Auf der Bike Farm in Melle regiert seit langem der Oldschool. Was nicht heißt, dass die Jungs nicht auch gelegentlich modernere Pferdchen wie diese Softail Blackline im Stall haben.

Das Wort Urgestein hört sich immer etwas doof an. Klingt ein bisschen abgedroschen, muffig und alt. Dinosaurier ist nicht besser, ausgestorben und so. Aber wie soll man sie anders nennen, die, die die Szene in Deutschland so maßgeblich geprägt haben. Die den Weg geebnet und umgebaute Motorräder ans Licht gezerrt haben. Ach, nennen wir sie einfach Enthusiasten, das passt ganz gut. Und auch Gerhard Remmert dürfte keine Bauchschmerzen mit dieser Bezeichnung haben, denn einer eben jener Verrückten ist er allemal.

Ungewöhnlicher Stilmix: Springergabel meets Cafe-Racer-Heck

Enthusiasten seit fast 30 Jahren

Gerhards Firma – die Bike Farm in Melle – besteht seit mehr als 30 Jahren und das können eben nur eine Handvoll Customizer in Deutschland vorweisen. 1987 begann die Story, als Zweimannshow auf dem elterlichen Bauernhof, der Name Bike Farm kommt also nicht von ungefähr. Weit hat es der gelernte Werkzeugmacher Remmert seitdem gebracht, und weitsichtig ist er geblieben. Heute zählt die Bike Farm zu den Schwergewichten der deutschen Szene und im Gegensatz zu vielen anderen Profi-Werkstätten muss sie sich um die Zukunft kaum Sorgen machen, denn ein junges Werkstattteam und der noch nicht mal 30 Jahre alte zweite Geschäftsführer André sorgen für rosige Aussichten und konstant gute Arbeit.


Eigens gebautes Cafe-Racer-Heck

Manchmal muss man sich einfach austoben

So kann Gerd öfter mal der eigentlichen Leidenschaft frönen und mit dem starren Oldschooler nach Schweden brezeln. Noch so ein Stichwort, denn die Leidenschaft für alte Harleys mündet darin, dass die Bike Farm vor allem durch saubere Oldschool-Umbauten bekannt geworden ist. »Auch heute noch eines unserer Hauptaugenmerke, zumal wir alle privat alte Harleys fahren«, wie uns André erzählt. »Aber manchmal dürfen sich die Jungs in der Werkstatt einfach mal austoben und ein eigenes Projekt bauen. Da kommt dann so was bei raus«, deutet er auf die Softail, die wir uns fürs Fotoshooting vorgenommen haben.

Gekürzte Federelemente – tief kauert sich das schwarze Biest

Das Ding passt in keine Schublade

Den Motor beließen sie weitgehend original, setzten aber mittels RSD Engine Kit, offenem Primär oder mattschwarzer Vance&Hines-Anlage punktuell Akzente. Bei der Optik gingen die Jungs aus Melle einen etwas anderen Weg und so will sich das Bike nicht so recht in eine Schublade stecken lassen. Denn ehrlich, wer kombiniert normalerweise das eigens gebaute Cafe Racer-Heck mit einer Springergabel und einem schnittigen Windschild?


Als letzte Softail der Twin-Cam-Ära trug die Blackline den 96-Kubikinch-Motor mit Ausgleichswelle

Das Biest drückt sich flach an den Boden

So ganz bleibt die alte Schule da wohl doch nicht auf der Strecke. Dazu fällt erst auf den zweiten Blick die Dimension der Big-Spoke-Räder auf. Denn die 23 Zoll vorne merkt man dem flachen Bike, das hinten klassische 18 Zoll dreht, kaum an. Recht flach an den Boden drückt die Fuhre, Federn und Gabel sind um zwei Zoll gekürzt. Das komplett schwarze Outfit quasi aller Teile unterstreicht die flache, sportliche Linie.

Info | www.bike-farm.de