Der Franzose Karl Renoult hat in den letzten Jahren einige der geilsten Sportbikes des Kontinents rausgehauen. So wie diese abgefahrene Güllepumpe.

Nehmt das Wort Güllepumpe aus eurem Beleidigungswortschatz, ihr braucht es nicht mehr. Jahrelang musste die Honda CX unter der Häme leiden, die Comiczeichner Brösel einst gestartet hatte. Selbst wir müssen beschämt eingestehen, dass wir mitgelästert haben. Aber mittlerweile gibt es reichlich famoses Material auf Güllebasis – wie auch dieser Umbau beweist.

Honda CX 500 – vom hässlichen Entlein zum begehrenswerten Sportsbike

Die CX kann auch wunderschön

Schaut euch diese Honda CX an, ist sie nicht schöner als die Sonne in Japan jemals aufgehen könnte? Wer hätte sie besser bauen können, als der Customizer, der die Welt mit hammerharten Sportumbauten bombardiert. Dass Karl, der im französischen Nantes unter dem Label »Ed Turner Motorcycles« firmiert, früher oder später eine Honda CX in die Werkstatt bekommen würde, wusste er schon länger: »Wer die Augen aufmacht und sich in der Szene bewegt, dem muss klar sein, dass dieses Modell eine Renaissance erlebt. Früher oder später würde ich auch so einen Auftrag bekommen, da war ich mir sicher«, erzählt er uns. Der Auftrag kam von seinem Kunden Kevin. Lange versuchte Karl ihn davon zu überzeugen, doch lieber eine Guzzi zu wählen … nichts zu machen, die Wahl stand fest. Also macht sich der Customizer auf die Suche, findet das passende Basisobjekt, in der Sportversion mit weniger als 30000 Meilen auf der Uhr.


Dieses Ding ist auf Angriff gepohlt

Der Querdenker designt alles neu

Zurück in der Werkstatt reißt Karl das Bike auseinander und urteilt über das Bike genauso, wie es viele einst getan haben, »ich finde keine Wort, diese brutale Hässlichkeit zu beschreiben«, Karl beschließt nichts vom Original zu behalten, außer dem Motor und den Rädern. Alles andere designt der Querdenker neu. Zwar orientiert sich Renoult grob an den Formen des alten Chassis, verzichtet wie bei der Basis auf Unterzüge und setzt den Zweizylinder als tragendes Element ein. Das zentrale Oberrohr verläuft – anders als beim Original – kerzengerade und mündet rund ablaufend in ein zentrales Öhlins-Federbein, der zweite Teil des Rahmens umfasst die Motoraufhängungen und die Sitzbank-Konstruktion, die den späteren Cafe-Racer-Look schon fahrwerksseitig vorgibt.

Platz für eine knackige Underseat-Auspuffanlage ist da auch noch genug. Auch die Schwinge ist natürlich ein Ed-Turner-Produkt und wird wie die Gabel in Nantes gefertigt. Karl verwendet aber immerhin die Gabelholme einer Triumph Speed Triple, poliert diese auf Hochglanz. Die eigens gefertigte Gabelbrücke ist ein kleines Meisterstück, in der Renoult die alte, japanische Flagge wehen lässt. Ein Detail, das sich übrigens auch an der zurückgelegten Fußrastenanlage findet.


»Rising Sun«-Ausfräsung an der Fußrastenanlage

Ein Kracher

Als weiteres Highlight punktet der Tank. Aus vier Teilen setzt Karl das Spritgefäß mit seinem Freund Joe zusammen, es läuft mit seinen Einbuchtungen perfekt über dem Motor. Und bekommt als Höhepunkt Figuren aus der japanischen Mythologie verpasst. Vielleicht das Einzige, was Karl seinem Kunden Kevin, der ein großer Fan japanischer Mangas ist, zugesteht. Denn abgesehen davon entspricht die Honda nicht den Vorgaben des Kunden. »Ich habe mein eigenes Ding gefahren, ich kann da nicht anders, das Risiko muss ich tragen. Wenn Kevin das Bike nicht gefällt, werde ich ihm wohl oder übel ein anderes bauen.« Doch dazu kam es nicht. Kevin war deeply in love mit seiner Gülle, was bei dieser Optik auch kein Wunder ist.

Info | www.edturner-motorcycles.com