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Die Inspiration kam aus den USA, gebaut wurde in Holland: Diese Honda CB 750 vereint Chopper-Coolness mit sportlicher Café-Racer-Attitüde.

Wer den Fahrspaß und die Optik eines Cafe Racers mit den Attributen und der Coolness eines Choppers verbinden möchte, dem wird dieser Stil gefallen. Die »Low-Cafe-Racer« sind schon seit einiger Zeit weit vorne in der Gunst vieler Schrauber. Stummellenker und typische Heckbürzel auf der einen, reduzierte flache Chopperlinie auf der anderen Seite. Das ganze gepaart mit sportlichen Motoren und schon entstehen lässige Alltagsfeger.

Der Stil kommt von Firmen wie der Garage Company aus Los Angeles

Jeroen van Loon entdeckte den Stil vermehrt bei amerikanischen Firmen wie der Garage Company aus Los Angeles. Schnell wollte er genau sowas auch haben. Dass eine Honda die Basis sein sollte, ist bei dem Freak aus Holland ebenfalls keine Überraschung, denn er fährt schon immer kaum was anderes. »Ich bin ein Honda-Typ, vor allem die alten Vierzylinder haben es mir angetan«, erklärt er.

»Scallops sind ein grandioses Mittel, um eine flache, gerade Linie noch zu verstärken. Das Bike wirkt so länger als, es ist.«

Dabei hatte der Holländer zwischenzeitlich auch mal komplett umgeschwenkt, sich eine moderne Fireblade zugelegt. »Aber ich war schnell geheilt«, schmunzelt er, »die CBR war einfach langweilig, es war viel zu einfach sie zu fahren, keine Herausforderung, keine Spannung.« Auch der Ausflug zu Ducati machte nichts besser, Jeroen fuhr ständig zu schnell, kassierte unzählige Strafzettel, »ich war mit dem Ding einfach nicht mehr ich selbst.«

Die Honda CB 750 eignet sich hervorragend für flache Race-Umbauten

Also zurück zur alten Liebe und eine Honda CB 750 F1 gekauft. Tja, und irgendwann dann eben die flachen Cafe Racer gesehen, so kam eins zum anderen. Zumal sich der »Bügelbrett«-Rahmen der CB hervorragend für flache Race-Umbauten eignet. Da Jeroen auf die Fahrbarkeit seines Umbaus Wert legte und trotzdem die reduzierte Optik suchte, machte er sich auf die Suche nach einem Customizer, der die Änderung des Lenkkopfwinkels nach seinen Wünschen umsetzen konnte.

Ausgangsbasis: Jeroens CB 750 vor dem Umbau. Auch Originalheimer dürften beim Anblick dieser traurigen Basis keine Kulturgutschändung wittern

Seinen Meister fand er in Tjeerd, dem Chef von »Short Cut Choppers«. Der hieß Jeroen willkommen, es floss Bier und die Idee vom CB-Racer gefiel dem Customizer auch richtig gut. So landete die Honda in Tjeerds Händen, der das Spenderbike zerlegte und den Rahmen cleante, kürzte sowie den Lenkkopf um sieben Grad reckte. Unter die Schwinge passte Tjeerd den Batteriekasten exakt ein. Und das war es noch lange nicht. Jedes Mal wenn Jeroen sich nach dem Stand der Dinge erkundigen wollte, konfrontierte ihn sein Schrauber mit neuen Ideen.

Stahlblech-Sitzbank mit zwei schmalen Lederpolstern

Immerhin durfte er das Einspeichen der Räder noch selbst übernehmen, beim Rest gab Tjeerd den Ton an. So wurden zum Beispiel zahllose Gabeln und Lenker ausprobiert, um am Ende bei zwei Klassikern zu landen. Nun greift Jeroen während der Fahrt zum Tommaselli-Stummel und sitzt hinterm Sporty-Tank, besser gesagt hinter der Schale eines solchen. Tunnel und Unterseite des Spritgefäßes sind nämlich Eigenanfertigungen von Short Cut. Ebenso übrigens wie die auffällige Sitzbank, die aus Stahlblech mit Nieten versehen gefertigt wurde und lediglich zwei schmale Lederpolster als Aufsatz hat.

Auf ein flauschiges Polster darf der Pilot nicht hoffen. Zwei schmale Schaumstreifen mit Lederüberzug müssen als Komfortzugeständnis ausreichen

Der Heckbürzel wiederum trägt Harley-Material in sich und wurde aus einem Sportster-Tank gefertigt, er sitzt ultraknapp überm Reifen. Dafür wurden die Federbeine durch kurze Struts ersetzt, so können sich Reifen und Bürzel garantiert nicht zu nahe kommen. In der Zwischenzeit war außerdem der Kustom Bart aktiv geworden. Der coole Lackmeister teilt sich mit Tjeerd eine Werkstatt und versah die Honda mit einem glitzernden Lackkleid. »Anstatt klassisch Schwarz oder Racing Green zu benutzen, setzte ich voll auf silberne Flakes und Scallops in Candyrot. Damit ist auch ein bisschen 70s-Flair im Bike und Scallops sind sowieso ein grandioses Mittel, um eine flache, gerade Linie optisch noch zu verstärken. Das Bike wirkt so länger, als es ist«, freut sich der Bart.

Honda CB 750 mit 4-in-1-Megafon-Anlage

Das Teilesammelsurium setzt sich während des Aufbaus fort, Kupplungshebel von Kawa Z1300, Fantic-Frontscheinwerfer, Bates-Lampe und der Megafon-Auspufftopf, der rohen Sound aus der Anlage spuckt. Am Ende stehen wir tatsächlich vor einer Flut von Kreativität, die aber außerordentlich gut harmoniert und viele Stile vereint. Nur für Jeroen war der Umbau, der insgesamt zwei Jahre dauerte, letztlich ganz schön aufreibend. »Ich glaube, das war mein letztes Projekt«, sagt er und zwinkert uns verdächtig zu.

 

Floris Velthuis