitgehendst in ihren ursprünglichen Zustand versetzen. Beinahe so, wie sie 1973 vom Band lief. Zusätzliche Inspiration lieferte mir MRS Oficana aus Frankreich, die eine aktuelle Z900 RS umgebaut hatten.«

Die Mikuni-Vergaser stammen von einer Kawasaki Z1000 Four und werden durch mit Sieben abgedeckte Trichter mit Luft versorgt

Sein Kumpel Ingmar stellt den Kontakt zu Thomas und Sigrid von TP Custom her. »Es war eine gewaltige Herausforderung für uns alle, schließlich sollte aus einem Langgabler wieder ein kompakter und moderner Cafe Racer werden. Es war weiß Gott kein leichtes Vorhaben, doch TP Custom ist zum Glück eine Firma, die gerne außerhalb der Normen denkt. Es wurde viel geschnitten und geschweißt, der Lenkkopfwinkel steiler gestellt und die gesamte Rahmengeometrie auf sportlich getrimmt.«

Wunderschöne Schwinge von Nico Bakker

Die lange SJP-Gabel gibt Jeroen zurück an Sjouka Jorna, der das Museumsteil von 1996 anpasst und vor allem kürzt. Ein neuer Heckrahmen wird konstruiert und als Konzession an die gute alte Zeit sollen viele der Aluminiumparts von damals wie Bremszangen, Spiegel oder Armaturen übernommen und wiederverwendet werden.

Auch die schöne Schwinge von Nico Bakker findet ihren Platz am Bike. »Die Fahrbarkeit war mir sehr, sehr wichtig«, betont Jeroen, »obwohl ein 16-Zoll-Vorderrad in Verbindung mit einem 15-Zoll-Hinterrad nicht nach der idealen Kombination klingt – doch es funktioniert bestens und das Bike fährt sich traumhaft.«

Die bildschöne Schwinge kommt aus dem Hause Nico Bakker

Gerrit van Dijk, ein Spezialist für klassische Kawasakis nimmt sich des Motors an und erhöht den Hubraum auf 1125 Kubikzentimeter. Nach Abstimmungsarbeiten auf dem Prüfstand drückt der ehrwürdige und betagte Reihenvierzylinder 112 PS.

»Es macht mir schon etwas Angst bei so einem alten Motor das Gas voll aufzureißen, doch das Teil hält.« Auch der originale Tank der Z900 kommt wieder zum Einsatz, was in Kombination mit den schlichten Farben Weiß und Schwarz die farblichen Extravaganzen am Vorgänger vergessen lässt. Zu guter Letzt werden sogar die serienmäßigen Kawasaki-Logos restauriert, nachdem der Zahn der Zeit seine Spuren an ihnen hinterlassen hatte.

Trotz unterschiedlichen Zollgrößen der Räder fährt sich die Kawasaki traumhaft

»Alles in allem war es tatsächlich ein extremer Umbau, wenn man bedenkt, in welchem Zustand das Motorrad vorher war. Für TP Custom war es sogar eines der ersten Customprojekte überhaupt. Doch es hat sich alles gelohnt. Schaut nur, was für ein wunderschönes Motorrad die Zett jetzt wieder ist.«