Vom Kundenprojekt zum eigenen Custombike. Die Wege des Customizing-Gotts sind manchmal unergründlich, denn eigentlich war die Indian Scout für einen Kunden geplant, bis Jochen Lehmann sie übernahm, nach seinen Vorstellungen gestaltete und fertig baute

Die CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen inspiriert nicht selten die Besucher und gibt ihnen neue Ideen für ihre eigenen Projekte. So ging es auch dem Kunden von »Blechfee« Jochen Lehmann, der auf der Messe erstmals die Girdergabel am Stand von Custom Corner entdeckte.

War seine Indian Scout bis dato noch als, wie Jochen sagt, »abgedrehtes Cafe-Racer-Projekt« samt Upside-down-Gabel geplant, bei dem der Karosseriebaumeister in Sachen Blech völlig freie Hand hatte, so ändern sich die Pläne schlagartig. Denn die Überlegung, eine Girdergabel in die Scout zu verpflanzen, gibt dem Projekt eine völlig neue Richtung.


Um die Heckansicht nicht zu versauen, wanderte das Kennzeichen samt gefrästem Aluminiumträger an die Seite

Die Gabel wird  zum Bolt-on-Teil

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich das Motorrad sozusagen noch im Rohbau, doch gemeinsam mit Custom-Corner-Inhaber Sven Denker, der die Newschool-Gabel produzieren lässt, kommt der Gedanke auf, dieses elementare Fahrwerksteil doch als Bolt-on-Kit für die Scout herzustellen.

In Absprache mit dem Kunden natürlich, der das Bike dafür zur Verfügung stellen würde. Und so schreitet das Projekt voran, bis die Sitzprobe ansteht. Denn erneut nimmt das Projekt eine andere Richtung. Jochens Kunde möchte die Indian nach Fertigstellung am liebsten gleich verkaufen. »Daher habe ich zum vereinbarten Termin gleich mal etwas Geld mitgenommen und die Scout gekauft«, klärt Jochen auf.


Das Einlenkverhalten mit dieser Gabel fühlt sich am Anfang etwas merkwürdig an, doch nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt

Die Anpassung der Girdergabel ist nicht ohne …

Ab jetzt hat der Metallspezialist völlig freie Hand und widmet sich ganz der Anpassung der Girdergabel auf die besonderen Anforderungen der Scout. Oberstes Ziel dabei ist es, das Frontend bolt-on-tauglich zu machen, was nicht ganz so einfach ist. »Die Besonderheit bei der Indian Scout ist der Lenkkopf, der über zwei Lager mit unterschiedlichen Durchmessern verfügt. Das obere Lenkkopflager hat dabei einen Durchmesser von fünfundzwanzig Millimetern, das untere dreißig Millimeter.

Normalerweise wäre das kein Problem, doch die neue Gabel muss konstruktionsbedingt von oben durchgeschoben werden. Man muss kein Techniker sein, um zu verstehen, dass das aufgrund der unterschiedlichen Durchmesser nicht möglich ist. Jochen löst das Problem mit Hilfe eines Adapters für das untere Lenkkopflager, so kann die Gabel nun ohne Schwierigkeiten montiert werden.


Der Serienauspuff mit den langen Endtöpfen war keine Option. der Hurric sieht besser aus und klingt trotz seiner schlanken Bauweise ordentlich

Um die Linie des Bobbers anzupassen widmet Jochen viel Zeit dem Tank. Der ist zwar nach wie vor Serie, doch er wird modifiziert. Das neue Gefäß ist schlanker, aber vor allem auch flacher, was der Indian eine geduckte Haltung verleiht. Das Serieninstrument bleibt allerdings erhalten. »Durch der CAN-Bus-Technik sind Änderungen kaum möglich. Fast die gesamte Elektrik mit ihren Gebern läuft über das Instrument. Wenn du hier rumfummelst, funktioniert ziemlich schnell gar nichts mehr.«

Wenigstens lässt sich der Tankdeckel ohne Schwierigkeiten versetzen, Jochen platziert ihn vor dem Zentralinstrument. Am Heck kommt eine Höckersitzbank-Kombination aus eigener Herstellung zum Einsatz, die das Hinterrad nur knackig kurz abdeckt und freie Sicht auf den Pirelli-Night-Dragon-Reifen ermöglicht. Die Rad-Reifen-Größen bleiben übrigens unverändert, was dem Handling der Scout zugutekommt, wie Jochen versichert.

Der Tank leuchtet, als würde sich Hulk darin spiegeln

Zusammen mit Wunderkind-Custom stellt er weitere Parts für den Umbau zusammen, wie den seitlichen Kennzeichenträger oder die Fußrasten. Bei der Farbwahl legt sich Jochen auf ein spezielles Grün fest, mit dem er einige Parts beschichten lässt. »Es ist ein besonderer Farbton, der die Teile aussehen lässt, als wären sie eloxiert worden.« Die Lackierung von Tank und Heckteil übernimmt Chiko.

»Ich habe mit ihm die Farbwahl besprochen und anschließend freie Hand gelassen, schließlich kennen wir uns schon lange und ich weiß, welch hervorragende Arbeit er abliefert.« Und so leuchtet der Tank in einem peppigen Grün, als würde sich Hulk persönlich darin spiegeln, abgesetzt mit Schwarz und feinen Linierungen.


Schlanke Linie, beinahe vollständig freiligendes Hinterrad. Die Raddimensionen blieben unangetastet

Gewöhnungsbedürftiges Einlenkverhalten

Zuletzt legt Jochen das Fahrwerk um rund zehn Millimeter tiefer. Das Fahrverhalten insgesamt sei überraschend gut, versichert er: »Natürlich ist es etwas gewöhnungsbedürftig, ähnlich wie bei einer Springergabel. Vor allem das Einlenken ist am Anfang komisch, doch man gewöhnt sich ziemlich schnell daran.«

Auch klangtechnisch wird an die Indian Scout Hand angelegt. Jochen montiert an den Eigenbau-Krümmer einen Hurric-Endtopf mit zwei Endstücken. Die sehen nicht nur gefühlt um Klassen besser aus als die langen Serientöpfe, sie klingen auch ganz ordentlich, obwohl man das angesichts der dünnen Röhrchen kaum glauben mag.

Die Newschool-Girdergabel gibt es übrigens als geprüften Bolt-on-Kit für die Indian Scout, zusammen mit allen erforderlichen Einbauteilen. Wer sich den Einbau nicht selbst zutraut, kann sich auch direkt an Jochen wenden, denn der vertreibt die Gabel exklusiv für die Scout-Modelle.

Info | blechfee.de