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Ein Finne hat Spaß an skurrilen Details. Also baute er eine Harley-Davidson WLA aus Messing, Holz und Rattan.

Was ist denn das für ein Ding? Völlig seltsam? Es kommt ganz drauf an, welche von Petri Ruusunens Geschichten du glauben willst. Der Finne hat nämlich gleich zwei Versionen im Repertoire, eine schwer abgehobene und eine eher bodenständige. Version eins: Exakt im Jahr 1904 öffnete sich ein Loch in der Atmosphäre über der kleinen finnischen Stadt Svopada. Ein kosmisches Gas strömte durch die Öffnung und vernebelte die Gehirne der Einwohner von Svopada nachhaltig. Einige begannen daraufhin mit der Herstellung bizarrer Gegenstände ohne erkennbaren Sinn.

Details, Details, Details: Elfenbeinbrosche an der Holzsitzbank …

Andere destillierten in ihren Scheunen berüchtigten Absinth und wieder andere kreierten völlig merkwürdige Fahrzeuge. Normal war keiner der Svopadaner geblieben, und das über viele Generationen. Irgendwann war in diesem Umfeld auch eine höchst eigenartige Harley entstanden. Niemand in Svopada fand das komisch.

»Wieso Stahl verwenden und diesen dann mit Chrom überziehen?«

Die zweite Version klingt da weit langweiliger. Nach vielen Jahren mit diversen Choppern und Harleys entschied sich Petri dazu, einmal ein Bike ohne Lackierung aufzubauen. »Die Leute sagen immer, mein Bike ist ein echtes Eisen, kein Plastik. Und dann tauchen sie ihre Karre in fünf Liter Acryl«, kratzt sich Petri am Kopf. Auch andere Beschichtungen lehnte der Finne konsequent ab: »Wieso Stahl verwenden und diesen dann mit etwas anderem wie etwa Chrom oder Messing überziehen?«

… feinmechanischer Antrieb für den Meilenzähler …

Also besorgte sich Petri eine riesige Platte aus 1,5 Millimeter starkem Messing und fertigte daraus viele Teile für die 1942er Harley-Davidson WLA an, die er für dieses Projekt auserkoren hatte. Der extravagante Bastler überholte den 750-ccm-Seitenventilmotor, das Dreiganggetriebe und das Fahrwerk.

Harley-Davidson WLA mit sehr skurrilen Details

Radgrößen, Lenkkopfwinkel oder Vergaserbestückung ließ er im Serienzustand. Doch bei den Details ging Petri in die Vollen. Als Tanks schweißte er zwei Torpedos aus Messing zusammen, als Heckfender verwendete der Finne Rattan aus Indonesien. Lenker und Sattel entstanden aus Hartholz. Becken von einem Schlagzeug zieren als Radkappen die Räder und die Tankbeschriftung stammt von einer Grabinschrift aus Italien. 

… oder vergitterter Linkert-Vergaser

»So mancher glaubt, es sei Luxus, in der Freizeit nichts zu machen, Fernsehen zu gucken oder zu segeln. Für uns in Svopada ist das kein Luxus, sondern pure Langeweile. Neue Dinge erschaffen, etwas zu lernen, das ist es, was wir uns hier wünschen«, erklärt Petri. Hat er nun Recht oder wirken doch kosmische Gase noch immer nach?

Info |  www.petriruusunen.fi 

 

Charley Charles