Zwei Hobbyschrauber werfen ihre Talente zusammen und bauen eine Honda Shadow – das Ergebnis überzeugt auf ganzer Linie

Sehr gelungener Umbau der beiden Hobbyschrauber Stefan und Siegfried

»Blut, Schweiß, Tränen, Flüche, mehr gibts da eigentlich nicht zu sagen. Oder wolltet ihr sonst noch was wissen?« Ja, doch, schon, ein paar Fragen hätten wir dann doch noch. Denn immerhin steht hier eine eigentlich schnöde Honda VT 600 vor uns, gerne mal als Brot-und-Butter-Motorrad bezeichnet und oft genug auf eher einfache Art umgebaut. Dass in der Karre hier aber etwas mehr Denkarbeit steckt, ist offensichtlich. Also Kaffee geschnappt und zu Stefan und Siegfried, den zwei holländischen Urhebern des Bikes, an den Tisch gesetzt.

Die Auspuffanlage war einer der schwierigsten Parts

»Flammen, Totenköpfe, was man halt so macht«

Das Bike gehört Siegfried, der war zuvor Suzuki gefahren, kennt sich mit den japanischen Maschinen also bestens aus. Sein Freund Stefan arbeitet als Entwickler für Autolacke. Irgendwann fing er mit ein bisschen Airbrush an – Flammen, Totenköpfe, was man halt so macht. In dem Zug kam er auch auf die Sache mit den Flake-Lackierungen, brachte die Shadow eines Bekannten so zum Glitzern. Und empfahl seinem Freund Siegfried, der gerade auf der Suche nach einem Bike war, eben jenes gutmütige Honda-Modell zu nehmen. Der Startschuss zum Gemeinschaftsprojekt.


Weißwandreifen waren Pflicht

Einer Sitzbank wie ein Chesterfield-Sofa

Bald darauf stand eine Shadow in Siegfrieds Scheune, schon umgebaut. »Mit einer Sitzbank, ausladend wie ein Chesterfield-Sofa, und einem riesigen Altherren-Windschild. Wisst ihr, es mag Leute geben, die sowas gut finden. Aber ich gehöre nicht dazu«, rümpft Siegfried den Riechkolben. Ab da trafen sich die Freunde jeden Mittwochabend, um am Bike zu arbeiten, systematisch gingen sie den Umbau an. Im Prinzip stand die Richtung fest, »wir wollten alles recht einfach halten«, erklären die Holländer, »Weißwandreifen, großes Vorderrad, eine kurze Gabel und ein niedriges Heck.«

Honda VT 600 Shadow – Tiefflieger

Starr ist zwar cool, hätte aber die Linie des Bikes massiv beeinträchtigt

Zwar waren sich die Jungs am Anfang relativ sicher, es mit einem starren Rahmenheck zu probieren, einigten sich dann aber schnell auf eine andere Lösung. »Starr ist zwar cool, aber hätte die Linie des Bikes zu massiv beeinträchtigt. Außerdem hätten wir die Sattelstütze dafür entfernen müssen, das Ganze hätte ungeschickt und künstlich ausgesehen«, da sind sich beide Schrauber sicher. Und betrachten wir es mit deutscher Graukittellogik, so könnte ein TÜV-Beamter hierzulande angesichts der originalen Schwinge doch eher ein Auge zudrücken.


Gabel und Schwinge wurden extrem gekürzt

Satte neun Zentimeter kürzere Gabelholme!

Modifiziert ist das Chassis freilich trotzdem, Siegfried und Stefan fertigten einen Hilfsrahmen an, behielten aber das Zentralfederbein der Shadow bei – gekürzt, um die angestrebte tiefe Optik zu erreichen. Auch vorn blieb die Honda-Telegabel erhalten, allerdings mit satten neun Zentimeter kürzeren Gabelholmen als ab Werk. Um das hintere Rahmendreieck frei zu bekommen, entfernten sie außerdem den Batteriekasten und setzten die Batterie in ein kleines Eigenbau-Kästchen unter den Hilfsrahmen. Obendrauf wurde ein Solosattel perfekt in die Linie des Rahmens integriert. Mit Hilfe einer Pappschablone wurde auch dieses Teil eigens gefertigt und von Stefan mit Leder überzogen.

Ein wunderbar flaches Eisen

Schon mal ’nen Bobber mit Clip-ons gesehen?

Obwohl das alles doch gewaltig nach Bobber riecht, kann Stefan seine aktive Zeit in der Streetfighterszene nicht ganz leugnen. Oder habt ihr schon mal ’nen Bobber mit Clip-ons gesehen? Auch das kleine Flüssigkeitsreservoir am Wasserkühler oder die Race-Filter zeugen von sportlichen Genen. Drei Anläufe benötigte die Anfertigung der Auspuffanlage, »einer der schwierigsten Parts des Projekts«, wie Siegfried zugibt. Er hatte die Idee der nach unten laufenden Rohre, die originalen Halterungen am Rahmen sollten aber bleiben. Der erste Versuch misslang gründlich, also kam wieder der Schleifer zum Einsatz, schon besser. Der dritte Versuch war schließlich der Durchbruch.


Lackiert wurde nach den Techniken des großen Vorbilds Robert Pradke, dem Lackierer von Indian Larry

200 Stunden (!) stecken im Lackkleid

Und dann wäre da noch die Sache mit der Lackierung. Wüssten wir es nicht besser, würden wir sagen, das ist eine absolute Profiarbeit. 200 Stunden (!) hat Hobbyflaker Stefan in das Lackkleid investiert. Eine erste Version war noch grün, die gefiel dann doch nicht. Alles noch mal von vorn. Am Schluss entsteht eine Lackierung aus Orange mit Gold- und Silberelementen, aufgetragen nach traditionellen Oldschooltechniken. Wie viel abgeklebt wurde und wie viele Lackschichten am Ende auf der Honda liegen, weiß Stefan gar nicht mehr so genau. The devil is in the details.