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Schluss mit kleinen Brötchen, Bäcker Addie braucht Abwechslung, also baut er sich ein Motorrad. Auf Basis einer Harley-Davidson Sportster 883 stellt er einen Starrrahmen-Chopper auf die Räder. Es ist sein erster Umbau, realisiert mit wenigen Mitteln im Schuppen hinter seinem Haus.

Kekse, immer nur Kekse … da musste es doch noch mehr geben, als Mehl, Zucker und Butter. Als wir an Addies Haustür klingeln, öffnet Tochter Leila die Tür. Sie hatte uns eine Mail geschrieben und das Motorrad angeboten, das ihr Vater, Keksbäcker von Beruf, gebaut hatte. Addie guckt um die Ecke, »es war mein erstes Bike, mit einer Bohr- und einer Schleifmaschine hinten im Schuppen hab ich angefangen. Später hab ich mir noch ein Schweißgerät gegönnt.« Wir fahren zum Skatepark im niederländischen Breda, auf dem Weg regnet es heftig. Es erinnert Addie daran, dass er kein vorderes Schutzblech hat, »na ja, aber es geht doch ums Aussehen, oder?«.

Die Zeit im Gelände war vorbei, Addie brauchte ein Straßenmotorrad

Es ist reines Motoröl, das durch Addies Adern zu fließen scheint. Das erste Offroad-Bike bekam er, da war er sieben Jahre alt. Die Italjet mit fünfzig Kubik wurde später von einer 80er Suzuki abgelöst. Bis zu seinem vierzehnten Geburtstag fuhr er damit, immer abseits der Straße, bis die Behörden eben das untersagten. Die Zeit im Gelände war damit vorbei, er brauchte ein Straßenmotorrad. Erst musste die alte BMW vom Onkel herhalten, zur Volljährigkeit konnte er sich häufiger dessen Yamaha Maxim ausleihen, genug Geld für ein eigenes Bike warf die Bäckerlehre nicht ab.

Um das Bike etwas schmaler zu gestalten, wird ein halbhoher, relativ enger Ape montiert

Aber Addie schielte auf die Freunde, die zu der Zeit schon Harley fuhren, bis der Onkel irgendwann auf eine Sportster stieß, die für wenig Geld zu haben war. Sie stammte von einer Frau, die selbst nicht mehr fahren konnte, hatte wenige Kilometer auf der Uhr, das Bike war so gut wie neu. Viele, viele Jahre fuhr Addie sie in der Folge im Serienzustand – tja, bis er eben diesen Rappel mit dem Umbauen bekam. Der eine Kumpel hatte eine Ironhead umgebaut, der andere eine Shovel. »Und dann musste ich eben auch, obwohl ich sowas ja noch nie gemacht hatte«, so begann Addies Zeit im Schuppen.

Ein Starrrahmen für die Harley-Davidson Sportster

Tatsächlich ging er direkt den extremen Weg, ein neuer Rahmen sollte es sein, starr definitiv. Im Showroom der Rahmenbauer von L&L Choppers wurde er fündig. Dort standen mehrere Sportys, aufgebaut mit den hauseigenen Attackit-Fahrwerken. Drei Hardtail-Rahmen, speziell für Sportster-Umbauten, hat L&L im Programm, zwischen niedrig (Bobber), mittel (klassischer Chopper) und hoch (Chopper) kann der Kunde wählen. Zusätze wie den Öltank liefert L&L mit. Addie entschied sich für das mittlere Kit, »weil ich schon einen Chopper wollte, aber eben nicht zu extrem.«

Der hintere Fender ist ein modifiziertes Teil von Speed Merchant mit einer kleinen Besonderheit …

Da Addie ein komplett legales Bike wollte, musste er einige Behördenvorgaben einhalten. Zwar ist es in den Niederlanden, anders als in Deutschland, grundsätzlich kein Problem, eine Sportster im Starrrahmen zuzulassen, trotzdem gibt es gewisse Hürden, vor allem, da in Addies Papieren später nicht Harley-Davidson als Modellbezeichnung stehen würde, eben aufgrund des Rahmens. RDW nennt sich die Behörde in Holland, die eine entsprechende Rahmennummer – für die Legalität unerlässlich – vergibt. Dafür werden zunächst Rahmen und Motor einer Inspektion unterzogen und auf Herz und Nieren geprüft.

Erlösender Anruf – Die Rahmennummer war zugeteilt

Unsauberes Arbeiten wird dabei gnadenlos bestraft, Addie brauchte Hilfe. Er fand sie in Kumpel Toon Staalborstel, der konnte gut mit dem Schweißgerät umgehen. Gemeinsam bereiteten sie den Rahmen für die Prüfstelle vor und unterzogen den Motor einer kompletten Inspektion und Reinigung. Beide elementaren Teile gingen schließlich zur Prüfstelle. Da die RDW eine Behörde ist, mahlen deren Mühlen gewohnt langsam, Addie musste warten, ganze drei Monate lang. Dann der erlösende Anruf, die Rahmennummer war zugeteilt, der Motor hatte die Prüfung ebenfalls überstanden.

… hier auf dem Bild nämlich zu erkennen. Für den Zahnriemen hat Addie eine Aussparung ins Schutzblech gearbeitet

Ein Teilerfolg, denn danach würde auch das fertige Motorrad noch einmal geprüft werden. Dann erst bekommt man ein Nummernschild. Was wiederum danach passiert, ist der lustige Teil. Denn mit der Zulassung in der Hinterhand kann man hier und da noch mal nacharbeiten, ohne weiter behelligt zu werden, verrücktes Holland. Um also für die Prüfung kein Risiko einzugehen, entschied sich Addie so viele Teile wie möglich aus der Original-Sportster auf den Starrrahmen zu übertragen, die waren ja schon einmal zugelassen worden. Nur der Auspuff wurde zum Problem, den hatte Addie schon einmal ersetzt.

Harley-Davidson Sportster mit Eigenbau-Auspuff

Zum Glück fand er beim örtlichen Harleyhändler ein paar Original-Schalldämpfer, die würden der Geräuschmessung schon standhalten. Und das tat er, Addie bekam das so wichtige Nummernschild. Womit die Geschichte nicht zu Ende ist, denn nun begann der lustige Part. Der Auspuff landete wieder in der Schuppenecke, Eigenbau war angesagt. Der Originaltank, ein King-Size-Modell, war zu groß und wurde durch einen kleineren, ebenfalls von einer Sportster, ersetzt. Den hinteren Speed Merchant-Fender versah Addie mit einer Aussparung für den Riemen.

Die Originalräder blieben erhalten, bekommen ihre optische Aufwertung aber durch die aufgezogenen Avons

Die Wahl des richtigen Lenkers gestaltete sich schwierig, ein Apehanger sollte es schon sein, aber eben nicht zu hoch. Irgendwann fand er den passenden. Das Budget immer im Blick, kaufte Addie kein Teil, das er nicht auch verwendete, »außer die fünfzig Bremsleitungen vielleicht«, lacht er, da war bei der Bestellung was schiefgelaufen. Und eine gute war auch nicht dabei, die für die hintere Bremse ließ er am Ende auf Maß fertigen. Die Gabel wurde lediglich etwas durchgeschoben, Fußrasten und Räder übernahm er von der alten Sportster, auch wenn er sich gerade beim Hinterrad nicht ganz sicher war. »Aber in Verbindung mit dem Avon-Reifen fand ich es am Ende doch ganz cool.«

Harley-Davidson Sportster – Baker Steel!

Irgendwann war Addies Bike fertig, noch unlackiert fuhr er es eine komplette Saison. Erst einen Winter später wurde es noch mal zerlegt und von Freund Toon – dem Schweißer – in Farbe getaucht. Am 1. April, kein Scherz, war die Sportster schließlich fertig. »Gebaut von einem Keksbäcker und einem Schweißer«, lacht Addie immer noch und erklärt gleichzeitig die Typenbezeichnung, die nun in seinen Papieren steht – Baker Steel, was sonst?

 

Floris Velthuis