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Mit One Way Machine verfolgt Julian von Oheimb seine eigene Philosophie, wie ein Custombike auszusehen hat. In der Regel baut er ein Motorrad nur einmal – so wie diese Harley-Davidson Softail. So bleibt jedes Bike ein Unikat, denn »One Way« kennt kein Zurück.

Das Leben geht manchmal interessante Wege, die wenigsten davon tun sich durch Zufall auf. Der Aufbau des »White Liners« dagegen ist die Konsequenz aus einem anderen Umbau, den Julian von Oheimb vor rund zwei Jahren fertiggestellt hat. Damals zeigten wir den Ingenieur mit seinem schwarzen, ebenfalls schlanken Bobber im Heft und hatten ihn sogar auf dem Cover.

Julian von Oheimb, das Mastermind hinter Oney Way Machine, mit dem »White Liner«

Kurz nach Veröffentlichung des Bikes in den Medien, war es dann auch schnell verkauft. Seitdem hat es in Süddeutschland eine neue Heimat gefunden, obwohl Julian seine Bikes zum Großteil ins Ausland verkauft.

Der Kunde wird ins Softail-Projekt eingebunden

Die Arbeit an dem Bike muss aber nachhaltig beeindruckt haben, denn der Besitzer entschloss sich, diesmal ein Bike bei One Way Machine in Auftrag zu geben und seine Vorstellungen mit in den Aufbau einfließen zu lassen. Im Folgenden entwickelte sich ein reger Informationsaustausch zwischen dem Kunden und Julians Manufaktur. »Der Kunde war natürlich von Anfang an in das Projekt eingebunden. Wir haben viele Ideen besprochen und letztlich die besten davon umgesetzt«, so Julian.

Die Andeutung einer Sissybar dient gleichzeit als Halterung für den Heckfender

Als Basis nimmt er eine 2003er Harley-Davidson Softail, genauer: eine Night Train. »Ich bevorzuge Twin Cams aus den Baujahren 2000 bis 2006, die noch mit Vergaser ausgestattet sind und möglichst wenig Kilometer aufweisen. Außerdem kann ich bei diesen aufgrund der geringeren Höchstgeschwindigkeit auf ein anderes Reifenprofil zurückgreifen. Bei neueren Modellen geht das nicht mehr.«

Das Harley-Davidson Softail soll schlank werden

Vor dem Kauf lässt er sich zahlreiche Detailfotos von der Maschine zukommen. Er kennt die Schwachstellen der Harleys, weiß worauf zu achten ist. Die Vorgaben seines Kunden indessen kommen der Philosphie von One Way Machine sehr entgegen. Das neue Bike soll schmal werden und noch mehr ins Detail gehen als das erste. »Wir haben uns langsam an Linie und Optik herangetastet, dabei ständig Fotos ausgetauscht. Doch im Endeffekt hatte ich freie Hand.«

Fahrbarkeit steht in Julians Prioritätenliste ganz oben. Für die Galerie baut er nicht

Wie alle Aufbauten beginnt auch dieser in Julians Werkstatt mit einem kompletten Strip-down. »Jedes Bike wird bis auf den Rahmen komplett zerlegt. Dann nehme ich die entsprechenden Modifikationen vor, erledige die Blecharbeiten und lasse den Rahmen pulverbeschichten.« Auch der Motor bekommt ein neues Farbkleid. Julian schleift den ursprünglich schwarzen Motor der Night Train und lackiert ihn in Harley-Silbergrau. Dazu montiert er neue Rockerboxen von EMD, lässt den Motor aber ansonsten unangetastet. Lediglich ein neuer Luftfilter sorgt nicht nur für eine verbesserte Optik, sondern auch für mehr Luft im Gemisch.

Eine schmale Sportstergabel für die schlanke Silhouette

Was die Auswahl der Teile betrifft, so bindet Julian auch hier seinen Kunden mit ein, macht Vorschläge und sucht gemeinsam aus. So ziert nun eine schmale Sportster-Gabel, die Julian modifiziert und mit besseren Innereien versieht das Frontend der Harley-Davidson Softail. Die Gabel kann nun eingestellt werden und sorgt für ein deutlich besseres Ansprechverhalten. Am Heck montiert er eine selbstgebogene Mini-Sissybar, die gleichzeitg als Halterung für den Eigenbauheckfender dient.

Ein kleiner Einkolben-Bremssattel verzögert das Hinterrad mittels Ritzelbremse

Ein Blickfang wird der Tank, der ursprünglich an einer alten Triumph verbaut war. Das Spritfass wird auf die Linie des Motorrads angepasst und bekommt im Zuge der Lackierung eine kleine Besonderheit: Die Chromfläche ist tatsächlich lackiert. Ein spezielles Verfahren lässt anschließend die Oberfläche glänzen, als sei sie galvanisiert worden. In Kombination mit der weißen Farbe ein dezenter Kontrast.

Weiß ist das neue Schwarz

»Die weiße Lackierung war auch so ein Ding. Wir waren uns nicht sicher, ob sie wirken würde. Zudem ist es eine BMW-Farbe, die an den alten 02er-Modellen verwendet wurde. Sie ist allerdings so selten, dass mein Lackierer sie nicht selbst mischen konnte, sondern bestellen musste.« Ein Aufwand, der sich, wie alles am Bike, gelohnt hat und perfekt zum Stil passt. Schließlich ist Weiß das neue Schwarz.

Breitreifen haben in der Gedankenwelt von Julian keinen Platz. Wer mit Pans und Knuckles aufgewachsen ist, bleibt bei schmalen Reifen

Uverkennbar – das zeichnet die Motorräder von One Way Machine aus. Julian von Oheimb pflegt seinen eigenen Stil, kompromisslos und elegant, ganz so, wie man sich ein Bike aus einer Manufaktur wünscht.

Info | www.onewaymachine.com