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Mit der VT 600 startete Adrian seinen ersten richtigen Umbau – und hat dabei gleich richtig hingelangt. Viele klassische Chopperelemente, dazu Handschaltung und Fußkupplung, hatte er sich selbst ins Lastenheft geschrieben.

»Ich wollte schon immer einen Chopper bauen«, so beginnt Adrian die Geschichte seiner Honda VT 600 Shadow. Es ist rund drei Jahre her, als er sich auf die Suche nach einer passenden Basis macht. Über eBay-Kleinanzeigen wird er fündig, doch zwischen seinem Wohnort, ganz im Süden der Republik, und dem Emsland liegen mehr als siebenhundert Kilometer. Da fährt man nicht einfach mal auf Verdacht hin, um sich ein Moped zu kaufen.

Die Basis-Shadow findet Adrian bei Ebay – leider am anderen Ende der Republik

»Deshalb habe ich mir ein Video schicken lassen, auf dem zu sehen war, dass sie läuft«, so Adrian. Schließlich wechselt die Honda den Besitzer, doch der Zustand ist marode, wie er rückblickend erklärt. »Außerdem hat die Gabel gesifft und im Tank war alter Sprit.«

Der Anfang einer mehrjährigen Reise

Keine gute Ausgangslage, was aber wiederum keine Rolle spielt, denn aus dem Japan-Cruiser soll ein richtiger Chopper werden. Für Adrian der Anfang einer mehrjährigen Reise, bei der die Shadow mehrere Umbauphasen durchlaufen sollte. Und so beschränkt sich der erste Abschnitt auf einen Heckumbau samt Sissybar, Solositz und einen anderen Fender. »Beim zweiten Umbau kam dann ein Peanut-XL-Tank drauf und ein Lenker von V-Team.«

Erst im letzten Winter geht Adrian in die Vollen und macht mit tiefgreifenden Änderungen aus der VT einen waschechten Chopper. Den Rahmen gibt er einem Kumpel, der für ihn alle Änderungen vornimmt. Parallel dazu bespricht er sich mit dem TÜV-Mann seines Vertrauens, schickt viele Fotos, klärt alle Schritte ab und muss akzeptieren, dass sich gewisse Dinge nicht umsetzen lassen.

Bevor die Honda VT Shadow wieder auf die Straße kann, muss noch viel erledigt werden

»Das 21-Zoll-Vorderrad ging leider nicht, aber dafür vieles andere.« Enttäuscht ist er nicht, denn auch so muss noch viel erledigt werden, bevor das Bike wieder auf die Straße kann. Er besorgt sich noch mal einen nagelneuen Lenker, wieder von V-Team, nur etwas extremer, verbaut neue Gabelbrücken und legt die ganze Kiste tiefer.

Handschaltung und Fußkupplung waren Pflichtprogramm

Die King-and-Queen-Sitzbank baut er selbst und lässt sie vom Fachmann beziehen. Inzwischen hat er Sissybar Nummer drei installiert und spinnt, befeuert durch die Dynamik, die bei solchen Umbauten entsteht, immer neue Ideen.

Handschaltung und Fußkupplung sind Pflicht

Neben einem Standard-Peanut-Tank mit geringerem Volumen ist das vor allem ein Suicide-Clutch-Set. Ganz dem Chopper-Style verfallen, will er unbedingt eine Handschaltung samt Fußkupplung. »Der Kit stammt von einem Ami und war tatsächlich Plug-and-play. Nur den Schaltknauf habe ich mir drehen lassen«, meint Adrian grinsend.

Wie es sich für einen Chopper gehört, bekam die Shadow eine Minimalinstrumentierung

Doch der Umbau hat seinen Preis und am Ende ist eine Lackierung nicht mehr im Budget. »Na ja, dann habe ich halt beschlossen, die wenigen Parts selbst zu lackieren.« Tipps holt er sich von Lackkünstler Chiko und zieht sich etliche Tutorials bei YouTube rein. Farbmäßig wird es anschließend ziemlich skurril und für manchen Geschmack sicher etwas zu poppig. Doch es ist Adrians Antwort auf optische Langeweile: »Schwarz kam wirklich nicht mehr in Frage. Ich wollte etwas ganz anderes, so etwas wie eine Antifarbe, dazu Metalflakes.«

Er baut sich einen Flakebuster, schneidet sich Schablonen zurecht und besorgt sich entsprechenden Lack in Sprühdosen. »Bis auf ein paar kleinere Fehler hat das auch wunderbar geklappt. Anschließend gab es noch mehrere Schichten Klarlack oben drauf.«

Ein selbst gebauter Flakebuster, Schablonen, ein paar Sprühdosen mit Candylack und jede Menge Metalflakes. Anschließend Klarlack drüber – fertig

Unterstützung bekommt er während des Umbaus aus der Familie. Die Frau hilft mit, wo sie kann, und der Vater dreht ihm alle notwendigen Teile, die ein Individualumbau nun mal erfordert. Inzwischen ist es Sommer, und kurz vorm Fotoshooting will Adrian noch farblich zur Lackierung passende Griffe. Eine irre Idee, denn im Aftermarket gibt es so etwas nicht gerade von der Stange.

Griffe aus Silikon, das normalerweise für Körperöffnungen verwendet wird

Schließlich wird er bei der Old School Bude fündig. Dort ist man in der Lage, Griffe in allen möglichen Farben ganz individuell herzustellen. »Was für ein Glück. Die haben mir sogar Glimmer reingemacht.« Dass das Material eigentlich »Silikon für Körperöffnungen« ist und normalerweise für Erwachsenenspielzeug verwendet wird, tut der Sache keinen Abbruch. »Auf jeden Fall liegen die Griffe gut in der Hand und passen perfekt zur Lackierung«, meint Adrian und kann sich erneut ein Grinsen nicht verkneifen.

Die Griffe wurden pünktlich zum Fotoshooting fertig und sind eine Einzelanfertigung, passend zur Lackierung

Ende gut, alles gut? Nicht ganz, denn wie ein netter Spruch lautet: »A Bikers work is never done«. Was für Adrian offenbar obligatorisch geworden ist, denn er denkt bereits über einen Rahmen in Perlmuttweiß nach, und über Midshift-Controls, um endlich dem Frisco-Style gerecht zu werden.

Wird das nächste Projekt nach der Honda VT Shadow, eine Shovel?

Und ganz nebenbei, aber wirklich nur ein bisschen, träumt er immer noch von einer alten Harley-Shovel. Wenn das mal keine Ankündigung für das nächste Projekt ist.

Noch glänzt der Rahmen in Schwarz, doch Adrian spielt in Gedanken bereits mit Perlmuttweiß als Farbe für das Rohrgeflecht. Außerdem könnten Midshift-Controls die vorverlegten Fußrasten ersetzen

Für einen ersten, echten Umbau ist das VT-600-Projekt ein ganz schöner Kracher geworden. Vor allem die Handschaltung zeigt, wie konsequent Adrian den von ihm bevorzugten Stil umgesetzt hat. Kaufen, wo es nicht anders geht, selbst machen, wo immer es möglich ist. Cool.

Die Abrechnung erfolgt zum Schluss: Weniger als 7.000 Euro stehen zu Buche, exklusive der Arbeitsleistung