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Während Olly in seiner Werkstatt hobbymäßig an Bikes schraubt, dröhnen fette Heavy-Metal-Sounds aus den Boxen. Eine geile Kombi – erst recht wenn man sieht, was Olly unter dem Einfluss der Musik aus einer schnöden Honda VT 600 Shadow gemacht hat.

Einige abgeschlossene Umbauprojekte hat der Belgier Olly schon vorzuweisen, auf eine bestimmte Marke hatte er sich dabei nie festgelegt. »Begonnen hat alles mit kleineren Änderungen an japanischen Bikes. Im Laufe der Zeit wurden die Projekte immer größer und verrückter«, erzählt uns Olly, dessen aktuelles Alltagsbike ein Bobber auf Basis einer Harley Fat Boy ist. Eine Harley umzubauen ist die eine Sache, einen Mittelklasse-Cruiser wie eine Honda Shadow so hinzubekommen, dass sie Blicke auf sich zieht, eine andere. »Dabei eignet sich gerade die VT 600 hervorragend als Grundlage für ein Custombike«, deutet Olly auf sein letztes Projekt, gebaut im von ihm bevorzugten Oldstyle.

»Der V2 der Honda VT 600 sieht richtig gut aus«

»Der Rahmen lässt sich relativ einfach in ein Hardtail verwandeln und der V2 sieht richtig gut aus. Auch die Elektrik ist leicht abzuspecken. Mir macht es Spaß an solchen Bikes zu schrauben«, erklärt der Black-Sabbath-Fan weiter die Wahl seiner Basis. Umso bemerkenswerter ist sein Umbau, weil Olly froh ist, überhaupt noch schrauben und fahren zu können. Vor Jahren hatte ihn eine unaufmerksame Autofahrerin vom Bock geholt. »Mein Fuß und mein Bein waren zertrümmert. Ein Jahr habe ich im Rollstuhl verbracht.« Es war eine gute Therapie während dieser Zeit, dass Olly aus dem Rollstuhl heraus an einer Yamaha Dragstar schraubte – eine gute Vorbereitung für das Shadow-Projekt.

Einfache Maßnahme: Der umgedrehte Lenker unterstreicht die flache Linie des Motorrades. Eine beliebte Spielart, die Traditionalisten nicht unbedingt gefällt

Die Honda hatte er für kleines Geld bekommen und ziemlich schnell den Rahmen zerteilt. Während der Bereich der unteren Schwingenlagerung einbezogen wird, soll der obere so tief wie möglich geformt werden. Dies ermöglicht eine niedrige Sitzposition noch unter dem höchsten Punkt des Hinterreifens. Ein kurzer Aluminiumheckfender zeigt mehr vom Weißwandreifen, als er verdeckt. Schlank und schmal soll das Bike schließlich werden. Der originale Tank eignet sich dafür nicht. Ein schmaleres Gefäß passt aber nicht ohne weiteres auf den im oberen Bereich aus zwei Rohren bestehenden Rahmen. Also schweißt Olly einen extrabreiten Tunnel in den favorisierten Sportstertank – passt. Der Pop-up-Deckel war da nur noch eine Fingerübung. 

Der umgedreht montierte Lenker sorgt für eine flache Linie

Die gröbsten Änderungen sind damit durch, aber gerade die Details sind ja das, was oft am längsten dauert. Dazu zählen die vielen Bohrungen, die mehr der Optik dienen, die Elektrobox unterm Sitz, in der auch das Zündschloss seinen Platz findet oder der Gitterscheinwerfer, der von einem Swapmeet stammt. Der umgedreht montierte Lenker sorgt dafür, dass die anvisierte niedrige Linie eingehalten wird. Niedrig war übrigens auch die Budgetvorgabe, die Olly sich für den Umbau gesteckt hatte. Daher stammen zahlreiche verbaute Parts vom Gebrauchtmarkt oder sind selbst gefertigt. Dazu zählen auch der schlanke Sitz, die Fußrastenanlage und sogar die Lackierung.

Geschmack und das Gefühl für Linienführung zeichnen den Umbau aus. Die Trumpet-Tüten fügen sich bestens ins Gesamtbild

Kaum zu glauben, aber die hat Olly mit Hilfe einiger Dosen Lack selbst hingezaubert. Eine doppelte Lage Klarlack schützt die Flakes vor Problemen mit aggressiven Benzintropfen. Wenn uns Ollys Bike eines zeigt, dann das: Mit zwei rechten Händen und einer überbordenden Kreativität lassen sich krasse Kisten auf die Räder stellen. Dazu bedarf es keines dicken Geldbeutels – und den freundlichen Zulassungsstimmungen in Belgien.

 

Floris Velthuis