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Vater und Sohn bauen ein Motorrad. Warum die Wiedergeburt der Harley-Davidson Sportster sich am Ende über drei Jahre hinzieht, ist Daddys Job geschuldet.

Rainer hat den Dreh raus, seit über dreißig Jahren baut er in seinem Shop in Wachtberg in der Nähe von Bonn Harleys um. Mit Leidenschaft und Liebe zum Detail, wie der Blick auf die bisherigen Arbeiten verrät.

Den Blick auf Neues nicht verlieren

Langlebiges Handwerk – der Bau von eigenen Ersatzteilen und Zubehör ist eines der Gütesiegel der Firma – kombiniert hochwertigen Anbauparts, Rainer ist ein Schrauber alter Schule, der den Blick für Neues trotzdem nicht verliert.

Die Ironhead war ein Scheunenfund, hatte lange gestanden. Eine Überholung des Motors war daher un-erlässlich, der nostalgische Bobberstil kam später dazu

Dass Rainer im Köln-Bonner Raum neben den arrivierten Händlern und Customizern einen festen Platz und eine gute Auftragslage hat, spricht für ihn. Und ist nebenbei die Erklärung, warum das Projekt für Sohn Jan sich doch länger hinzog. Denn der Kunde ist Chef und der Nachwuchs spielt in diesem Fall die zweite Geige.

Harley-Davidson Sportster – Was lange währt wird endlich gut

Jan, der nicht in der Firma des Vaters arbeitet, sondern seine Brötchen als Designer und Gestalter verdient, nimmt’s locker. Und alte Sprichwörter bergen noch immer die Wahrheit, in diesem Sinne: Was lange währt wird endlich gut.

Diese Front sticht: Springergabel mit der Lampe von Crime Scene Choppers aus den USA und dem V-Team-Lenker mit den schönen Rundungen wirken wie aus einem Guss

Sohn Jan kommt immer samstags in Vaters Werkstatt, dann arbeiten die beiden zusammen an Jans Wunschmotorrad. Gut, dass der Bobber mag, denn da ist Rainer richtig fit. Ein Blick auf bisherige Umbauten beweist, dass der Stil ihm besonders gut liegt.

Ein Bobber ist immer ein geiles Motorrad

Kompakte Formen, die gleich großen Räder mit der knubbeligen Bereifung – ein Bobber ist immer ein geiles Motorrad, und eine Harley dafür die beste Basis. Nun wäre der Customizer aber nicht so konstant erfolgreich, würde er nicht mehr draufhaben, als Milwaukee-Eisen in die gewünschte Form zu stupsen.

Der Schwingrahmen wurde an der Sitzaufnahme im Heck geändert, der hintere kurze Fender ist mitschwingend konstruiert

Und so werden auch die Motorarbeiten direkt in Wachtberg erledigt. Im Fall von Jans Ironhead ist da einiges notwendig. Zylinderköpfe bearbeiten, Kurbelwelle feinwuchten und zentrieren, Ventile schleifen und einpassen, Gehäuse abdichten und mehr – die alte Dame bekommt eine First-Class-Behandlung und reift unter Rainers Händen vom röchelnden Seventies-Relikt zur soundstarken Rockröhre.

Harley-Davidson Sportster – Wohlwollende Töne aus den Fishtails

Der Auspuff aus eigener Herstellung spuckt die Töne aus seinen Fishtails wohlwollend auf den Asphalt. Und ja, Krümmer dürfen umwickelt sein, bei Bobbern schon dreimal. Nachdem die Arbeiten am Motor abgeschlossen sind, werden die Familiensamstage zum optischen Schaulauf.

Eigentlich sollte auf dem Tank das Geburtsjahr von Besitzer Jan stehen, aber eine »88« ist in ihrer Bedeutung leider unumstritten. Also wurde es der Geburtstag, ein Vierzehnter

Viele Zeichnungen fertigt Jan an, die Vorstellung vom nostalgischen Bobberstil mit etwas Understatement immer vor Augen. Dass im Bauprozess verändert und optimiert wird, ist normal. Das Rahmenheck samt Sitzaufnahme wird geändert, der Heckfender ist mitschwingend gebaut.

Die wenigen Kaufteile sind mit Bedacht gewählt

Im Gesamten wirkt dir Ironhead kurz und kompakt, wie es der Stil verlangt. Die Speichenräder, 16 Zoll vorn und hinten, mit den aufgezogenen Shinko-Weißwandreifen sind stilgenau. Wenige Kaufteile wie der halbhohe, gebogene Ape vom V-Team oder Scheinwerfer und Rücklicht von Crime Scene Choppers aus den USA sind mit Bedacht gewählt.

Schönes Highlight auf dem Paughco-Tank ist der Kronen-Tankdeckel

Für die Lackierung zeichnet Sven Fischer verantwortlich, das Finish steuert Lokalmatador Matthias »von Maze« Wagner aus Köln bei. Und die 14 auf dem Tank? »Keine geheime Zahlenmythologie«, lässt uns Jan wissen, »sondern einfach mein Geburtstag.« In drei Jahren kamen für ihn ein paar Samstage in Vaters Werkstatt zusammen. Aber die haben sich gelohnt, immerhin steht nun eine Karre mehr im Familienfuhrpark.

Info |  hbs-customs.de