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Unzählige Honda CX 500 wurden schon zu Cafe Racern umgebaut. Diese hier ist das Erstlingswerk eines Neuinfizierten – und dabei eine der besseren Sport-Güllen geworden …

Was macht man, wenn man Langeweile hat und sich ein neues Hobby zulegen möchte? Richtig, man könnte ja ein Motorrad umbauen – einfach so. Es klingt ein wenig verrückt, aber solche Geschichten passieren immer wieder und sie sind nicht die schlechtesten. Genau aus den oben genannten Gründen bezog Christian seine Motivation, eine Idee in die Tat umzusetzen.

Zu teuer – Die CB 750 scheidet als Basis aus

Im Internet schaut er sich verschiedene Umbauten an, lässt sich inspirieren und entscheidet sich für einen Cafe Racer, da hier die Basis aufgrund der Modellvielfalt doch etwas günstiger scheint als bei Choppern. Doch die Ernüchterung erfolgt beim genaueren Betrachten der Modelle, für die er sich zuerst interessiert. Insbesondere Hondas CB 750 würde sich als Basis anbieten, scheidet aber aufgrund des hohen Basispreises von vornherein aus. Die Nachfrage nach den Nippon-Klassikern hat in den vergangenen Jahren zu steigenden Preisen geführt.

Die Gabelbrücken hat Christian gegen die einer Honda CM 400 T getauscht und zudem progressive Federn von Wirth verbaut. Die Serienstoßdämpfer wurden durch Konis ersetzt. Damit ist das Fahrwerk ziemlich sportlich und trotzdem nicht unkomfortabel

Also recherchiert er weiter, sucht im Netz weiter nach einem bezahlbaren Modell und stößt auf eine Honda CX 500, gemeinhin als Güllepumpe bekannt. Obwohl sich die CX inzwischen zu einem begehrten Objekt entwickelt hat, schnappt er sich ein bekoffertes Modell für freundliche neunhundert Euro. Das Projekt kann beginnen. Unweit von seinem Heimatort holt er die Honda ab, die sich tatsächlich noch im Originalzustand befindet. »Allerdings in einem sehr bearbeitungsdürftigen«, wie Christian zugibt. »Das spielte aber letztlich keine Rolle, da ich sie sowieso zerlegen und umbauen wollte.«

Honda CX 500 – Bekoffertes Basisbike für 900 Euro

Gleich zu Beginn legt er sich dicke Mappe an, führt penibel auf, was er wie umbauen möchte und welche Änderungen am Rahmen vorgenommen werden sollen. Am Ende hält er eine rund fünfzig Seiten starke Dokumentation in den Händen und macht sich auf die Suche nach einem TÜV, der ihn beim Umbau begleiten soll. Kein leichtes Unterfangen, denn bei einigen Prüfstellen blitzt er gleich mal ab. Kein Interesse, oder besser gesagt, keine Lust, sich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Damit der Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit nicht wie ein Urinsammler wirkt, verwendet Christian blau gefärbtes Kühlwasser

Doch irgendwann wird er fündig, trifft auf offene Ohren, erst recht als der begleitende Prüfingenieur erfährt, dass Christian im Hauptberuf Maschinenbauingenieur und Schweißen sein Spezialgebiet ist. Ab da nimmt sein CX-Projekt Fahrt auf, kann er endlich den Heckrahmen abschneiden, nachdem er die Honda komplett gestrippt hat. In seiner Doppelgarage ohne Heizung verbringt er den Winter, setzt die Honda Stück für Stück nach seinen Vorstellungen wieder zusammen. 

Honda CX 500 – Der V2 wird komplett überholt

Teile besorgt er sich im Internet oder stellt sie selbst her, wie den Höcker, den er aus Metall formt, oder die Sitzbank, die er anschließend von einem Sattler beziehen lässt. Den Motor lässt er von Jochen, einem Spezialisten aus der Nachbarschaft, komplett überholen. Wie so oft bei Umbauten, wird die Suche nach einem passenden Auspuff zum Problem.

Warum das Rad neu erfinden? Schon Buell hat an seinen Motorrädern den Auspuff unterm Motor platziert. Das sieht gut aus und senkt den Schwerpunkt

Christian will das Hinterrad frei haben, doch es gibt so gut wie keine Anbieter mehr auf dem Markt, schon gar nicht für solche speziellen Anforderungen. Bei Buell holt er sich die Inspiration, schaut sich die Platzierung der Endtöpfe ab und sucht nach etwas Passendem. Bei BSM wird er fündig, nimmt zwei Endschalldämpfer, versieht sie mit dB-Killern und macht den Auspuff TÜV-konform. 

Die M-Unit von Motogadget hat vieles vereinfacht

»Eine der größten Herausforderungen für mich war die Elektrik. Doch die M-Unit von Motogadget hat vieles vereinfacht und ich habe mich da einfach reingefuchst.« Stunde um Stunde verbringt er meist die Abende oder auch die Wochenenden in seiner kleinen Garage, arbeitet Teil um Teil auf, überlegt sich Lösungen für die auftauchenden Probleme wie das Heckteil, das er vier- bis fünfmal neu baut, weil es ihm nicht gefällt. Doch er beißt sich durch und lackiert zum Abschluss sogar Tank und Höcker selbst.

Ein Cafe Racer mit Stollen? Könnte als Stilbruch durchgehen. Aber hey, erlaubt ist, was gefällt, und Christian wollte mit dem TKC 70 von Continental seiner Honda einen etwas anderen Look geben

Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit, einem Familienzuwachs und mit dem Verständnis seiner Frau Jessica für sein neues Hobby nimmt die Honda CX 500 die TÜV-Hürde im Galopp. Für Christian bedeutet das, sich ein neues Projekt zu suchen oder das gerade neu begonnene Hobby gleich wieder aufzugeben. Doch das sollte keine allzu schwere  Entscheidung werden. Motorräder zum Umbauen gibt es schließlich genug.

 

Christian Heim