Irgendwo bei Coburg sollte eine Harman-Sportster mit deutscher Zulassung existieren. Wir suchten und hatten Erfolg, brachten den Besitzer aber ganz schön in Bredouille.

Als die CUSTOMBIKE-Redaktion Basti Gartner mit seinem Harman Chopper zur »Save the Choppers!«-Show einlädt, steht dieses rare Stück Choppergeschichte noch in Bastis »Schlafzimmer« –  in Einzelteile zerlegt und gut verstaut! »Mein Kumpel Benni von Mean Machines meinte, dass ich die Kiste unbedingt für die Show zusammenbauen solle … drei Monate Zeit und keine Kohle …«, Basti braucht etwas Bedenkzeit und fasst dann den Entschluss: »Ich zieh das durch!« Dabei beginnt die Geschichte schon vor einigen Jahren, involviert war dabei Bastis Kumpel und Mentor »Bär« von Traditional American Engines.

Neben den technischen Arbeiten an Motor und Getriebe baut Basti schon in der ersten Umbauphase den Sporty-Tank im Friscostyle um

»Bär fand hier in der Gegend eine 900er-Ironhead. Und weil ich schon eine ebensolch Ironhead hatte, dachte er, sie wäre vielleicht was für mich, zum Ausschlachten oder was der Zustand halt sonst so hergibt«, erinnert sich Basti. »Wir sind dort hingefahren und als wir das Teil in der Scheune sahen, ging mir erst mal die Kinnlade runter!« Basti, der die besondere Gabelform des Bikes aus alten Magazinen kennt, ist sofort klar, dass er sich dieses Gerät nicht durch die Lappen gehen lassen darf. Am nächsten Abend steht die schwarze Harman, die ein US-Soldat als letzter gefahren hatte, bei ihm auf der Bühne.


Es gilt, den Pfusch aus mehreren Jahrzehnten auszubessern

Das Teil wird zum Laufen gebracht und für den TÜV fertiggemacht. Auch wenn der Chopper diese Prüfung besteht, wird er in Folge in vielen Details überarbeitet. Es gilt, den Pfusch aus mehreren Jahrzehnten auszubessern. Also was tun? Restaurieren im John-Harman-Stil? Basti entschließt sich, lieber den eigenen Style durchzuziehen. Allerdings behält er alle abgebauten Originalteile, für alle Fälle. Aus der Sportster wird ein Zweisitzer für Basti und seine damalige Perle. Der fränkische Schrauber ändert, verbessert, optimiert: »Den vorhandenen Flatfender habe ich verschmälert und verstärkt und dazu eine Edelstahl-Sissybar konstruiert.« Nach vielen Kilometern ist der Chopper zwar optimal präpariert, aber die Beziehung zur Lady beendet.

Der Tunnel wird flacher, der Einfüllstutzen nach oben versetzt – alles für mehr Reichweite

Basti vermeidet beim Vorbeifahren an Schaufenstern nun den Blick zur Seite auf die spiegelnde Fläche: »Das sah vorher so gut aus, wenn ich mich zurück an mein Mädel schmiegte.« Er will in der Werkstatt ein anderes Projekt starten. »Den Chopper habe ich komplett zerlegt und in meinem Schlafzimmer eingemottet, da war ja jetzt wieder Platz!«


»Ich wollte kein Showbike, das auf der Messe nicht richtig läuft«

Erst die Einladung zur Choppershow erlöst die Harman-Sportster aus ihrem Dornröschenschlaf. Jetzt muss es schnell  gehen: Den abgerockten Motor aufmachen, die Kolbenringe wechseln, Anlaufkanten in den Zylindern weghohnen, Ventile einschleifen, eine neue Barnett-Nasskupplung einbauen. »Ich wollte kein Showbike, das auf der Messe nicht richtig läuft«, Basti tauscht das Vorderrad mit der antiken Hurst-Airheart-Scheibenbremse gegen ein genauso altes mit – wie sich zeigt – ebenso wirkungsloser Mini-Trommelbremse von Hallcraft aus. Das eigentlich nicht vorhandene Budget jetzt schon absolut ausgereizt, nutzt Basti alles, was noch in der Werkstatt rumliegt. Er verzinnt den Tank selbst, verwirklicht die Basis-Lackierung mit Farbresten, Fett und Öl. »Mit Kumpel Chris zusammen habe ich dann beim Grillen in Flip-Flops das finale Design für Tank und Fender vollbracht.

Neue Mitfahrerin gesucht: Der Basti und seine Harman-Sportster

Das Farbkonzept Rot und Blau zusammen mit Schwarz und Weiß war inspiriert von dem Charakter Harley Quinn aus dem Film Suicide Squad. Deshalb sind auch die beiden Zylinder rot und blau. Nach dem Motto meines Bruders »Die Welt ist so abgefuckt – ich fick einfach mit« war das Resultat dann ziemlich raw.« Die Grafik mit den betenden Händen für den Tank wird auf dem wöchentlichen Freak-Treffen entwickelt. Kimberly, eine Stammtischfreundin, hat die Vorlage gezeichnet. Auf den Tank bringt es dann Bärs Freundin Joe.


»Erster Kick, die Karre lief und ich war eine Flasche Schnaps ärmer«

Nachtschichten sind jetzt notwendig, bald fließen Sprit und Öl. Drei Kicks und die Kiste sollte eigentlich laufen, noch ein bisschen am Vergaser und der Zündung fummeln – nichts! Gefühlte tausend Kicks später wird Kumpel Bär hinzugezogen. Der erkennt und behebt das Problem in wenigen Minuten: »Never change a running System«, meint er grinsend, weil Basti den Zündmagneten um 180 Grad verdreht eingebaut hatte. »Erster Kick, die Karre lief und ich war eine Flasche Schnaps ärmer«, gibt der Oberfranke heute schmunzelnd zu. In der nächsten Nacht wird noch die restliche Verkabelung fertig gemacht, das Nummernschild angeschraubt – TÜV ist ja noch drauf –  und auf der Gasse die Testfahrt bei minus zwei Grad Celsius absolviert: Alles funktioniert, ab geht’s nach Bad Salzuflen. Bastis Fazit fällt schlicht aus: «Wenn man dranbleibt, mit Leib und Seele dabei ist und von guten Freunden unterstützt wird, geht so etwas recht flott und auch ohne riesiges Budget. Jetzt muss sich nur noch eine neue Mitfahrerin finden.«